Pre-Playoffs-Premiere

6.4.2021 - Von Maurizio Urech

Zu den Besonderheiten dieser NL-Saison gehört auch, dass zum ersten Mal Pre-Playoffs ausgetragen wurden. Wer holt sich die letzten beiden Viertelfinal-Plätze?

Im Gegensatz zu den letzten Saisons qualifizierten sich nicht acht Teams fix für die Playoffs sondern nur sechs. Die Teams vom 7. bis 10. Platz spielen in einer Best-of-3-Serie um einen Platz in den Playoffs. Ähnlich wie bislang in der DEL, weil es dort wie temporär (?) in der Schweiz ebenfalls keinen Absteiger gab. Für die Schlusslichter HC Ambrì-Piotta und die SCL Tigers ist die Saison bereits zu Ende.

Wer schafft es in den am Mittwoch beginnenden Serien eine Runde weiter in die «richtigen» Playoffs?

EHC Biel (7.) – SCRJ Lakers (10.)

Die Seeländer kehrten von einer Quarantäne zurück und schafften am letzten Samstag eine unglaubliche Wende gegen Genf-Servette mit fünf Toren in den 150 Sekunden, damit überholte man die Grenat und stand vor der letzten Partie auf einem Playoff-Platz. Zum Abschluss der Qualifikation musste man beim Leader EVZ antreten und dominierte lange das Geschehen. Nach dem Ausgleich des EVZ hatte man Pech, dass ein Treffer von Gilian Kohler nicht anerkannt wurde, weil die Schiedsrichter zu früh abgepfiffen hatten. Auch wenn man es nach der Partie sportlich hinnahm, war es eine mehr als unglückliche Szene.

Die SCRJ Lakers kämpften lange mit dem HC Ambri-Piotta um den Einzug in die Pre-Playoffs und dieses Duell entschieden die Rosenstädter dank fünf Siegen in sechs Partien gegen die Leventiner für sich. Dass man es am Schluss doch schaffte, war keine Selbstverständlichkeit, zumal der Stammgoalie Melvin Nyffeler vom 26. Januar bis 26. März verletzt ausfiel. Backup Noel Bader sicherte seinem Team wichtige Punkte, die am Schluss die Differenz ausmachten. Nach vier NL-Saisons in Folge als Schlusslicht ist der zehnte Rang bereits eine Verbesserung – und nun kommt die Zugabe.

Auf dem Papier sind die Seeländer die Favoriten, doch es geht schon morgen los und bei einer Best-of-3-Serie kann jeder Fehltritt fatal sein. Die Seeländer gewannen die drei Direktbegegnungen 2:1, 3:1 (daheim) und 3:2 nach Penaltyschiessen auswärts. Im Voraus ist hier definitiv nichts entschieden. Biel hat viele Offensiv-Künstler, die in diesen Duellen die Differenz ausmachen können, auch wenn heute noch unklar ist ob z.B. Fuchs, Hischier und Hügli zurückkehren werden. Lars Leuenberger setzte auch ein Zeichen, indem Pouliot beim letzten Spiel überzählig war.

Bei den Rosenstädtern sind die wichtigsten Spieler Goalie Nyffeler und Verteidiger Egli und natürlich die Ausländer Moses, Rowe, Clark und Topscorer Cervenka, welche für die offensive Musik sorgen. Wichtig wären aber auch Impulse von Schweizer Spielern wie Marco Lehmann und Nando Eggenberger um den Favoriten ein Bein stellen zu können.

Der EHC Biel wird sich dank mehr Breite in der Offensive in drei ausgeglichenen Spielen durchsetzen.

HC Davos (8.) – SC Bern (9.)

In der zweiten Paarung kommt es zum Duell zweier Traditionsvereine, die sich vor der Saison die direkte Playoff-Qualifikation zum Ziel gesetzt haben und jetzt einen Umweg nehmen müssen. Nur einer wird es schaffen.

Dem HC Davos fehlte während der ganzen Qualifikation die nötige Konstanz. Einzig im Januar gewann man fünf Spiele in Serie und stand auf dem sechsten Platz. Ende Februar rutschte man wieder aus den Playoff-Plätzen. Das grösste Problem war die mangelnde Balance zwischen Defensive und Offensive. 174 erzielte Tore sind der zweitbeste Wert der Liga; 177 Gegentore, also mehr als drei Tore pro Spiel, sind aber auch der zweitschlechteste. Natürlich hatte man in der Verteidigung mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Routinier Félicien Du Bois bestritt nur vier Partien, doch in vielen Partien waren die beiden Torhüter Sandro Aeschlimann und Robert Mayer nicht der gewünschte Rückhalt.

Auch die Saison des SCB war von vielen Problemen und Quarantänen geprägt. Der kanadische Trainer Don Nachbaur erwies sich als Fehlbesetzung und wurde am 1. Dezember 2020 durch den U20-Coach Mario Kogler ersetzt. Auch bei den Ausländer lief nicht alles nach Plan. Der schwedische Stürmer Ted Brithén kehrte nach 22 Spielen in seine schwedische Heimat zurück und wurde ab Mitte Februar durch einen alten Bekannten, Cory Conacher, ersetzt. Auch dank drei Siegen im März gegen die SCL Tigers schaffte man das Minimalziel doch noch.

In den Direktduellen gewannen beide Teams je zweimal, es dürfte also eine ganz enge Kiste werden.

Beim HCD ist der Schlüssel zum Erfolg ganz klar in der Defensive zu suchen. Offensiv hat man mit Corvi, Ambühl und Herzog genug Feuerkraft unterstützt auf der blauen Linie von Nygren. Palushaj und Turunen haben noch viel Luft nach oben. Aber der Rekordmeister braucht auch einen Torhüter, der einmal ein Spiel für sein Team stehlen kann um den Einzug in die Playoffs zu schaffen und natürlich werden auch die Spezialsituationen eine wichtige Rolle spielen.

Der SCB hat seit dem 27. März kein Spiel bestritten und muss aus der Quarantäne praktisch einen Kaltstart hinlegen in der Davoser Höhenluft. In den letzten Partien der Qualifikation waren vor allem die ersten zwei Sturmlinien Olofsson-Jeffrey-Conacher und Scherwey-Praplan-Pestoni für die Torproduktion zuständig. Calle Andersson ist in Überzahl eine wichtige Waffe aber auch hin und wieder fehleranfällig. Mika Henauer, der zum ersten Mal eine Playoffserie spielt, und Routinier Ramon Untersander könnten ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Interessant wird auch zu sehen, wem Kogler im Tor vertraut: Philip Wüthrich, die designierte Nummer 1 ab nächster Saison, oder dem finnische Routinier Toni Karhunen?

Vieles wird sich unserer Meinung nach schon beim ersten Spiel im Mittwoch entscheiden. Wenn der HCD diese Partie gewinnen kann, werden die Bündner die Playoffs schaffen, ansonsten hat der SCB alle Trümpfe in der Hand.

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Die Duelle


Daniel Vukovic (SCRJ) gegen Luca Cunti (Biel). Foto: Thomas Oswald
 


Simon Moser (Bern) und Benjamin Baumgartner (Davos). Foto: Christoph Perren