Gottéron: Folgen den Worten Taten?

30.8.2019 - Von Maurizio Urech

Es wird Zeit auf die neue Saison zu schauen und dabei beginnen wir die Serie im Mittelfeld mit Fribourg-Gottéron.

Bei Gottéron hatte man in den letzten Jahren immer den Eindruck, dass man zwar mit grossen Ambitionen in die Saison startete, doch die Resultate am Schluss mehr als enttäuschend waren. Zweimal in drei Jahren die Playoffs zu verpassen entspricht sicherlich nicht dem, was sich die Fans und Sponsoren erhofften. Letztes Jahr verkündete Präsident Volet, dass man eine Mannschaft am Start habe, mit der man ganz vorne mitspielen könne und daher grosse Ambitionen habe. Die Realität sah nach 50 Partien ganz anders aus: Platz 10 in der Qualifikation und den Playoff-Platz sicherte sich ausgerechnet der Erzrivale Genf-Servette.

Die Hauptprobleme letztes Jahr von Gottéron waren einerseits die mangelnde Offensivproduktion mit nur 125 Treffern – nur Davos und der Aufsteiger SCRJ Lakers trafen weniger – und dass man in Spezialsituationen nie entscheidend war.

Auf dem Transfermarkt konzentrierte sich Christian Dubé vor allem darauf, die Mannschaft gezielt auf den Ausländerpositionen zu verstärken. Charles Bertrand, Jim Slater (Rücktritt), Jonas Holös, Andrew Miller und Jacob Micflikier wurden alle ersetzt. Mit dem US-Amerikaner Ryan Gunderson, der in Schweden bei Brynäs einer der produktivsten Verteidiger war, hofft man endlich wieder einen Spieler gefunden zu haben, der auch das Powerplay steuern kann. Routinier David Deharnais, der schon während des Lockouts für Gottéron stürmte, soll Stabilität auf der Centerposition bringen, während die beiden Schweden Viktor Stalberg (nach einem kurzen Gastspiel in der KHL) und Daniel Brodin für die nötigen Tore sorgen sollen und auch das Powerplay von Gottéron wieder auf Touren zu bringen. Die drei geholten Schweizer, Verteidiger Aurélien Marti und Jérémie Kamerzin (vom SCB) sowie Adrien Lauper, sind vor allem Ergänzungsspieler.

Dann hatte Christian Dubé auch noch das Dossier Reto Berra kurz vor Meisterschaftsbeginn auf dem Tisch. Nachdem man während ein paar Saisons Probleme auf der Goalie-Position hatte, wollte man kein Risiko eingehen und hat den Vertrag vorzeitig und teuer um vier Jahre verlängert um wenigstens auf dieser Schlüsselposition Kontinuität zu haben.

Gegenüber anderen Teams fehlt Gottéron in der Verteidigung die Tiefe, dazu hatte man letztes Jahr auch noch Pech, als mit Philippe Furrer der wichtigste Schweizer Transfer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und nur die Hälfte aller Partien bestreiten konnte. Die anderen Verteidiger wie Noah Schneeberger, Marc Abplanalp, Benjamin Chavaillaz und Ralph Stalder sind nicht für ihre Offensiven-Qualitäten bekannt, eher für solide Abwehrarbeit.

Im Sturm wird wieder einmal sehr viel von Julien Sprunger abhängen. Er war mit 20 Toren der mit Abstand produktivste Spieler der Drachen. Falls er gesund bleibt, kann Gottéron wieder die Playoffs erreichen, anderenfalls hat man ein gröberes Problem. Ein grosses Fragzeichen ist sein ehemaliger «Zwilling» Andrej Bykov, der immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat und nur einmal in den letzten sechs Jahren alle Spiele der Qualifikation bestreiten konnte. Falls er in dieser Saison auf Touren kommen sollte und wieder über 30 Punkte erzielen wird, hat Gottéron ein Problem weniger. Weitere Stürmer wie Matthias Rossi, Lukas Lhotak und Kilian Mottet brillierten letzte Saison vor allem mit Ihrer Inkonsistenz und ihre Torproduktion litt darunter. Auch viel mehr darf man sich von Samuel Walser erhoffen, der nach seinem Wechsel vom HCD bislang nicht die erwartete Leaderrolle übernehmen konnte.

Es gibt vor der neuen Saison viele Fragezeichen um Gottéron und man wird wohl gut daran tun diesmal nicht so grosse Töne zu spucken. Realistisch gesehen muss die Priorität die Playoff-Qualifikation sein und diese wird man nur erreichen, wenn man endlich die nötige Konstanz zeigt. Am Schluss der letztjährigen Qualifikation lagen zwischen Rang vier und Rang zehn nur fünf Punkte und es gibt keinen Grund, wieso auch die diesjährige Meisterschaft nicht so ausgeglichen sein soll. Der Kampf um die Playoff-Plätze verspricht Spannung bis am Schluss. Wie Gottéron wollen auch der HC Davos und die ZSC Lions nach einer Saison zum Vergessen wieder angreifen und über den Strich kommen, Geschenke werden da sicherlich keine verteilt. Und Blackouts wie in der Vergangenheit, als Gottéron eine Niederlagenserie hinlegte, kann man sich nicht mehr leisten.

hockeyfans.ch-Ranglistentipp

1.
2.
3.
4.
5.
6.
7. Fribourg-Gottéron
8.
9.
10.
11.
12.

Background-Portal

Sprunger

Bei Fribourg-Gottéron wird erneut viel von Julien Sprunger abhängen. Oder schafft es jemand anders zu glänzen? Foto: Thomas Oswald