Eine WM mit unterschiedlichen Gruppen

26.12.2019 - Von Pascal Zingg

Die Medaillensätze werden an der U20-WM traditionell unter den Top-5-Nationen vergeben. Dies wird auch an der diesjährigen WM nicht anders sein. Neu ist allerdings, dass sich in Ostrava mit Kanada, den USA und Russland gleich drei Goldfavoriten bereits in der Vorrunde duellieren.

Auf Wiedergutmachung aus sind Kanadier. Sie möchten, nach dem überraschenden Viertelfinal-Aus beim letzten Turnier in diesem Jahr unbedingt Gold holen. Schaffen soll dies ein Team, das nicht weniger als zehn Erst-Runden-Picks aufzuweisen hat. Dazu kommen noch die beiden Top Prospects Alexis Lafrenière und Quinton Byfield, die beim nächsten Draft wohl den Topspot unter sich ausmachen werden. Neben den beiden dürften auch Connor McMichael, Dylan Cozens, Akil Thomas und Ty Dellandrea für viel offensive Power sorgen. Dank dieser Feuerkraft will Kanada seine Gegner an dieser WM einmal mehr mit seiner Offensive erdrücken. Damit will man wohl auch kaschieren, dass man auf der Goalieposition nicht gleichgut bestückt ist, wie Konkurrenz aus den USA oder Russland.

Mit Spencer Knight verfügen die USA über eines der grössten Goalietalente dieser WM. Einmal mehr beweist US Hockey, dass es den Kanadiern zumindest auf dieser Position um einiges voraus ist. Mit Jack Drury, K’Andre Miller, Matthias Samuelsson und Oliver Wahlstrom verfügen die US-Boys zudem über vier Rückkehrer der letzten WM. Insbesondere die Verteidiger Miller und Samuelsson gelten dabei als Teamstützen. In der Offensive sollen Cole Caufield, Trevor Zegras, Nicholas Robertson, Alex Turcotte sowie der gebürtigen Usbeken Arthur Kaliyev für Tore sorgen. Insgesamt scheinen sich die US-Boys mit dieser Aufstellung nicht verstecken zu müssen, weshalb auch sie als Turnierfavorit gehandelt werden dürfen.

Als dritter Mitfavorit spielt auch Russland in der Gruppe B. Die Russen haben letztmals vor neun Jahren die Goldmedaille geholt. Da sie in diesem Jahr über einen überdurchschnittlichen Jahrgang verfügen, könnte dieser Coup in Tschechien durchaus wiederholt werden. Zu beachten gilt, dass die Russen mit Yaroslav Askarov den besten Torhüter mit Jahrgang 2002 stellen. Da dieser erst 17 Jahre jung ist, ist es allerdings möglich, dass Coach Bragin vor allem auf Amir Miftakov setzt. Dieser bestreitet bereits seine zweite Junioren-WM und gehört damit zu den sieben Rückkehrern im russischen Team. Unter ihnen weilen auch Verteidiger Alexander Romanov und Stürmer Grigori Denisenko, die an der letzten U20-WM die Scorerliste anführten. Auffällig bei den Russen ist die Tatsache, dass mit Alexander Khovanov, Yegor Sokolov, Yegor Zamula und Nikita Aleyandrov gleich vier Spieler in Kanada engagiert sind. Dies ist für russische Verhältnisse eine sehr grosse Zahl, lassen sich die Junioren doch meist in der heimischen Liga ausbilden, ehe sie den Sprung direkt in die NHL schaffen wollen.

Hinter den drei Grossen der Gruppe B werden Tschechien und Deutschland den letzten Platz im Viertelfinale unter sich ausmachen. Das Pech der Gastgeber ist, dass die guten Jahrgänge um Zadina und Necas inzwischen zu alt sind für die Junioren WM. Verantwortung müssen bei den Tschechen deshalb neue Leute übernehmen. Lukas Dostal etwa, der Torhüter von Ilves Tampere gilt als grösstes Talent in der aktuellen Mannschaft. Daneben sollen auch die Rückkehrer Jan Jenik und Jakub Lauko Verantwortung übernehmen. Sie müssen die nötigen Tore schiessen, damit die Gastgeber in diesem Jahr zumindest in die Viertelfinals kommen.

