Biel: Reif für den letzten Schritt?

3.9.2019 - Von Maurizio Urech

Der EHC Biel gehört seit ein paar Jahren zu den Spitzenteams der National League. Nach dem Bezug der Tissot Arena hat man jedes Jahr die Mannschaft gezielt verstärkt und sich in der Tabelle kontinuierlich nach oben gearbeitet.

In den letzten zwei Jahren schafft man es zweimal bis in den Halbfinal und stand kurz vor dem grossen Coup, dem Finaleinzug. Doch sowohl gegen den HC Lugano als auch letzte Saison gegen den SCB verpasste man es den Sack vor eigenem Publikum zuzumachen und hatte im entscheidenden Moment nicht die mentale Stärke um den vierten Sieg einzufahren.

Da man die Mannschaft weiter verstärkt hat, kann das Ziel dieses Jahr nur eines sein, endlich den Finaleinzug zu schaffen und die Qualifikation unter den Top-3 zu beenden.

Die Saison begann mit einer Premiere für die Mannschaft von Antti Törmänen. Man darf sich mit der europäischen Elite in der Champions Hockey League messen gegen Klagenfurt (Österreich), Tappare Tampere (Finnland) und den norwegischen Meister Frisk Asker und ein Weiterkommen ist durchaus ein realistisches Ziel.

In der Verteidigung holten die Seeländer mit Stefan Ulmer vom HC Lugano und Yannick Rathgeb, der ein schwieriges Jahr in Nordamerika hatte, Routine und Feuerkraft hinzu. Stefan Ulmer hatte in den letzten Jahren in Lugano viel Verletzungspech und konnte daher sein Potential nicht abrufen, in Biel kann er seine Karriere neu lancieren.

Beat Forster hatte letztes Jahr eine schwierige Saison. Falls er verletzungsfrei bleibt, ist er ein sicherer Wert. Kevin Fey hat sich zu einem soliden Verteidiger entwickelt, Janis Moser war die Entdeckung der letzten Saison, Anssi Salmela schoss wichtige Tore. Samuel Kreis machte einen weiteren Schritt nach vorne, Rajan Sataric spielte bei seiner Rückkehr in die NL eine solide erste Saison. Damit haben die Bieler eine Klasseverteidigung mit acht fast gleichwertigen Spielern zur Verfügung.

Vor wenigen Wochen gab Goalie Jonas Hiller seinen Rücktritt auf Ende Saison bekannt. Der Routinier hat eine letzte Chance nach 15 Jahren seine Karriere mit einem weiteren Titel zu krönen. Nachdem er Versuch gescheitert ist, Reto Berra nach Biel zurück zu holen, hat man jetzt ein ganzes Jahr Zeit um einen geeigneten Nachfolger für den Routinier zu verpflichten. Oder wird sich Backup Elien Paupe, der wegen der Dreifach-Belastung durch Meisterschaft, Cup und CHL vermehrt zu Einsätzen kommen dürfte, mit starken Leistung selber als Nachfolger von Hiller ins Gespräch bringen?

Im Sturm hat man mit dem österreichischen Stürmer Peter Schneider den besten Stürmer der EBEL der letzten Jahre geholt. Man darf gespannt sein, ob Schneider seine guten Leistungen aus den Vorbereitungsspielen auch in den Ernstkämpfen bestätigen kann. Er muss sicherlich einen Schritt nach vorne machen, denn im Gegensatz zur EBEL wird er in der NL jeden Abend gefordert. Mit Luca Cunti vom HC Lugano holte man einen spielstarken Center, der allerdings sehr verletzungsanfällig ist, doch falls Cunti gesund bleibt, ist er eine ohne Zweifel eine spielerische Bereicherung. Ein Fragezeichen ist auch Anton Gustafsson, der bisher nur im Dress der SCL Tigers brilliert hat. Wird er sich einen Stammplatz sichern können?

Offensiv sind die Bieler mit Toni Rajala, Damien Brunner, Marc-Antoine Pouliot und Damien Riat breit aufgestellt. Auch Mike Künzle schoss wichtige Tore, doch die grosse Entdeckung war sicherlich Michael Hügli, der in seiner ersten vollen Saison in der NL voll Einschlug. Mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung um drei Jahre von Damien Brunner setzte man ein starkes Zeichen noch vor Saisonbeginn. Wie Goalie Jonas Hiller wird auch der «Capitano» Mathieu Tschantré seine letzte Saison mit dem EHC Biel bestreiten und er möchte sicherlich seine Karriere mit einem Highlight beenden.

Die Zuschauer in der Tissot Arena dürfen sich auf eine weitere Saison freuen, in der ihr Team für viel Spektakel sorgen wird. Trotz der Mehrbelastung durch die CHL gibt es keinen Grund, wieso der EHC Biel nicht endlich vom grossen Coup träumen kann, aber dies wird ein Thema in Frühling sein. Die Erwartungen in Biel sind weiter gestiegen, es liegt am Trainerstab und den Spielern, diese in positive Energie umzusetzen.

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Können Damien Brunner & Co. den letzten Schritt vorwärts machen? Foto: Andy Büttiker