Das Duell mit dem alten Bekannten

30.12.2019 - Von Pascal Zingg

Im dritten Gruppenspiel trifft die Schweizer U20-Nationalmannschaft heute Abend auf das Team aus der Slowakei. Es ist das erste Aufeinandertreffen seit acht Jahren bei einer U20-WM – damals verlor die Schweiz 4:6. Nach der 2:5-Niederlage gegen die übermächtigen Schweden liegen heute aber durchaus Punkte drin. Dies zeigen auch die Resultate aus der Vorbereitung.

Blickt man auf die Aufstellung der Slowaken, so fällt einem vor allem ein Name ins Auge: Robert Petrovicky. Der Trainer der slowakischen U20 spielte während sechs Saisons für Ambrì, Langnau und die ZSC Lions. Während 238 Spielen lernte er nicht nur das Schweizer Eishockey kennen, nein er war beim ZSC auch Mitspieler von Thierry Paterlini. «Ich kenne ‘Robo’ sehr gut. Das Spiel gegen die Slowaken ist für mich deshalb ein kleines Privatderby», erklärt Paterlini. Trotz der Freundschaft zum slowakischen Trainer gibt es für Paterlini heute Abend aber nur ein Ziel: den Sieg. Dass man ein solches Erfolgserlebnis schaffen kann, hatte man bereits im November gezeigt, als man die Slowaken bei deren Heimturnier in Piestany mit 5:3 schlug.

Paterlini hat einen klaren Plan, wie man im Duell gegen die Slowaken zu Punkten kommen will. «Wir müssen aus einer gesicherten Defensive agieren und die Scheibe mit viel Speed nach vorne tragen. In der Offensive muss jeder die Scheibe wollen. Auch müssen wir unsere Stürmer vor dem Tor platzieren und Torchancen kreieren», weiss der Trainer. Für ihn ist klar, dass die Defensive gegen die Slowaken um einiges stabiler agieren muss, als noch gegen die Schweden. «Im aktuellen Prozess müssen wir lernen die Druckphasen des Gegners etwas cooler zu überstehen. Dies ist uns vor allem in den ersten beiden Dritteln gegen die Schweden nicht gelungen.»

Gerade im letzten Drittel gegen die Schweden sei es seinem Team gelungen besser auf die schwedischen Rushes zu reagieren. Die Tatsache, dass die Eisgenossen im dritten Spielabschnitt mit den Schweden mitspielen konnten, stimmte Paterlini sehr positiv. «Für uns ist diese Vorrunde ein Prozess. Das Team muss seinen Peak Anfang Januar erreichen, wenn es in die Finalrunde geht. Bis dahin haben wir Zeit uns auf gute Gegner wie die Schweden einzustellen», erklärt der Trainer. Neben der Reaktion im letzten Drittel gegen Schweden gefiel Paterlini auch, was er von seiner Offensive sah: «Gegen Schweden haben wir uns einige sehr gute Chancen herausgearbeitet. Was uns noch fehlt ist die Kaltblütigkeit.»

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist aus Schweizer Sicht der Faktor, dass man auf Grund des guten letzten Drittels gegen Schweden mit einem guten Gefühl ins Spiel gegen die Slowaken startet. Anders sieht dies beim Gegner aus. So wurden die Slowaken im zweiten Gruppenspiel von den Finnen mit 1:8 regelrecht aus der Halle geballert. Dementsprechend unzufrieden war Trainer Petrovicky nach dem Spiel. «Wir haben im Spiel gegen die Finnen sehr undiszipliniert agiert. Dies müssen wir im weiteren Verlauf des Turniers unbedingt abstellen», weiss der slowakische Trainer.

Neben den Unzulänglichkeiten in der Disziplin sind die Slowaken aber auch in der Offensive nicht auf Touren gekommen. So schoss man den gegnerischen Torhüter gegen Kasachstan und Finnland nur gerade drei Mal bezwingen. Ähnlich wie die Schweizer kämpfen auch die Slowaken mit der Effizienz. Sowohl gegen Kasachstan, als auch gegen die Finnen hatten das Team von Petrovicky mehrere gute Chancen. «Nutzen konnten wir diese jedoch zu wenig», erklärt er.

Der grosse Vorteil auf Seiten der Slowaken wird die Nähe zur Heimat sein. Bisher waren beide Spiele der Slowaken mit 4915 Zuschauern ausverkauft. Wie wir im Vorfeld des heutigen Duelles erfahren haben, wird die Werk Arena zu Trinec auch heute Abend ausverkauft sein. Da die slowakischen Fans die Halle in einen echten Hexenkessel verwandeln können, ist davon auszugehen, dass die Schweizer ein eigentliches Auswärtsspiel bestreiten müssen.

Abgesehen vom «Heimvortel» der Slowaken scheinen die Schweizer in den angesprochenen Punkten etwas stärker zu sein als die Slowaken. Übers Gesamte gesehen, gehen die Eisgenossen deshalb als leichter Favorit in dieses Duell.

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Trainerduell

Das letzte Duell liegt acht Jahre zurück, damals gewannen die Slowaken 6:4. Foto: Andreas Robanser
 

Thierry Paterlini ist seit dieser Saison Cheftrainer der U20-Nationalmannschaft. Foto: Andreas Robanser

...und sein einstiger Teamkollege Robert Petrovicky bei den Slowaken. Foto: Andreas Robanser