Neuanfang beim HC Davos

4.9.2019 - Von Andreas Bernhard

Neues Trainingscenter, neue Strukturen, neuer Sportchef, neuer Trainerstab und damit auch ein neues Spielsystem. Beim HC Davos ist nichts mehr so, wie es die letzten 20 Jahre unter Arno Del Curto war. Der HCD steht vor einem Neuanfang. Was ist von ihm in dieser Saison 1 nach ADC zu erwarten? Wir haben mit dem neuen Sportchef Raeto Raffainer darüber gesprochen.

Die Davoser erlitten in der letzten Saison die schlimmste Spielzeit seit 30 Jahren. In der Saison 1988/89 stiegen sie am Ende in die Nationalliga B ab. Schon damals hatten es die Bündner verpasst, in Zeiten des Erfolgs die Weichen für die Zukunft zu stellen. In der letzten Saison konnte das Schlimmste verhindert werden. Harijs Vitolins konnte die Mannschaft stabilisieren und im Playout-Final gegen die Rapperswil-Jona Lakers den Ligaerhalt sichern. Nach der grossen Erleichterung wurde ein klarer Schlussstrich gezogen. Raeto Raffainer hat mit jedem Spieler ein Einzelgespräch geführt. «Es war mir wichtig, dass die Spieler befreit in die Ferien gehen können, zudem wollte ich verstehen, was passiert war. Das geht am besten, wenn man mit den Spielern spricht solange die Erlebnisse noch frisch sind.» Nachdem die Spieler ihre Sicht der Dinge schildern konnten, wurde ihnen aufgezeigt, wie die sportliche Ausrichtung für die Saison 2019/20 sein wird.

Das Sommertraining wurde in diesem sehr intensiv und lange geführt. Der Fokus lag auf der Individualisierung. Jeder Spieler erhielt einen eigenen Trainingsplan. Das neue Trainingscenter hat die Spieler dabei hervorragend unterstützt. «Die Infrastruktur, die der HCD hier aufgebaut hat, ist fantastisch», freut sich Raffainer und weist dabei auch auf die neu gebaute Südseite des Stadions hin, die bald fertig sein wird.

Auf dem Transfermarkt war der HC Davos ebenfalls nicht untätig. Mit Sandro Aeschlimann konnte man einen jungen Goalie verpflichten, der in der letzten Saison beim EV Zug gezeigt hat, dass er Grosses leisten kann. Er und der drei Jahre jüngere Joren van Pottelberghe werden wohl etwa zu gleichen Teilen zum Einsatz kommen. In der Verteidigung werden Lorenz Kienzle und der Rückkehrer Samuel Guerra für mehr Stabilität sorgen. Im Sturm werden Aaron Palushaj, Mattias Tedenby und Nando Eggenberger dafür verantwortlich sein, die Last des Toreschiessen auf mehr Schultern zu verteilen.

Christian Wohlwend hat verlauten lassen, dass seine Mannschaft in jedem Spiel auf einem «hohen Battle Level» sein wird. Raffainer ergänzt: «Die Spieler wissen, dass wir immer vollen Einsatz erwarten. Das haben wir bereits am ersten Trainingstag zur Vorgabe gemacht.» Nach der letzten schwierigen Saison könne es nur ein Ziel geben: Mit aller Kraft versuchen, wieder einen Playoffplatz zu erreichen. Einfach wird das nicht. Die Mannschaft muss sich in den ersten Wochen erst noch an das neue Spielsystem gewöhnen. Das wird vor allem für die langjährigen HCD-Spieler eine schwierige Aufgabe sein. Was unter Arno Del Curto die Norm war, ist jetzt nicht mehr erwünscht. Der HCD der Saison 2019/20 wird mehr Sorge zum Puck tragen. «Wir wollen die Scheibe unter Kontrolle haben, wenn wir das eigene Drittel verlassen und wollen sie auch am Stock haben, wenn wir ins gegnerische Drittel fahren. Das typische «Davoser Spiel» wird es so nicht mehr geben», erläutert Raffainer. Diese Umstellung wird seine Zeit und Geduld brauchen.

Zwei weitere Faktoren machen den Saisonbeginn der Davoser schwierig. Der Umbau der Eishalle führt dazu, dass der HCD die ersten acht Partien auf fremdem Eis austragen muss. Erst am 18. Oktober 2019 steht das erste Heimspiel gegen den EHC Biel an. Zu diesem Zeitpunkt werden die Davoser weiterhin ohne Magnus Nygren antreten müssen. Der schwedische Verteidiger hat sich im Vorbereitungsspiel gegen die Nürnberg Ice Tigers ohne fremde Einwirkung eine Bänderverletzung am Knie zugezogen. Die Rehabilitation wird mindestens drei Monate in Anspruch nehmen.

Können die Bündner diesmal die Playoffs schaffen? Es wird nicht einfach, doch der HCD kann, wenn es optimal läuft, auch eine Wundertüte sein und alle überraschen.

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