Josi: «Es ist eine Ehre nominiert zu sein»

20.7.2020 - Von Martin Merk

Seit Jahren gehört Roman Josi zu den Top-10-Verteidigern in der National Hockey League. Nun wurde er erstmals als Finalist der James Norris Memorial Trophy nominiert und damit als einer der besten drei Verteidiger der NHL.

«Es ist eine Ehre nominiert zu sein, wenn man schaut, wer alles gewonnen hat und Finalist war», sagt Josi nach seiner Nomination. «Da sind Spieler, zu denen schaue ich auf seit ihr ein Kind war, auch zu John (Carlson) und Victor (Hedman), die auch nominiert sind.»

Josi wäre der erste Spieler der Nashville Predators, der die Trophäe gewinnen würde, und der erste Schweizer mit einem NHL-Award. Doch mit John Carlson von den Washington Capitals und dem Schweden Victor Hedman vom Tampa Bay Lightning hat er grosse Konkurrenz.

«Es wäre ein Traum, die Norris-Trophy zu gewinnen, zumal wir grosse Namen als Verteidiger in Nashville hatten», so Josi.

Bereits im März wurde er in einer Umfrage unter Spielern in der Spielergewerkschaft NHLPA zu den Top-3 unter den Verteidigern gewählt – damals jedoch hinter Hedman und Carlson. Doch die Wahl der Norris-Trophy wird durch Journalisten geführt. 2018 und 2019 erhielt Josi am siebtmeisten Stimmen, 2015 und 2016 mit dem fünften Rang sein bisheriges Bestergebnis. Noch nie kam ein Schweizer näher an einen NHL-Award als Josi. Hedman hat die Trophäe 2018 als einer der wenigen Europäer gewonnen. Letztes Jahr ging sie an Mark Giordano.

Vor dem Abbruch der regulären Saison war Josi auf Rekordjagd. In 69 Spielen kam er auf 65 Punkte (16 Tore, 49 Assists) und war damit nur einen Punkt hinter der Schweizer Rekordmarke des Stürmers Timo Meier letzte Saison. Er war damit einer von zwei Verteidigern, der Topscorer seines Teams war, und stellte mit seinen 65 Punkten einen Clubrekord auf. Mit 75 Punkten wurde er diese Saison einzig von Carlson übertrumpft. Josi befand sich bezüglich Punkten, Toren, Assits, Schüssen und Eiszeit in den Top-3 der NHL-Verteidiger und stellte einen Clubrekord mit zwölf Spielen in Folge mit Scorerpunkten auf.

Weshalb konnte Josi nochmals einen drauflegen und es aufs Podest der besten Verteidiger der Welt schaffen? «Die Konstanz war besser, das war der grösste Schritt, den ich tätigen konnte», sagt Josi. Auch dass er es als Schweizer zu einem Award bringen könnte, macht ihn stolz. Diese Saison sorgen auch Spieler von kleineren Eishockeyländern für Furore, etwa auch der Liga-Topscorer Leon Draisaitl aus Deutschland.

«Es begann alles mit Mark Streit, der es als erster Spieler so richtig den Durchbruch schaffte. Seither haben wir 12-13 NHL-Spieler und viele Spieler mit wichtigen Rollen in guten Teams», sagt Josi. «Wir haben einen grossen Schritt gemacht, auch in Weltmeisterschaften. Mehr Spieler schaffen es in die NHL und ich hoffe, dass es so weiter geht.»

Im Gegensatz zu vielen anderen Europäern blieb Josi mit seiner Frau und ihren beiden Hunden in Nordamerika. In der Garage ihres Hauses hatte er einen Kraftraum eingerichtet um während des Lockouts in Form zu bleiben – also etwa das, was er während einer Sommerpause tun würde, nur dass es diesmal eine Pandemiepause vor den Playoffs war.

Weil die reguläre Saison nicht zu Ende gespielt werden konnte, finden die Playoffs um den Stanley Cup mit 24 statt 16 Teams statt. Die ersten vier im Osten und die ersten vier Teams im Westen sind automatisch fürs Conference-Viertelfinale qualifiziert. Die Teams zwischen dem fünften und zwölften Rang bestreiten gemäss Setzliste ein Qualifikationsduell nach dem Modus best-of-5. Josi trifft mit den Predators dabei in einem Südstaaten-Duell als Favorit auf die Arizona Coyotes. Danach ginge es im Conference-Viertelfinale gegen Dallas, Vegas, Colorado oder St. Louis weiter. Sämtliche Spiele der Western Conference finden in Edmonton ohne Publikum statt. Die Teams der Eastern Conference starten in Toronto in die Playoffs.

«Es ist ein bisschen anders, es fühlt sich an wie der Saisonbeginn, man bereitet sich aber auf die Playoffs vor», sagt Josi vor dem Playoff-Start. «Es ist eine komplett neue Situation auch für Spieler mit Playoff-Erfahrung.»

Los geht es mit diesen speziellen NHL-Playoffs am 1. August. Geht alles nach Plan und ohne grössere Coronavirus-Zwischenfälle, soll den Stanley-Cup-Sieger spätestens anfangs Oktober gekürt werden.

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Josi


Roman Josi in einem WM-Ernstkampf für die Schweiz. Foto: Andreas Robanser
 


Roman Josi während der Videokonferenz von seinem Haus in Nashville aus.