U18-Rückblick: Schweiz bleibt erstklassig, mehr nicht

2.5.2019 - Von Fabian Lehner

Die Schweiz hat bei der U18-Weltmeisterschaft den Klassenerhalt geschafft, mehr aber nicht. Der Abstand zu den Top-Nationen ist bei den Junioren nicht kleiner geworden.

Zu aller erst wollen wir dem Staff, den Spielern und dem Verband gratulieren. Es war keine einfache Angelegenheit. Das es schwierig würde mit diesem Jahrgang war schon lange klar. Besonders bitter war, dass man das eigentliche Finale gemäss Setzliste um den Viertelfinal-Platz gewonnen hätte. Doch leider spielten die Tschechen und die Finnen nicht mit und so wurde das überraschende Weissrussland sogar Gruppenzweiter. Dennoch war man bereit in der nervenaufreibenden Relegation. Es waren keine überragende Spiele beider Teams, aber die Schweizer schafften es, sich in den wichtigen Spielen am Turnier sich durchzusetzen, nachdem man ein Jahr lang nur Niederlagen erhalten hatte. Das ist erfreulich und spricht für die Spieler und den Staff. Wenn man drei von vier „must-Win“ Spielen gewinnt, dann hat man etwas richtig gemacht. Das Team und den Staff hat dafür auch ein Kränzchen verdient.

Gegen die Topteams war man aber über 60 Minuten praktisch immer chancenlos. Auffällig war, wie viel Potenzial da ist, aber beispielsweise viele Spieler Mühe haben, Backhand eine Scheibe zu verarbeiten. Nachdem man letztes Jahr einen eher guten Jahrgang hatte, profitierte man in den Jahren auch von den „Superstars“ Philip Kurashev und Nico Hischier. Trotzdem musste man in die Relegation gegen Frankreich letztes Jahr und musste zweimal zuvor gegen Lettland in die Overtime. Nur in Poprad setzte man sich klar und deutlich durch. Auch das Jahr mit dem „Mega-Jahrgang» 97 mit der WM in Zug wurde mit einer Halbfinalqualifikation sehr gut bestritten. Aber auch da brauchte es einen dieser Overtimsiege gegen Lettland und desolate Russen um den Halbfinal zu erreichen. Ein Indiz dafür, dass man nicht so weit vom Rest der Welt weg ist, wie gerne geglaubt wird und gleichzeitig das Gegenteil zur Top 6 der Fall ist. Selten waren die Spiele knapp gegen die Top 6 Nationen. Auch ein Abstieg wäre noch kein Beinbruch. Doch sieht man bereits jetzt, welche Probleme die Slowaken haben, mit ihrem Team gute Gegner zu finden. Dazu kommt, wenn man ein Jahr nicht erstklassig ist, wird das noch keine Ausladung beim Ivan Hlinka bedeuten. Doch wenn man bedenkt, wie lange Deutschland für den Wiederaufstieg benötigte... Das kann gefährlich sein.

Zieht man einen Vergleich zur U20-WM, merkt man, dass man den Rückstand, welcher man sich bis zur U16 einholt, manchmal aufholen kann, aber nicht immer. Das zeigt, das grundsätzlich talentierte Spieler da sind, aber zu spät und zu wenig gefördert werden. Das ist kein Vorwurf an den Verband. Die Spieler verbringen nur einen Bruchteil mit den U-Mannschaften der SIHF. Die Arbeit beginnt bei den Klubs, wo sie den Grossteil ihrer Zeit verbringen. Die grossen Rückstand holt man sich bereits weit vor den U-Auswahlen ein. Schaut man auf die Resultate der U17 in diesem Jahr, kommen wir auf 3 Siege. Und keiner davon gegen eine Top-6-Nation. Doch was für Lösungsansätze gibt es?

Zuerst muss früher und intensiver an den Handskills und am Skating gearbeitet werden. In Schweden haben die SHL-Teams praktisch alle Profi-Trainer spätestens ab der U16-Stufe. Und wenn es keine Vollzeittrainer sind, so arbeiten diese hauptberuflich an einem Hockeygymnasium. Auch wird die Schule nach dem Eishockey gerichtet und nicht umgekehrt. Dass dies nicht bei allen Clubs exakt so möglich ist, ist aus monetären Gründen klar. Aber eine Vorschrift für alle Clubs, ab einer gewissen Stufe vollamtliche Trainer zu haben, sollte machbar sein. Mit gutem Beispiel geht die Academy des EVZ voran. Die ersten Früchte, beispielsweise Sven Leuenberger oder Tobias Geisser, können geerntet werden. Das Geld, welches man dort investiert, kriegt man später durch bessere Junioren und somit grösseren Konkurrenzkampf auf die Löhne zurück. Dieser entsteht aber nur, wenn die Junioren auch einen fixen Platz in einem Team erhalten.

Wir haben eine Entlassungskultur, wofür wir im Ausland oft belächelt werden. In der NL und SL getraut sich nicht jeder Trainer, einem jungen Spieler mehr Verantwortung zu geben. Die Routine bringt Konstanz, die Jugend Schwankungen. Dieses kurzfristige Denken schadet der langfristigen Entwicklung aber leider. Die Finnen kommen auf rund 400 Liiga Spiele. Die Schweizer Auswahl brachte es auf keines. Das hat nicht nur mit der Qualität der Finnen zu tun. Auch sieht man, dass das Niveau der Elite A zu tief ist. Unsere besten Spieler haben zu viel Zeit mit der Scheibe und brauchen dementsprechend oft ein paar Spiele, um sich an das schnellere Spiel zu gewöhnen. Hier könnte eine Verkleinerung der Liga helfen.

Ob diese Lösungsansätze jemals umgesetzt werden, ist aber bei einem Ligasystem, bei welchem die Klubs die Vorschriften machen, eher schwierig um zusetzten. Ein gewisses Gärtchendenken scheint leider auch vorhanden. Macht ein Trainer in Finnland oder Schweden eine neue Entdeckung, geht das keine zwei Wochen und jeder weiss davon. In der Schweiz weniger vorstellbar. Das ein zentralisiertes Jugendprogramm grosse Früchte abwerfen kann, sieht man an den Finnen und auch der Schweiz im Fussball. Die Vorgaben des Verbands werden von den Clubs in beiden Fällen grossmehrheitlich mitgetragen und die Früchte heissen Patrik Laine oder Granit Xhaka. Natürlich ist das eine oberflächliche Analyse, welche aber auf den Eindrücken der letzten Jahre beruht. Es zeigt sich, dass wir für eine Top-8-Nation recht gute Arbeit abliefern. Für eine tatsächliche Annäherung an die Top-6 aber noch einiges verbessert werden kann.