Zug: Ist die Zeit reif für den Titel?

13.9.2019 - Von Fabian Lehner

Man scheut den Vergleich beim EV Zug nicht mit seinen Konkurrenten. Man wolle um alle drei Titel mitspielen. Sprich Champions Hockey League, Cup und Meisterschaft. Ohne dabei gleichzeitig die Demut vor dem nötigen Arbeitsaufwand und den Respekt vor den Gegner zu vergessen. Das Triple wäre einzigartig und wird wohl eher nicht eintreten. Die Kampfansage für die Meisterschaft ist aber mit den Sommertransfers getätigt. Eine Einschätzung nach den Positionen.

Tor:
Mit Leonardo Genoni verpflichtete man den derzeit besten und erfolgreichsten Torhüter mit Schweizer Pass. Kaum ein Torhüter hat hier zu Lande ein ähnliches Renommee wie der Kilchberger. Er habe sich erstaunlich schnell eingefügt in Zug, meint der Zürcher. Die Umstellung auf ein neues System fällt einem Torhüter in der Regel sowieso am einfachsten. Zusätzlich haben die Zuger in Form von Luca Hollenstein einen der interessantesten Backups der Liga. Der junge Bünder vermochte bereits an der U20- und U18-WM Akira Schmid ausstechen. Aufgrund seiner relativ kleinen Postur wird er oftmals unterschätzt. So unter anderem an der U20-WM in Vancouver, wo alle Experten und Scouts mit Akira Schmid rechneten, es am Ende aber Hollenstein war, welcher die Schweiz in den Halbfinal führte.

Verteidigung:
Auch hier verfügt der EVZ über eine überdurchschnittliche Breite. Raphael Diaz ist einer der besten Verteidiger der letzten Dekade. Gleich dahinter folgt Santer Aalatalo. Der Finne machte eine starke Entwicklung durch im letzten Jahr. Vom Desperado, bei dem sich Genialität und einfache Fehler abwechselten, zum Boby Orr des armen Mannes. Es ist das wohl zurzeit beste offensive Verteidiger-Duo auf Schweizer Eis. Danach folgen mit Dominik Schlumpf, Thomas Thiry, Jesse Zgragen, Miro Zyrd und Johan Morant sehr verlässliche Werte. Gespannt darf man auch auf die Weiterentwicklung von Livio Stadler sein. Der Jüngste im 8er-Verbund der Verteidiger machte eine gute Entwicklung durch im letzten Jahr. Die Verteidigung als Schwachstelle zu bezeichnen ist vermessen. Dennoch ist im Vergleich mit der Torhüterposition und der Offensive die Abteilung, wo die anderen Kader mithalten können.

Sturm:
Womit wir beim Prunkstück der Zuger angekommen sind. Das Motto lautet immer mehr «Speed Kills» für die Zentralschweizer. Mit Greogory Hoffmann, Jan Kovar und Dario Simion verfügt man über eine Linie, welche sehr viel Spektakel verspricht. Jan Kovar ist ein schlauer Fuchs, welcher von Dan Tangnes als sehr wissbegierig beschrieben und von Reto Kläy gar als Glücksfall für die Liga. Dazu kommt noch die späte Verpflichtung von Oscar Lindberg und Erik Thorell, welcher Tangnes noch aus seiner Zeit bei Rögle kennt. Lindberg kommt direkt aus der NHL und Thorell aus der finnischen Hauptstadt Helsinki nach Zug. Auch sie sind überdurchschnittlich gute Ausländer in der Schweiz. Damit haben die Zuger zusätzlich zu Carl Klinberg ein sehr starkes Quartett an Ausländern. Der 5., und somit am ehesten überzählige, dürfte David McIntyre sein. Doch auch die Schweizer neben Hoffmann und Simion brauchen sich nicht zu verstecken. Lino Martschini ist einer der besten Schlittschuhläufer in der Schweiz und auch Sven Senteller hat eine überragende Saison hinter sich. Zusätzlich konnte niemand erwarten, dass Sven Leuenberger so gute Playoffs spielen würde. Selbst Tangnes hatte nicht damit gerechnet. Ähnliches traut er diese Saison Yannick Zehnder zu. «Aber niemand kann das so früh in der Saison sagen», nimmt er gleich wieder den Druck von seinem Stürmer. Auch die Verpflichtung von Jerome Bachofner passt zu Zug. Kurzfristig wird er Zug in der Breite besser machen. Langfristig ist es ihm auch eine Rolle in der ersten Linie zu zutrauen. Alles in allem verfügt der EVZ über die wohl besten zwei ersten Linien und braucht sich auch bei der Bottom Six nicht zu verstecken.

Das Fazit des Kaders lässt nur einen Schluss offen. Gab es letztes Jahr einen klaren Favoriten mit dem SCB, wurde dieser bedingt durch den EVZ abgelöst. Ähnlich wie beim letzten Schwingfest dürfte es aber eher eine 1a und 1b sein mit Vorteilen auf der Seite des EVZ. Es spricht für die Arbeit von Reto Kläy, dass er schaffte, den besten verfügbaren Stürmer und den besten Goalie auf dem Schweizer Markt zu verpflichten und gleichzeitig drei Hervorragende Ausländer zu verpflichten, welche nicht selbstverständlich sind für die Schweiz. Das Fundament für die Mission Titelgewinn ist gelegt. Mal schauen ob sich die Steine während der Meisterschaft bis zum Pokal auftürmen werden.

hockeyfans.ch-Ranglistentipp
1. EV Zug
2. SC Bern
3. EHC Biel
4. ZSC Lions
5. Lausanne HC
6. HC Lugano
7. Fribourg-Gottéron
8. SCL Tigers
9. HC Davos
10. Genf-Servette
11. HC Ambrì-Piotta
12. SC Rapperswil-Jona Lakers

Background-Portal

Jubeljahr für Zug?

Die EVZ-Spieler jubeln während eines Testspiels. Auch während der Saison dürfte es viel zu jubeln geben - bloss, wieviel? Foto: Philipp Hegglin
 

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