CHL-Start mit Schweizer Neulingen

19.8.2019 - Von Martin Merk

Die Champions Hockey League steigt in ihre sechsten Saison seit ihrem Relaunch. Weil die Schweizer Clubs mehr punkteten als die meisten anderen, dürfen neu fünf Mannschaften aus der National League teilnehmen, darunter drei Neulinge. Eine Vorschau auf den Wettbewerb mit Ambrì, Bern, Biel, Lausanne und Zug mit Protagonisten der fünf Clubs.

Seit den ZSC Lions in der «alten» Champions Hockey League im Jahr 2009 hat es kein Schweizer Club mehr ins Finale geschafft. Dominiert haben die Schweden. Frölunda holte zum dritten Mal in fünf Jahren die Trophäe – und 350'000 Euro Preisgeld. Damit sind die Schweden aus Göteborg derzeit die dominierende Mannschaft im europäischen Eishockey westlich von Russland, das sich lieber auf die Entwicklung der eigenen Liga fokussiert.

Doch auch andere Länder können für Highlights sorgen, so entfachte Red Bull München mit der Finalteilnahme eine Euphorie, stellte mit Trevor Parkes auch den MVP der letzten Saison. Und es gab auch Überraschungsteams aus «C-Länder» in den Playoffs mit den Dragons de Rouen und Bozen.

Von den 32 Teams sind zehn Neulinge dabei, darunter auch Ambrì, Biel und Lausanne, welche zusammen mit dem Schweizer Meister SC Bern und dem EV Zug qualifiert sind. Im Liga-Ranking der CHL überholten die Schweizer Finnland für den zweiten Rang hinter Schweden und haben daher neu fünf statt bisher vier Teilnehmer. 13 Ligen sind in der CHL vertreten von Belfast in Nordirland bis Minsk im Osten, von Ambrì im Süden bis zum Polarkreis.

Der SC Bern war auch in der CHL der Zuschauermagnet mit 9780 Fans im Schnitt, wenn auch wie andere Spitzenclubs mit tieferen Zahlen als in der nationalen Liga. Mit Junost Minsk (Weissrussland) und Storhamar (Norwegen) waren entsprechend zwei «Zwerge» mit rund 4500 Fans im Schnit auf den Rängen 2 und 3. Insgesamt ist der Zuschauerschnitt kontinuierlich auf 3401 im Schnitt gestiegen, man hat aber Luft nach oben, wie es Martin Baumann, der Schweizer CEO der CHL, sagt.

Die mediale Verbreitung konnte man auf 63 Länder und Territorien verbreiten. 5787 Fernsehstunden wurden produziert mit kumulierten 136 Millionen Zuschauern. Finanziell ist der Wettbewerb bis 2022/23 mit einem Marketingvertrag gesichert, wobei das Preisgeld schrittweise gesteigert wird, diese Saison auf 2,34 Millionen Euro plus 400'000 Euro als Reisezuschüsse.

Bern: Wiedersehne für Jalonen

Kann es endlich wieder ein Schweizer Club schaffen? Dies müsste man als Erster wohl den SC Bern fragen als Schweizer Meister. Doch mit Kärpät Oulu (Finnland) und dem Skellefteå AIK (Schweden) haben die Berner zwei ganz dicke Brocken im Kampf um einen Playoffplatz erhalten. Dazu kommt Grenoble aus Frankreich. Der Trainer Kari Jalonen spricht mit einem Lächeln trotzdem von Losglück, wenn auch aus anderen Aspekten, kennt er doch die beiden nordischen Clubs bestens, Oulu ist gar seine Heimatstadt.

«Ich habe Losglück, ich arbeitete auch mal in Skelleftea. Ich werde in Oulu meine Familie und Freunde und meinen früheren Club sehen, mein Ziel ist jedoch mit dem SC Bern gutes Hockey zu spielen. Kärpät und Skelleftea gehören zu den besten Hockeyorganisationen in Europa. Wir wollen in die nächste Runde, aber es wird bestimmt härter», so der Meistertrainer aus Finnland. «Die CHL ist das Beste um sich für die Saison in der National League vorzubereiten und die Auswärtsreisen sind für uns Teil des Teambuildings.»

