Egli nach Krankenbett und Abstieg in die Nati gekämpft

9.11.2019 - Von Martin Merk

Hätte jemand vor ein oder zwei Jahren Dominik Egli erzählt, dass er 2019 ein Aufgebot für das Nationalteam erhalten würde, hätte er einem wohl ausgelacht. Nach überstandener Nervenkrankheit und dem Abstieg in Kloten hat er sich diese Saison als Zuzug der SC Rapperswil-Jona Lakers aber in der Tat bis in die Nationalmannschaft hinaufgekämpft und beim Deutschland Cup in Krefeld sein Länderspieldebüt gegeben.

Der 21 Jahre alte Verteidiger Dominik Egli ist einer von sieben Debütanten im Schweizer Nationalteam beim Deutschland Cup in Krefeld. Der Weg für den in Frauenfeld aufgewachsenen Thurgauer war aber alles andere als stetig.

2017 litt er unter der Nervenkrankheit Guillain-Barré-Syndrom und musste als er zurück kam zeitweise bei den Elite-Junioren spielen, 2018 stieg er mit dem EHC Kloten ab, nachdem sein Schuss in der Verlängerung des siebten Spiels an den Pfosten ging. Ein Jahr später, nach einem mässigen Intermezzo beim EHC Biel, steht er nun auf der anderen Seite beim SC Rapperswil-Jona Lakers.

Letztes Jahr noch notorisches Schlusslicht, haben sich die Lakers zu einem Playoff-Kandidaten gemausert und mit Egli und Nyffeler gleich zwei Spieler im Nationalteam, welche in der National League bislang überzeugt haben.

Mit einer Grösse von 173 cm gehört Egli zu den kleineren Verteidigern der Liga und versucht dies entsprechend mit guten Offensivaktionen wett zu machen. Er ist ein perfektes Beispiel, wie man sich nach Tiefschlägen zurückarbeiten und besser werden kann.

Vor den Spielen gegen die Deutschen und Russen sprach er mit uns über seine Höhen und Tiefen und seinen ersten Zusammenzug mit der Nationalmannschaft.

Im April 2017 nach der Saison erkrankten Sie am Guillain-Barré-Syndrom. Was war geschehen?

Ich war in den Ferien in Ägypten mit der Familie. Es waren normale Ferien, zwei Wochen in Hurghada. Als wir zurückkamen, hatte ich im ersten Training bisschen Rückenschmerzen, hatte schwere Beine. Ich dachte mir nicht viel dabei, machte Witze über Muskelkater wegen zwei Wochen Pause. Dann fiel ich die Treppe runter, schlief merkwürdig, ging zum Arzt. Es hiess ich solle es beobachten, doch es wurde nicht besser. Da ging ich in die Notaufnahme. Sie dachten lange es sei ein Bandscheibenvorfall, doch zwei Tage später nach den Untersuchungen fanden sie heraus, dass ich das Guillain-Barré-Syndrom hatte.

Wie haben sie sich das zugezogen?

Es war nichts Spezielles vorgefallen in den Ferien. Ich wusste auch, dass ich kein Wasser trinken durfte, kein Salat essen durfte, da es mit dem Wasser gewaschen wird. Die Tricks kannte ich, doch wie auch immer ich mir den bakteriellen Infekt zuziehen konnte, ich weiss es nicht. Das konnte niemand sagen.

Wie ging es dann weiter? An eine normale Saisonvorbereitung war da wohl nicht zu denken.

Der Heiliungsprozess dauerte eine Weile mit Infusionen, Physiotherapie, Rehaklinik. Ich konnte im Sommer nicht mit dem Team trainieren, musste alles selbst aufbauen mit dem Physio in Kloten. Erst im August stieg ich langsam aufs Eis ein.

In Kloten gab es den nächsten Rückschlag. Ihr stiegt ab. Im entscheidenden Spiel in der Verlängerung ging ein Schuss von ihnen an den Pfosten und dann gewann Rapperswil.

