Voller Elan in eine neue Ära

31.8.2019 - Von David Leicht

Nach einer weiteren Saison, in welcher der GSHC im Titelrennen keine Rolle spielte, beginnt bei den Genfern heuer eine neue Ära, dies in zwei Bereichen: Das Ende der Ära von Chris McSorley als Coach und die eingeschlagene Verjüngungskur der Mannschaft.

Obwohl Chris McSorley schon in der vorletzten Saison den GSHC nicht mehr coachte sondern "nur" noch als Sportchef amtete, gab er auf die letzte Saison hin als Chefcoach ein letztes Comeback. Dies geschah auf Geheiss der Stiftung 1890, welche den GSHC im Frühjahr 2018 nach einer erfolglosen Saison mit Coach Craig Woodcroft übernahm und mit McSorley nochmals eine Saison lang Stabilität im Coaching-Bereich wollte. Dies erreichte der charismatische Kanadier in der vergangenen Saison nur bedingt: Ein weiteres Mal beklagten die Genfer viele Verletzungen während der inkonstanten regulären Saison, konnten sich erst im allerletzten Spiel gegen die und auf Kosten der ZSC Lions für die Playoffs qualifizieren und spielten dann zwar eine couragierte, letztlich aber erfolglose Viertelfinalserie gegen den SC Bern.

Coaching

Nun sorgen die neuen Besitzer um Didier Fischer, der auch beim Servette FC involviert ist, dafür, dass in der Les Vernets ein frischer Wind weht: Auf diese Saison hin übernimmt der Kanadier Patrick Emond die erste Mannschaft des GSHC. Emond coachte zuvor die Genfer U20 Elite-Junioren mit grossem Erfolg, in den letzten zwei Saisons holte seine Mannschaft den Schweizermeister-Titel auf der höchsten Juniorenstufe in Folge. Er gilt als herausragender Ausbildner und als moderner Taktiker mit Fingerspitzengefühl – die idealen Eigenschaften, um eine jüngere Mannschaft erfolgreich vorwärts zu bringen. Er wird den Übergang zum Profihockey der ersten Mannschaft nahtlos schaffen. Chris McSorley ist als neuer Sportchef der Mann, der die Vorgabe "Verjüngungskur" auf die Mannschaftszusammenstellung ummünzt.

Tor

Robert Mayer, eigentlich Genfer Stammtorhüter, zeigte über die ersten zwei Drittel der regulären Saison durchzogene Leistungen und hatte mehr Einsätze auf der Ersatzbank als auf dem Spielfeld – auch weil die Nummer zwei, Gauthier Descloux, zwischenzeitlich überragend spielte und zur ersten Wahl avancierte. Dieses Blatt wendete sich im letzten Drittel der Qualifikation, als Mayer mit teils magistralen Leistungen einen grossen Anteil an der Playoff-Qualifikation der Genfer hatte. Auch in der Viertelfinalserie gegen den SCB zeigte er, dass er für diese Saison hin wieder die klare Nr. 1 im Genfer Tor sein und will. Descloux derweil ist ein sehr valabler Ersatz für Mayer und so verfügt der GSHC über ein überdurchschnittlich starkes Torhüterduo, das auch in dieser Saison Punkte für die Grenats sichern wird. Die Meldung, dass Mayer den Markt sondiere (sein Vertrag läuft Ende der Saison aus), ist das einzige Risikoelement für Genf und könnte zu etwas Unruhe sorgen, besonders falls Mayer wieder eine zwischenzeitliche Baisse haben sollte.