Auch sein Spieler Ramon Untersander freut sich, wenn es ab nächste Woche ernst gilt. «Wir haben bis jetzt sehr gut trainiert und die CHL-Spiele werden für uns wichtig sein, da sie schon ernster sind als Testspiele», so Untersander. Schon vor dem Saisonstart dürfte die Entscheidung fallen mit den vier Spielen gegen die Nordländer, erst im Oktober folgen die beiden Spiele gegen den Aussenseiter Grenoble. «Es erwarten uns sicher zwei schwierige Spiele gegen zwei Teams, die immer dominieren und oben mitspielen. Beide Teams sind taktisch sehr gut eingestellt und spielerisch sicher auf hohem Niveau. Unser Trainerstab macht gute Arbeit im Scouting damit wir gut vorbereitet in die Spiele gehen. Die Herausforderung gegen Teams anderer Hockeykulturen zu spielen ist immer spannend.»

Zuger wollen es besser machen

Auf dem Papier etwas weniger stark scheint die Gruppe des Vizemeisters EV Zug mit Hämeenlinna (Finnland), Pilsen (Tschechien) und dem Aussenseiter Rungsted (Dänemark). Auch hier gibt es ein Wiedersehen, kommt mit Jan Kovar doch einer der Leistungsträger aus Pilsen.

«Ich liebe es in Zug und es wird Spass machen gegen meine Heimatstadt zu spielen. Wir starten gegen zwei starke Teams. Ich hoffe, dass wir die Gruppe gewinnen und den nächsten Schritt machen können», sagt er.

Die Zuger starten mit zwei Heimspielen gefolgt von zwei Auswärtsspielen gegen die nordischen Gegnern. Pilsen ist dann im Oktober an der Reihe.

Der Trainer Dan Tangnes möchte nach der letztjährigen Erfahrung einen Schritt vorwärts machen. «Letztes Jahr war es enttäuschend, die erste Playoff-Runde nicht zu überstehen. Wir müssen vorwärts schauen, wollen jedes Spiel gewinnen und können es mit etwas Glück weiter schaffen. Es ist eine starke Gruppe auf Papier. Die Tschechen und Finnen werden auf Papier die stärksten Gegner sein, aber wir sahen in den letzten Jahren mit Rouen und Storhamar, dass auch Teams aus kleineren Ländern weiterkommen können.»

Ambrì-Trainer Cereda hat gute Erinnerungen

Gleich drei Mannschaften aus allen drei Sprachregionen nehmen erstmals am Wettbewerb teil. Auch wenn es für Ambrì eine halbe Rückkehr ist. Der Club gewann 1998 und 1999 den zweiten europäischen Wettbewerb, den Continental Cup, und bezwang dann 1999 im europäischen Supercup den damaligen Euroligasieger Metallurg Magnitogorsk. Ambrì top of Europe, so zu sagen. Der heutige Trainer Luca Cereda war damals mit von der Partie, hatte damals seine ersten beiden Profijahre als Biancoblù.

«Es ist eine grosse Ehre in der Champions Hockey League zu spielen. Damals war ich noch ein bisschen jünger. Wir freuen uns. Wir sind stolz, dass wir das kleine Tessin und die kleine Schweiz ausserhalb unserr Grenzen vertreten können», sagt Cereda. «Wir als junge Mannschaft mit einem jungen Staff freuen uns diese Erfahrungen zu sammeln, von den anderen Gegnern etwas zu lernen und wollen dadurch besser werden. Wir haben eine sehr starke Gruppe, wir sind ein bisschen die Underdogs. Wir werden aber unser Bestes versuchen und den Gegnern das Leben schwer machen.»

Mit dem Vorjahresfinalisten Red Bull München und dem langjährigen schwedischen Top-Team Färjestad sind die Favoriten auf dem Papier schnell gefunden. Nach diesen harten Brocken wartet im Oktober der slowakische Überraschungsmeister Banska Bystrica. Bei Ambrì geniesst man vor allem den Moment, hätte doch vor einem Jahr kaum jemand darauf gewettet, den HCAP in der CHL zu sehen.