Es war allgemein eine schwierige Saison. Ich spielte zuerst in Winterthur um wieder reinzukommen nach der Krankheit. Danach wurde ich nach Kloten geholt um bei den Elite-Junioren zu spielen. Dann erhielt ich nach zwei Spielen die Chance in der NLA, wo ich schon in der vorherigen Saison spielen durfte. Es ging mir persönlich gut, dem Team jedoch nicht. Es verlor viele enge Spiele. In der Ligaqualifikation gegen Rapperswil waren wir 2:0 hinten, gingen 3:2 in Führung. Im sechsten Spiel in Rapperswil war ich gesperrt. Im Spiel 7 daheim ging es in der Verlängerung. Ich stand alleine vor dem Tor, hatte die Scheibe abgelenkt. Von meinem Blickwinkel dachte ich, sie wäre drin, weil ich sie hinten rollen sah, riss die Arme rauf und dachte es wäre vorbei, doch im Video sah man, dass sie an den Pfosten ging und auf der Linie blieb und nicht rein ging. Nur zwei Minuten später hatten sie einen schnellen Gegenangriff und machten das Tor. Es war natürlich sehr bitter. Wir hätten es für Kloten entscheiden können, um den Traditionsclub in der NLA zu halten und ein paar Minuten später stand der Abstieg fest.

Anhand all dieser Sachen scheint es fast ein Wunder, dass sie nun beim Deutschland Cup in Krefeld sind.

Wenn mir das jemand damals gesagt hätte, hätte ich es sicher nicht geglaubt. Es ist sicher unerwartet und trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich es mir erarbeitet habe, vor allem in dieser Saison. Daher freut es mich umso mehr.

Diese Saison gelang der Durchbruch. Was ist geschehen? Tat die Luftveränderung gut?

Auch die letzte Saison in Biel tat mir gut, ich reifte persönlich. Ich konnte trotz allem viel lernen, auch wenn ich nicht viel spielte. Ich musste durch einen Prozess gehen, sehen dass nicht alles einfach läuft und auf dem Silbertablett serviert wird. Das tat mir gut für die persönliche Entwicklung, dass man auch mal unten durch muss und beissen lernen muss. Dann kam der Wechsel nach Rapperswil, den ich bewusst machte mit dem Ziel, viel Eiszeit zu erhalten in allen Situationen, fünf gegen fünf, Powerplay. Das war der Schüssel. Ich bekam viel Vertrauen. Umso schöner, dass ich es mit guter Leistung zurückzahlen kann.

Sie erhalten sogar die meiste Eiszeit aller Feldspieler bei den Lakers.

Es ist mega cool. Ich kann nach jedem Spiel sagen, dass ich alles geben musste. Dass ich fühle, viel Eiszeit erhalten zu haben. Es ist auch einfacher, wenn man viel auf dem Eis steht, sich offensiv zu beteiligen, Akzente zu setzen.

Zum Trainer Jeff Tomlinson haben Sie wohl ein entsprechend gutes Verhältnis.

Ja, sehr gut. Ich kenne ihn erst seit dem Sommer. Er ist ein sehr guter Trainer. Ich mag, wie er offen mit den Spielern kommuniziert und mit mir schon vor der Saison kommuniziert hat und ein Ziel aufgebaut hat, was ich erwarten kann von mir und was sie von mir erwarten. Wir haben eine coole Beziehung zwischen Trainer und Spielern.

Nun fiel er ja wegen der Nierenoperation aus. Wie hat das Team dies aufgenommen?

Wir erfuhren es auch relativ kurzfristig, da es noch nicht geplant war. Aber da die Möglichkeit gerade entstand, war es umso besser für ihn, denn die Gesundheit geht vor, egal was in Rappi geschieht. Er soll gesund werden und ist auch auf gutem Wege, dass er bald an der Bande zurück sein kann. Trotz allem wünschen wir uns aber alle, dass er genesen kann und mit 100 Prozent zurück an der Bande sein kann, und nicht zu euphorisch wird und alles zu schnell über die Bühne bringen will.

Ihr konnten seither aber nicht mehr gewinnen. Ging die Euphorie weg?

Ich denke nicht, dass Euphorie weg ging. Wir haben auch sonst gute Leute, die nun übernommen hat. Man merkt aber schon, dass der Chef weg ist. Trotz allem glaube ich, dass wir die letzten vier Spiele, die wir verloren haben, eigentlich nicht schlecht spielten. Es hat sich immer im zweiten Drittel entschieden, wohin das Momentum geht und in den letzten Spielen wurde es leider nie auf unsere Seite gezwungen von uns. Nun schauen wir, dass wenn die Pause vorbei ist, wir umso stärker zurückschlagen können.

Wie lebt es sich im Lakers-Land?

Es ist schön. Rapperswil selbst hat eine sehr schöne Altstadt, es ist schön, wenn es einen See hat. Wobei die meiste Zeit sind wir eh in der Eishalle oder unterwegs. Wir haben ein cooles Umfeld für die Mannschaft, das uns gut betreut und mit den Spielern können wir immer coole Sachen unternehmen. So macht es Spass Hockey zu spielen.