Verteidigung

Der Verjüngungskur zum Opfer fielen die Club-Legende Goran Bezina (für eine letzte Saison zu Sierre, bevor er danach im Coaching oder Scouting Staff der Genfer seine zweite Karriere lancieren wird) sowie der allseits beliebte Daniel Vukovic (zu Rapperswil). Ausserdem setzen die Schweden Johan Fransson und Eric Martinsson ihre Karriere in ihrem Heimatland fort. Als harter Kern der Genfer Verteidigung verbleiben Henrik Tömmernes, Arnaud Jacquemet, Jonathan Mercier und Eliot Antonietti. Mit Marco Maurer kehrt ein Spieler mit viel Wasserverdrängung zurück in die Calvinstadt (spielte 2009-10 bereits eine Saison für Genf), während mit Simon Le Coultre (von Moncton, QMJHL), Roger Karrer (ZSC Lions), Sandis Smons (eigener Nachwuchs) und Mike Völlmin (bisher) vier junge, spielstarke und kreative Verteidiger das Line-Up kompletieren. Die verjüngte Verteidigung der Genfer wird sicherlich anfangs noch Lehrgeld bezahlen, eine Investition die sich in der zweiten Saisonhälfte und in den Folgejahren auszahlen wird.

Sturm

Auch der Sturm der Genfer wurde jünger und verzeichnete zwei namhafte Abgänge: Die spielstarken aber verletzungsanfälligen Cody Almond (Lausanne) und Kevin Romy (Rücktritt) und ihre kumulativen 50 Skorerpunkte der letzten Saison werden Genf fehlen, dazu wird auch Daniel Rubin nicht mehr für Genf auflaufen. Neu tragen hingegen mit dem Jung-Internationalen Marco Miranda (von den ZSC Lions) und den eigenen Junioren Guillaume Maillard, Denis Smirnovs und Arnaud Riat vier abschlussstarke Zukunftshoffnungen das Tenue der Genfer. Für die Substanz im Sturm sorgen auf Schweizer Seite Captain Noah Rod, Jeremy Wick, Tanner Richard, Timothy Kast und Juraj Simek, wobei die grössten Erwartungen betreffend Skorerpunkten auf Richards und Wicks Schultern lasten. Mit Floran Douay, John Fritsche, Eliot Berthon und Tim Bozon hat der GSHC dazu vier wuchtige 3.- und 4.-Linienspieler, die gegnerische Powerlinien neutralisieren können. Auf Seiten der Ausländer platzte der Wunschtransfer Francis Paré, dazu verliessen Lance Bouma und Jack Skille Genf nach nur einer Saison. Mit Tommy Wingels (erzielte letzte Saison trotz Verletzungen 1 Punkt pro Spiel) und Daniel Winnik starten zwei erfahrene Forwards in die zweite Saison in Genf, während der Kanadier Eric Fehr mit der Erfahrung von über 700 NHL-Spielen für die Grenat debütiert. Fehr ist ein physisch dominanter Allrounder, der in seiner einzigen Europa-Saison bisher (2012-13 in Finnland) sehr gute Skorerwerte aufwies. Der verjüngte Sturm Genfs ist eine dynamische Mischung aus Wucht und Spielstärke, wobei es aber auch gut möglich ist, dass Sportchef McSorley bereits früh in der Saison einen fünften Ausländer engagiert, sollten die vier Angestammten nicht die gewünschte Dominanz aufs Eis bringen.

Prognose

Ein neuer Coach mit einem dynamischen und smarten Spielstil und beeindruckenden Erfolgen auf der höchsten Juniorenstufe, dazu eine verjüngte Mannschaft – Genf beginnt eine neue Ära. Im stolzen Genf sind die Erwartungen an die Mannschaft notorisch hoch: Alles andere als eine Playoff-Qualifikation wäre ein kleines Desaster. Die Substanz dazu hat die Mannschaft von Patrick Emond zweifelsohne, auch wenn in der Abwehr wie auch im Sturm an Erfahrung eingebüsst wurde. Eine Playoff-Qualifikation ist machbar, wenn es gut läuft, wir erwarten jedoch einen harten Kampf um die Plätze am Strich, weshalb ein Scheitern ebenso denkbar ist. Harmonieren die jungen und erfahrenen Elemente in der Mannschaft, findet Robert Mayer zur alten Konstanz auf hohem Niveau zurück, liefern die Ausländer mehr Punkte als letzte Saison – dann liegt in Genf sicher etwas drin, vielleicht gar erstmals seit vier Jahren die Halbfinalqualifikation?

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Kann Robert Mayer im Servette-Tor eine konstantere Saison hinlegen als zuletzt? Foto: Philipp Hegglin