«Eine CHL-Teilnahme haben wir vor der Saison nicht erwartet und sind daher umso froher. Es sind die Früchte der Arbeit, die wir letzte Saison geleistet haben», sagt etwa Ambrìs bester Schweizer Stürmer Marco Müller, der die Erfahrung CHL schon mit dem SC Bern machen konnte. «Es waren Spiele auf sehr hohem Niveau und es ist eindrücklich in fremde Länder zu spielen, wo es anders ist. Wir starten gegen zwei sehr gute Gegner. Es werden zwei gute Tests für uns.»

Biel auf Papier mit «einfachster» Gruppe

Die vielleicht grössten Hoffnungen darf sich der EHC Biel machen, hat er doch nur einen Gegner aus einer absoluten Top-Eishockey-Nation in der Gruppe mit den Finne von Tappara Tampere. Dafür bekam er noch zwei Meister aus kleineren Ländern zugelost mit dem Klagenfurter AC aus Österreich und Frisk Asker aus Norwegen – zwei Mannschaften, die man ebenfalls nicht zwingend als Meister erwartet hatte. Los geht es gegen die Nordländer, am Schluss dürfte die Entscheidung aber im Oktober im Nachbarschaftsduell gegen den KAC fallen.

Für den EHCB-Captain Mathieu Tschantré kommt es in seiner letzten Saison somit noch zu einer Premiere. «Ich hoffe es wird gut. Ich habe mit dem Verein schon alles erlebt, viele gute Sachen, auch schlechte Sachen. Es ist ein Riesending in der Champions League weiterzumachen. Es ist ein grosses Thema in der Stadt. Ich freue mich. Als ich die Gruppe sah, hat es sehr Spass gemacht. Es ist wichtig gegen Teams zu spielen, wo wir etwas daraus nehmen können», sagt Tschantré.

Bald gilt es beim EHCB von der klassischen Vorbereitung auf den Ernstkampf umzuschalten. «Wir haben normale Trainings, bislang ist nichts anders für die Champions Hockey League», sagt Antti Törmänen, der als Trainer auch schon CHL-Erfahrung sammeln durfte. «Man kennt die anderen Teams nicht so gut, das ist speziell für die Spieler und Trainer. Es ist ein Schritt vorwärts, hier zu spielen und zu sehen, wo wir in Europa stehen. Wir wollen es in die nächste Runde schaffen und dann sehen wir, wo der Weg hinführt.»

Europäische Premiere für ambitioniertes Lausanne

Der Lausanne HC steigt mit Ambitionen in die neue Saison mit der neuen Vaudoise Arena und dass man sich fürs europäische Parkett qualifiziert hat, passt bestens. Und auch bei Lausanne ist ein Weiterkommen nicht undenkbar.

«Es ist toll für unseren Club. Diese Erfahrung zu sammeln ist grossartig, nicht jeder Spieler kann sonst international spielen», sagt der LHC-Trainer Ville Peltonen. «Wir spielen gegen Top-Teams in Europa und sind stolz in diesem Wettbewerb zu sein. Wir spielen gegen zwei Landesmeister und Lahti war letzte Saison ein starkes Team.»

Der LHC erhielt den tschechischen Meister Ocelari Trinec und die Lahti Pelicans zugelost, dazu aus den nicht topgesetzten Ländern den weissrussischen Meister Junost Minsk.

«Es ist das perfekte Niveau um zu sehen, wo man als Team und als Einzelspieler steht», freut sich Etienne Froidevaux auf das Abenteuer CHL. «Wir hatten bislang mehr oder weniger das übliche Vorbereitungsprogramm. Für uns ist es schön, mal eine Reise ins Ausland zu machen. Es ist ein Novum für das Team und die Organisation. Für uns wird es wohl gegen Lahti am Speziellsten mit den vielen Finnen bei uns. Wir können den letzten Schliff für die neue Saison holen, wollen aber auch weiterzukommen.»

Lausanne startet mit einer Auswärtsreise nach Minsk und Lahti in seine erste europäische Saison. Nach den Rückspielen gegen die beiden Clubs wartet im Oktober Trinec.

Hier geht es zu den Gruppen und dem gesamten Spielplan der Champions Hockey League 2019/20.

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Trophäe der Begierde

Spieler und Trainer der fünf Schweizer Clubs in der Champions Hockey League begutachten schon mal die Trophäe. Foto: Martin Merk