In den Saisonprognosen hat von euch kaum jemand mehr als den letzten Platz erwartet. Nun könnt ihr um die Playoffs kämpfen. Wie realistisch ist es, diese zu erreichen?

Es ist zu früh, darüber zu sprechen. Wir sind aber sicher auf dem richtigen Weg, hatten einen guten Saisonstart. Darauf können wir bauen. Es ist sehr eng, man gewinnt einmal, verliert einmal, kann gleich Letzter oder Siebter sein. Wir wollten, dass es möglichst lange eng bleibt und wir uns die Chance um einen Playoff-Platz bewahren können. Es sind aber immer noch 31 Spiele vor uns.

Sie spielen viel im Powerplay, aber kaum im Boxplay. Entspricht das ihrer Veranlagung?

Auch in der Vergangenheit spielte ich nie gross Boxplay. Es liegt mehr weniger als das Powerplay. Ich bin mehr der Offensiv-Verteidiger, der offensiv Akzente setzen möchte, daher bin ich auch froh, dass er mich dort einsetzt, wo meine Stärken liegen.

Die Verteidigung gilt sonst als diejenige Position, wo die Grössten und Schwersten hinsollen. Zu denen zählen sie ja nicht gerade. Wie sind sie damit umgegangen?

Man bekommt es mit, gerade früher als jemand den Traum der NHL hatte, hiess es, wenn man nicht mindestens 180 gross und 80 Kilos schwer bist, geschieht es eh nicht. Aber das Hockey entwickelt sich immer mehr dazu, dass es schnelle, starke Spieler braucht, die etwas mit dem Puck anfangen können. Das ist etwas, das genau mir entspricht und ich versuche das zu verkörpern. Wenn ich mit dem Vorurteil befasst werde, ist es mir relativ egal, denn ich weiss, was ich kann, und dass ich mit meiner Grösse und meinem Gewicht das Bestmögliche herausholen kann und auch so Erfolg haben kann.

Nun sind sie in der Nationalmannschaft. Wie fühlt es sich an hier zu sein?

Es ist ein cooles Erlebnis. Es ist das erste Mal, das ist immer speziell, gerade im ersten Länderspiel zu debütieren. Die Vorfreude war riesig, und dass wir gleich gewinnen konnten, war natürlich umso schöner. So möchte man gerne einsteigen in den ersten Zusammenzug. Nun freue ich mich auf die weiteren Spiele und geniesse es.

Wie war das Spiel im Vergleich zur National League?

Man merkt schon, dass es schneller geht. Man hat eine halbe Sekunde weniger Zeit, das macht natürlich etwas aus. Gerade gegen die Slowakei war es sehr körperbetont, das war auch eine Herausforderung, dies anzunehmen und damit umzugehen. Es ist alles schneller, aber es ist cool.

Wissen sie schon, welche Spiele sie hier noch bestreiten werden?

Nein. Ich nehme es Tag für Tag. Wenn ich gegen Deutschland spielen darf, freut es mich umso mehr und wenn nicht, ist es der Entscheid des Trainers.

Träumen sie von der WM?

Natürlich träumt man die Heim-WM zu bestreiten. Ich muss aber auch realistisch sein und will das auch bleiben. Ich möchte einen möglichst guten Akzent setzen; ein Zeichen setzen, dass ich zu Recht aufgeboten wurde. Ich möchte meine Stärken zeigen. Dann wird es sich zeigen, wie ich in der Meisterschaft weiterspielen werde. Wenn ich dort so weitermachen kann wie bisher, dann kommt alles so wie es kommen muss und die Trainer werden ihre Entscheidung treffen. Es ist cool, dass die WM diese Saison in der Schweiz sein wird, aber es ist noch zu früh, davon zu träumen.

Was sind ihre Zukunftspläne und Träume für die nächsten Jahre?

Es ist noch früh um es zu sagen, aber ich möchte mich sicher weiterentwickeln, um ein gestandener Offensiv-Verteidiger in der Liga zu werden, um mich – egal in welchem Team – in den Top-6 zu bewegen. Wenn ich das schaffen kann, werden sich sicher auch andere Wege öffnen und dann wird einmal die Rede von einer WM sein können.

Background-Portal

Dominik Egli

Mit Dominik Egli und Melvin Nyffeler debütierten zwei Spieler der SC Rapperswil-Jona Lakers erfolgreich mit der Schweizer Nationalmannschaft. Foto: Vedran Galijas
 

Dominik Egli ist in Rapperswil der meist eingesetzte Feldspieler. Foto: Thomas Oswald