Fischer: „Viele haben sich ganz gut gezeigt“

10.11.2019 - Von Martin Merk

Der Deutschland Cup ist zu Ende. Erstmals seit zwölf Jahren gewann ihn die Schweiz. Trotz der letztlich unnötigen Niederlage gegen Russlands zweite Garde hatten die Schweizer dank ihren Siegen gegen die Slowakei und Deutschland – und mit etwas slowakischer Schützenhilfe – genug Punkte zum Turniersieg. Im Hinblick auf die Heim-WM zog der Trainerstab um Patrick Fischer aber ohnehin andere Erkenntnisse als die puren Resultate.

„Viele haben sich ganz gut gezeigt. In den letzten Jahren hatten wir immer junge Spieler, Überraschungsspieler an der WM und es wird auch das Jahr wieder ähnlich sein“, so Patrick Fischers erste Worte zur Presse nach dem letzten Spiel.

Zu jenem Zeitpunkt war noch unklar, ob die Schweizer nun Erste oder Zweite werden würde. Zweite Plätze hatte Fischer schon genug. „Es wäre schön, zuoberst zu sein. Wir waren an der WM und letztes Jahr hier schon Zweiter. Schade, haben wir es nicht selbst geregelt“, sagte Fischer. „Nun hoffen wir einfach auf die Slowaken.“ Sein Hoffnung wurde erhört.

Die Schweiz reiste wie die Russen mit einem jungen Team, im Schnitt 23 Jahre alt, an. Im Vergleich zu den Deutschen und den Slowaken hatte sie nur wenige Routiniers im Team. Zwei Spieler waren schon an einer WM, zwei Spieler hatten über 20 Länderspiele. Demgegenüber gaben sieben Spieler ihr Länderspieldebüt. Dass es trotzdem zum Sieg reichte, darauf dürfen die Schweizer durchaus stolz sein.

„Wir haben immer mehr Spieler, die WM-tauglich sind. Diejenigen, die Ende April in Hochform sind, kommen mit. Es belebt die Konkurrenz und macht und stärker. Von dieser Mannschaft werden sicher ein paar an der WM sein“, sagte Fischer. Hervorheben möchte er dabei aber niemanden.

„Am meisten Eindruck hat mir die ganze Mannschaft gemacht mit Teamspirit von A bis Z. Man sah, wer schon Akzente setzen konnte. In jeder Woche gibt es Gewinner und Verlierer, in dieser Woche gab es aber sicher wenig Verlierer. Es gab einige Neue, die sich sehr gut integriert haben in dieser Mannschaft. Mir gefällt die Art und Weise, dass Spieler, die in der Schweiz eine grosse Rolle haben, hier schnell ans Niveau kommen. Das ist erfreulich. Viele Spieler gehen mit einem guten Gewissen zurück. Sie gehören in der Schweiz zu den Besten und sehen, dass es international härter zu und her geht und dass sie sich neu orientieren und daran schaffen“, bilanziert Fischer.

Gleichzeitig äussert Fischer leise Kritik Richtung Clubs, dass man zuwenig Jungen genug Vertrauen schenke. Genug Spielermaterial für eine zweite Mannschaft mit solch jungen Spielern auf diesem Niveau hätte Fischer nicht gehabt. „Das ist eigentlich zu wenig. Wir müssten mehr Spieler im Alter bis 25 und jünger mehr Spieler in unserer Liga haben, die schon wichtige Rollen haben. Die jungen Spieler sind sehr gut, wachsen schnell, wenn man ihnen Vertrauen gibt, können sie sehr gutes Hockey spielen“, so Fischer.

Fünf Spieler schafften es letzte Saison vom Kader in Krefeld letztlich an die WM. Wieviele es diesmal sein könnten, will Fischer nicht abschätzen. Dadurch, dass es in der Vergangenheit immer wieder überraschende Aufgebote gab, macht sich Fischer aber glaubwürdig gegenüber den Jungs in Krefeld. „Bis April geschieht noch so viel, was in der NHL läuft, was in den Playoffs läuft“, so Fischer, und nennt das Beispiel Alessio Bertaggia. „Er lief im April feuerheiss. Für viele Leute war es ein überraschendes WM-Aufgebot, aber er wurde aber in jedem Spiel besser, hatte das Momentum. Das entscheidet. Früher waren wir oft abhängig von gewissen Spielern und jetzt haben wir viele Spieler, die sich Positionen teilen können. Klar haben wir Schlüsselspieler, die wir nicht eins zu eins ersetzen können, aber wir werden breiter und das ist ein gutes Gefühl.“

In einem halben Jahr findet die WM statt. Im nächsten Monat bestreitet die Schweiz ihr zweites und letztes Turnier, diesmal vor heimischem Publikum in der neuen Arena in Visp. Dort will er die bestmöglichen Spieler der National League dabei haben von allen Clubs und plant auch mit dem in der russischen KHL spielenden Stürmer Sven Andrighetto. Auch aus dem Kader vom Deutschland Cup will er den einen oder anderen Spieler nochmals sehen. Wir dürfen gespannt sein.