Grosse Konkurrenz im Kampf ums Viertelfinale kriegen die Tschechen von der Deutschen U20. Unsere nördlichen Nachbarn gelten als bester Aufsteiger seit Jahren. Mit Moritz Seider und Dominik Bokk verfügen sie über zwei «First-Rounder». Kommt dazu, dass Tim Stützle aktuell ebenfalls als Top-10 Draft gilt und eine starke DEL-Saison hat. Insgesamt verfügen die Deutschen damit über so viel Talent, dass der Klassenerhalt reine Formsache scheint. Ja sogar die Qualifikation fürs Viertelfinale scheint im Vergleich mit den Tschechen durchaus im Bereich des Möglichen zu sein.

Ist die Gruppe B in Ostrava extrem gut besetzt, so ist die Gruppe A in Trinec zumindest auf Papier dementsprechend schwächer besetzt. Eine Laune des Zufalls, da die Teams automatisch gemäss der Schlussrangliste der letzten Junioren-WM in die Gruppen eingeteilt werden. Als Favoriten auf den Gruppensieg gelten einmal mehr die Schweden, welche schon seit vielen Jahren kein Gruppenspiel verloren haben, jedoch in den Entscheidungsspielen oft scheiterten – letzte Saison im Viertelfinale an der Schweiz.

Die Schweden verfügen über eine Verteidigung, die vor allem nach vorne sehr viel kreieren kann. Mit Rasmus Sandin und Tobias Björnfot haben zwei dieser Verteidiger bereits Erfahrung in der NHL sammeln können. Neben den starken Verteidigern verfügen die Schweden mit Lucas Raymojnd und Alexander Holtz ebenfalls über zwei grosse Talente im Sturm. Beide gelten aktuelle als heisse Kandidaten für einen Top 10 Platz beim nächsten Draft. Da man bereits als Zweiter der Gruppe A einen schwierigen Viertelfinalgegner erhalten wird, wird Schweden wohl alles daran setzen den Top Seed in der Gruppe A zu erreichen. Den Grundstein dazu wird man im heutigen Derby gegen die Finnen legen müssen.

Die Finnen ihrerseits treten das Turnier als Titelverteidiger an. Mit Kaapo Kakko fehlt ihnen jedoch der grosse Star des 2001er-Jahrgangs. Da Anton Lindell mit einer Handverletzung ausgefallen ist, müssen andere die Kohlen aus dem Feuer holen. Hier sind vier Rückkehrer aus dem Weltmeister-Team zu nennen. Mit Ville Heinola verfügt man dabei über einen Spieler, der bereits Erfahrung in der NHL sammeln konnte. Ebenfalls ein interessanter Spieler ist Aatu Räty. Der 17-jährige Stürmer gilt als heisser Kandidat für den Top Spot im NHL-Draft 2021.

Hinter den beiden Topnationen der Gruppe A werden sich die Schweiz und die Slowakei um den dritten Platz streiten. Ähnlich wie die Schweiz setzen auch die Slowaken auf einen guten Torhüter. So zeigte Samuel Hlavaj beim QMJHL-Club aus Sherbrooke zuletzt sehr gute Leistungen. Ebenfalls auf sich aufmerksam machen dürfte Oliver Okuliar, der hinter dem Kanadier Dylan Cozens zweitbester Scorer der Lethbridge Hurricanes in der WHL ist.

Als schwächstes Team dieser WM gelten die Kasachen. Ihr Klassenerhalt im letzten Jahr galt bereits als Überraschung. Insgesamt sind jedoch nur noch vier Spieler von der letzten WM dabei. Allgemein wird deshalb davon ausgegangen, dass die Kasachen in diesem Jahr nicht über die nötige Erfahrung verfügen um die Relegation zu verhindern. Dies unter anderem auch, weil der Aufsteiger aus Deutschland in diesem Jahr überdurchschnittlich stark ist.

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Favorit Kanada, Gastgeber Tschechien

Auch in Tschechien wollen die Kanadier den Titel mit vielen Toren erzwingen. Ob es diesmal klappt? Foto: Andreas Robanser