Ein Prozess mit einem guten Resultat

4.1.2020 - Von Pascal Zingg

Die Schweizer U20-Nationalmannschaft hat die diesjährige WM auf einem guten fünften Platz beendet. Obwohl den Schweizern der grosse Coup gegen ein starkes Russland nicht gelungen ist, darf man durchaus zufrieden sein, was die Schweizer an diesem Turnier gezeigt haben.

Thierry Paterlini sprach an diesem Turnier stets von einem Prozess, den sein Team durchlaufen musste. «Wir müssen schauen, dass wir Anfang Januar unsere beste Leistung zeigen können», bemerkte er beispielsweise nach dem Spiel gegen die Schweden. Betrachtet man diesen Prozess, darf man aus Schweizer Sicht äusserst zufrieden sein. «Wenn ich vergleiche, wie wir in den Vorbereitungsspielen gegen Deutschland gespielt haben und was wir gegen Russland gezeigt haben, dann war der Unterschied enorm», konstatierte Paterlini. Schaut man sich das Turnier als Ganzes an, dann wussten die Schweizer vor allem gegen die Slowakei und Finnland zu begeistern. Nach dem Pflichtsieg gegen Kasachstan zeigte man gegen die Slowakei, was man leisten kann, wenn alles zusammenpasst. Gegen die Finnen konnte derweil einen Vorteil aus der Gruppenkonstellation gewinnen.

Liefen die Spiele gegen die Slowakei und Finnland voll und ganz für die Schweizer, konnte man dieses Glück im Viertelfinale nicht mehr beanspruchen. Obwohl das Spiel gegen die Russen verloren ging, bot man aber auch hier eine gute Leistung. Dies zeigt auch die Tatsache, dass das Spiel nach 34 Minuten immer noch ausgeglichen war. Ebenfalls zeigte dieses Spiel, wie gross der Vorsprung der Topnationen im Juniorenbereich ist. Will die Schweiz ein Viertelfinale gewinnen, muss vieles zusammenpassen. Dies sah man auch beim Sieg vor einem Jahr. Damals war die Magen-Darm-Grippe bei den Schweden wohl ebenfalls ein Faktor war, wieso die Tre Kronor das Viertelfinale gegen die Schweiz verloren.

Ebenfalls nicht vergessen darf man, dass die Schweizer in diesem Jahr keinen Starspieler hatten. Konnte man in der Vergangenheit immer wieder auf Topdrafts wie Niederreiter, Meier oder Hischier zählen, war es im letzten Jahr immerhin ein starker Philipp Kurashev, der die Offensive anführte. Schaut man auf das diesjährige Team, so stellt man fest, dass der absolute Leader in der Offensive fehlte. Trotz dieses Mankos wusste die French Connection um Nussbaumer, Verboon und Kohler offensive Akzente zu setzen. Sie übernahmen Verantwortung und waren dafür zuständig, dass man die geforderten Siege gegen Kasachstan und die Slowakei einfahren konnte. Hinter den Romands zeigten aber auch Simon Knak und Gaetan Jobin, dass sie ein Versprechen für die Zukunft sind.

In der Verteidigung konnte man sich einmal mehr auf die erfahrenen Tim Berni und Janis Moser verlassen. Daneben zeigte aber auch David Aebischer, dass er in der QMJHL einiges gelernt hat. Neben seinem Stellungsspiel in der Defensive, konnte er auch einige offensive Akzente setzen, was gerade gegen Kasachstan zu zwei wichtigen Toren führte. Einmal mehr blass blieb Nico Gross. Zwar deutete der Engadiner mit seinem Tor gegen Schweden an, welches Potential er hat. Auf Grund einer Verletzung konnte er in den tollen Spielen gegen die Slowakei und Finnland jedoch nicht mittun.

Steigern konnte sich an diesem Turnier Luca Hollenstein. Machte er gegen Schweden einen eher unglücklichen Eindruck, war er im Viertelfinale bereit um eine starke Partie zu spielen. Anders als noch vor einem Jahr reichte dies jedoch nicht zum Sieg. Hinter Hollenstein konnte sich auch Stephan Charlin beweisen. Dies vor allem im Spiel gegen die Finnen, als er eine ganz sehr gute Leistung zeigte.

Betrachtet man die Leistung des ganzen Teams, so bewahrheitet sich die Prophezeiung, dass die Schweizer an diesem Turnier über eine starke Defensive verfügten. Darüber hinaus gelang es einigen Spielern die nötigen Akzente in der Offensive zu setzen. Gerade im Viertelfinale zeigte sich jedoch, dass die Schweizer auf dieser Position insgesamt zu schwach waren, um einen ganz Grossen in einem K.O.-Spiel zu bezwingen.

Neben den offensichtlichen Skills gelang es den Schweizer Coaches aber auch, das Team zu einer echten Einheit zu formen. «Die Spieler haben gesehen, dass man mit Engagement und Selbstbewusstsein gegen jeden Gegner eine Chance hat», erklärte Paterlini. Gerade dieser Spirit dürfte dazu geführt haben, dass die Schweizer gegen die Slowakei und Finnland begeisternde Spiele zeigten. Insofern ist auch der Coaching Staff zu loben. Das Turnier hat gezeigt, dass es Paterlini versteht sein Team auf wichtige Spiele einzustellen.

Nach der positiven Ära Wohlwend darf man bei Swiss Ice Hockey somit feststellen, dass man mit Thierry Paterlini einen guten Nachfolger auf dem Posten des U20-Trainers gefunden hat. Der Trainer hat eine schlagfertige Mannschaft geformt. Mit der vierte Viertelfinalqualifikation in Serie und einem zweiten Gruppenplatz hat das Team die gesteckten Ziele mehr als nur erreicht.