Mika Henauer will positive Energie ins Team bringen

25.1.2020 - Von Roman Badertscher

Mika Henauer spielt beim SC Bern seine erste Saison in der National League. Wir sprachen mit ihm über sein Spiel beim SCB, den SC Langenthal und bei der Junioren-WM.

Du hast in Bern sämtliche Juniorenstufen durchlebt und bist seit dieser Saison Teil der ersten Mannschaft. Wie ist das für dich?

Henauer: Es ist cool und für mich eine Ehre hier zu spielen. Ich bin in Bern aufgewachsen, wohne 10 Minuten vom Stadion entfernt und schaute mir schon früher als kleiner Junge immer die Spiele an. Jetzt ein Teil davon zu sein ist extrem cool und macht Freude.

Du warst beim SCB bereits 12 Mal auf dem Matchblatt, hast unter Kari Jalonen diverse Einsätze erhalten und spielst vermehrt auch beim SC Langenthal in der Swiss League. Was kannst du uns über die Unterschiede der beiden Teams in den Spielen und speziell in den Trainings sagen?

Ich denke sicher, dass das Tempo in Bern viel höher ist und auch härter gearbeitet wird als in Langenthal. In Bern ist man vielleicht nach dem Training noch eine Stunde länger auf dem Eis als sonst. Ich habe das Gefühl, das ist ein grosser Unterschied. Beide Clubs arbeiten sehr professionell, also da ist Langenthal eine gute Adresse in der Swiss League und deshalb kann ich dort genauso profitieren. Ein zusätzlicher Unterschied ist, dass in Bern viel mehr mit Video gearbeitet wird. In Langenthal ist die Spielanalyse mehr fürs ganze Team gedacht, hier in Bern werden individuell die einzelnen Shifts der Spieler angeschaut, was einem auch nochmal weiter bringt.

Wie bereitest du dich persönlich aufs Training und auf ein Spiel vor?

Vor einem Spiel habe ich tagsüber immer die gleichen Abläufe. Ich schaue, dass ich immer gleich und zur selben Zeit esse. Beim Training ist es wegen den verschiedenen Startzeiten etwas unterschiedlich. Aber ich versuche mich immer, darauf zu fokussieren.

Gibt es irgendwelche Rituale, die du vor einem wichtigen Spiel befolgst?

Das Klassische, ich ziehe immer zuerst den linken Schlittschuh an, aber das machen glaube ich fast alle. Und dann schaue ich, dass ich immer zur gleichen Zeit neben dem Eis Einlaufen gehe. Ich fange eigentlich immer 58 Minuten bevor wir aufs Eis gehen mit dem Einlaufen an. Das ist so das einzige Ritual, das ich habe.

Wie ist die Stimmung im Team und wie bringst du dich in der Mannschaft ein?

Ich denke, die Stimmung ist sicher gut und versuche sicher, positive Energie ins Team zu bringen sowie eine gewisse Unbekümmertheit, eine Lockerheit als Junger auszustrahlen. Ich habe das Gefühl, das ist auch mein Job. Es ist klar, dass ich nicht grosse Reden in der Garderobe halten muss, aber sicher dass ich mich jeden Tag zeige, dass ich da bin, mit Vollgas gehe und die anderen auch pushe.

Von welchem SCB-Spieler hast du bis jetzt am meisten gelernt und profitiert?

Ganz sicher von Ramon Untersander, als ich das erste Mal mit ihm in einer Linie gespielt habe. Ich versuche auch ähnlich zu spielen und gut Schlittschuh zu laufen wie er. Da kann ich auch sicher noch viel von ihm lernen, was mich persönlich dann weiter bringt.

Wie sieht dein Programm nach einem Spiel aus?

Es kommt darauf an. Wenn wir am nächsten Tag frei haben, machen wir meistens ein paar Kraftübungen, aber wenn Freitag- und Samstagspiele anstehen, dann dehne ich oder gehe schnell aufs Velo. Anschliessend esse ich so rasch wie möglich noch was, gehe nach Hause und versuche zu schlafen, wobei Letzteres manchmal nicht so gut funktioniert nach einem Spiel.

Wie verarbeitet man als junger Spieler Niederlagen?

