In Lugano war Inkostanz die einzige Konstante

17.3.2020 - Von Maurizio Urech

Beim HC Lugano endete eine Saison, die einer Achterbahnfahrt glich. Fahren die Tessiner nächste Saison in ruhigere Gewässer?

Einen Saisonrückblick nach einer Saison, die wegen der Corona-Virus-Pandemie vorzeitig beendete werden musste, ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Die Priorität momentan ist die Gesundheit aller und wir hoffen, dass wir alle möglichst schnell zur Normalität zurückkehren können, auch wenn wir nicht wissen wann.

Schon vor dem erste Bully war klar dass die Saison für Lugano nach den Abgängen von zwei Leistungsträgern wie Elvis Merzlikins (NHL/Columbus) und Grégory Hofmann (EVZ) kompliziert sein könnte, daher hielt der neue Sportchef Hnat Domenichelli den Ball flach und sprach, dass man die Qualifikation auf Platz sechs beenden wolle. Nach der Verpflichtung von Stürmer Ryan Sponner holte er nach den enttäuschenden Resultaten in der Vorbereitung den finnischen Verteidiger Atte Ohtamaa, um die Mannschaft zu stabilisieren.

Der kanadische Stürmer Ryan Spooner hätte eine der Attraktionen der Liga werden sollen, doch stattdessen war er für Lugano nur ein grosses Ärgernis. Er bestritt nur die zwei ersten Meisterschaftsspiele, die zu Hause verloren wurden, und stellte sich nachher selber aufs Abstellgleis. Er akzeptierte die Konkurrenzsituation mit fünf Ausländern nicht und drängte sich in den Trainings nie auf. So blieb Coach Kapanen keine Wahl, Spooner war der überzählige Ausländer.

Der finnische Coach Sami Kapanen wollte mit Lugano ein attraktives, modernes Eishockey spielen. Als Lugano anfangs Oktober nach einem 6:3-Heimsieg gegen die SCRJ Lakers auf Platz drei stand, schien alles im Lot. Doch bis zur Nationalmannschaftspause wechselten Licht und Schatten ab, man verlor Spiele unglücklich wie in Langnau mit fünf Pfosten- und einem Lattenschuss, zu Hause kosteten individuelle Fehler unnötige Niederlagen. In der letzten Partie vor der Pause schlug man den Leader ZSC Lions mit 3:1 zu Hause und dies schien die Wende zu bringen. Anschliessend hatte man zehn Tage Zeit um sich auf das nächste Spiel vorzubereiten, das immer heisse Derby gegen Ambrì am 17. Dezember.

Doch dies endete in einem veritablen Waterloo für die Bianconeri. Man wurde mit 2:7 deklassiert und die logische Folge war die Entlassung von Kapanen. Für die nächste Partie gegen den EHC Biel stand Interimscoach Hnat Domenichelli mit Krister Cantoni und Flavien Conne an der Bande und gewann sein einziges Spiel als Coach von Lugano. Danach übernahm Serge Pelletier, der mit zwei knappen Niederlagen gegen den HC Davos und den LHC startete, und Ende 2019 stand Lugano auf Platz elf und die Playoff-Qualifikation war in Gefahr.

Doch der Januar brachte für die Bianconeri die Wende und nach dem 5:1-Sieg im Derby gegen Ambrì-Piotta am 11. Februar kletterte man auf Platz sieben und hatte eine komfortable Ausgangslage für den Endspurt sechs Spiele vor Schluss. Doch eben, die Inkonstanz war die einzige Konstante in der Saison von Lugano. Und man brachte sich selber noch in die Bredouille mit drei Niederlagen in Folge, besonders bitter die 3:6-Niederlage im Strichkampf gegen Gottéron, nachdem man nach 40 Minuten noch mit 3:1 geführt hatte, was wieder einmal die mentale Schwäche der Mannschaft zeigte. Dank der Mithilfe des LHC, der am 50. Spieltage den SCB schlug, schaffte man als Achter noch den Sprung in die Playoffs. Dies, obwohl man auch das letzte Derby gegen Ambrì sang- und klanglos mit 1:4 vor leeren Rängen in der Cornèr Arena verlor.

Dass Lugano auch diese Saison vier von sechs Derbys gegen Ambrì verlor, spricht für die Leventiner, aber gegen den Charakter der Bianconeri, denn ausser beim 2:7 verlor man die Derbys, weil Ambrì härter arbeitete. Lugano hatte diese Saison keine Mannschaft die spielerischen Akzente setzen konnte, doch wie z.B. gegen die SCL Tigers versagte man bei den Spielen, bei denen Charakter gefragt war.

Auf Sportchef Hnat Domenichelli wartet in den nächsten Monaten viel Arbeit. Mit Marc Arcobello und Raphael Herburger hat er schon zwei Spieler geholt, welche der Mannschaft mehr offensive Power bringen werden, aber es braucht sicher noch mehr Qualität, damit Lugano nächste Saison eine ruhigere Saison haben kann, denn auch nächste Saison wird der Kampf um die Playoff-Plätze bis zur letzten Runde offen sein.

Natürlich kann ich diesen Rückblick nicht abschliessen ohne ein grosses Dankeschön an Julien Vauclair, der 945 Partien in der NL – alle mit dem Dress des HC Lugano – bestritten hat und nächste Saison als Scout arbeiten wird. Er gewann 97/98 den Titel mit den Elite-Junioren von Lugano und das Jahr nachher im unvergessenen Finalderby gegen Ambrì seinen ersten Titel. Beim zweiten Titel 2005/06 hatte er einen entscheidenden Anteil an der Wende. Im Spiel vier als Ambrì den ersten Matchpuck hatte, traf er in der 63. Minute mit einem Shorthander zum 4:5 und drehte damit das Momentum auf die Seite von Lugano. Grazie Julio und alles Gute für deine Zukunft!

Auch wenn momentan noch vieles in der Schwebe ist, hoffen wir dass, die neue Saison wie geplant im September starten kann.

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Zwiespältige Bilanz



Der HC Lugano auf dem Weg zu einer Heimniederlage gegen die SCL Tigers. Gegen die Emmentaler verloren die Tessiner sämtliche vier Saisonspiele. Foto: Alexander Raemy