Es ist sicher schwierig. Ich habe das Gefühl, als Junger muss man mit einer gewissen Lockerheit und einer gewissen Jugend herangehen und so schnell wie möglich wieder ein Lachen im Gesicht haben, so dass man nicht den ganzen Tag „ä Stei schrisst“. Aber es ist sicher schwierig, da du dich als junger Spieler immer von der besten Seite zeigen musst. Und bei einer Niederlage ist das nicht immer einfach. Darum versuche ich, die Niederlage möglichst schnell abzuhaken und weiterzumachen.“

Du bist vor ein paar Wochen mit der U20-Auswahl zur Junioren-WM nach Tschechien gereist. Erstmal Gratulation von uns zum Aufgebot und zur guten Leistung gegen die grossen Nationen. Leider hat es gegen Russland knapp nicht für einen Sieg gereicht. Wie war allgemein die Zeit für dich und was nimmst du mit von diesem Turnier?

Es war ein extrem cooles Erlebnis und ich habe viel dazu gelernt. Die Junioren-WM war eine grosse Bühne sich zu präsentieren und wir hatten auch viel mit den Medien zu tun. Zudem war es ein kurzes Turnier. Du musst jeden Tag wieder neu bereit sein, da du mit vier Spielen in sechs Tagen fast keine Pause bekommst. Da schauen wir als Spieler noch mehr auf die Erholung und dass wir auch wirklich jeden Tag zu 100 Prozent da sind. Sonst reicht es eben gegen die grossen Nationen nicht. Das kann ich sicher auch zum SCB mitnehmen, denn hier ist es nicht anders. Wenn du nicht ganz bereit bist, dann gibt es vielleicht ein Tor und du verlierst möglicherweise das Spiel.

In Bezug auf die U20-Nationen: Was sind bei Russland, Schweden und Finnland die grössten Unterschiede zum Schweizer Nachwuchs-Eishockey?

Sie haben eine viel grössere Breite als wir und sind über vier Linien gut aufgestellt. Wir können mit ein bis zwei Linien mithalten. Zudem sind sie technisch halt wirklich überragend. Aber ich denke, dass wir uns nicht unbedingt verstecken müssen. Das hat man auch in den Spielen gesehen. Wenn wir einen guten Tag haben, können wir auch gegen die Grossen mitspielen und sie sind in diesem Sinne nicht übermächtig. Es muss einfach bei uns mehr stimmen, als bei ihnen.

Was hat dich dazu bewegt, Verteidiger zu werden und nicht Stürmer?

Was mir bereits von klein auf am Meisten gefallen hat, ist das von hinten nach vorne laufen und mit dem Puck das Spiel zu kreieren. Das hat mir sehr gefallen. Ich habe auch viel Roman Josi zugeschaut, als er noch in Bern war. Er lief extrem viel mit der Scheibe und das wollte ich auch. Das Kreative von hinten nach vorne hat mich dazu bewegt.

Was sind deine persönlichen Ziele in dieser Saison und wie kannst du sie erreichen?

Ich möchte sicher so gut wie möglich in Bern spielen und versuchen, mich festzusetzen. Dann schauen wir wie es weitergeht. Dafür muss ich vor allem im Training jeden Tag hart arbeiten und, wenn ich die Chance bekomme, diese packen und das Beste geben. Ich denke, so werde ich auch zum Ziel kommen und bin positiv gestellt.

Am Wochenende stehen die beiden Spiele gegen Genf und Davos an. Wie stellt ihr euch auf den Gegner ein und was erwartest du für Spiele?

Wir haben geschaut, dass wir diese Woche zwei freie Tage haben, so dass wir fürs Wochenende gute Beine haben. Gegen Genf wird es ein extrem physisches Spiel, da sie alle recht gross sind. Ich erwarte Playoff-Hockey und einen harten Kampf. Gegen Davos wird es wohl eher ein technisches Spiel. Aber da müssen wir hin stehen und dagegen halten, damit sie uns nicht ihr Spiel aufzwingen. Das haben sie nicht so gerne. Wir müssen uns auf beide Spiele so vorbereiten, dass wir die Zweikämpfe gewinnen und so hart wie möglich versuchen zu spielen. Dann werden wir auch Erfolg haben, denke ich.

Was nehmt ihr von den beiden letzten Spielen gegen Lausanne und Fribourg mit und wo könnt ihr euch aus deiner persönlichen Sicht verbessern?

Es waren sicher nicht optimale Spiele. Wir haben viele Fehler gemacht, die wir nicht machen sollten. Aber es war sicher gut, haben wir noch beide gewonnen. Das zeigt sicher einen guten Charakter. Wo wir besser sein können ist denke ich im Powerplay. Das lief nicht so gut aber da arbeiten wir jeden Tag daran, dass es besser wird. Wir nehmen sicher mit, dass wir einen guten Charakter gezeigt haben, obwohl es nicht so gut für uns lief, und trotzdem die Spiele gewinnen konnten. Das ist auch für unsere Moral sehr wichtig.