NHL-Playoffs: Wer kommt weiter, wer überrascht?

10.4.2019 - Von Maurizio Urech

Während bei uns seit gestern die Finalpaarung feststeht, geht es in der NHL in ein paar Stunden richtig zur Sache. Die 82 Runden der Qualifikation waren wie üblich spektakulär und ein paar junge Spieler deuteten ihr Potential für die Zukunft an, vielleicht wird z.B. ein Elias Pettersson von Vancouver ein Superstar?

Auch aus Schweizer Sicht gab es auch viel erfreuliches, so war z.B. nicht zu erwarten, dass sich Carolina nach zehn Jahren wieder für die Playoffs qualifizieren würden. Dies gelang auch dank dem Trade von Niederreiter von Minnesota. New Jersey hatte leider eine Seuchensaison mit vielen Verletzten und vor allem der Ausfall von Taylor Hall, dem letztjährigen MVP, schon in Dezember war nicht zu verkraften.

Beginnen wir unsere Vorschau mit den Paarungen der Western Conference

Calgary Flames – Colorado Avalanche

Dass Calgary die Pacific Division vor San Jose und den Vegas Golden Knight gewinnen würden, war sicherlich nicht zu erwarten, 107 Punkte sprechen eine deutliche Sprache und mit entsprechend breiter Brust wird Calgary in die Playoffs starten. Offensiv sorgte das Duo Johnny Gaudreau und Sean Monahan für die nötigen Tore, Matthew Tkachuk schaffte den Durchbruch, David Rittich war die Entdeckung im Tor, Kapitän Mark Giordano spielte seine beste Saison seit Jahren.

Colorado hatte eine Saison mit Höhen und Tiefen, nach einem Bombenstart – vor allem dank dem Powertrio Nathan Mac Kinnon, Mikko Rantanen und Gabriel Landeskog – fiel man in ein Loch, doch dank einem starken Finish reichte es am Schluss doch noch für die Playoffs. Verteidiger Tyson Barrie schoss ein paar wichtige Tore und auch das Duo Grubauer-Varlamov hatte einen entscheidenden Anteil am erfolgreichen Finish. Sven Andrighetto hatte eine komplizierte Saison mit nur 64 Einsätzen, mit wenig Eiszeit im vierten Block. Er beendete die Saison mit 17 Punkten (7 Tore/10 Assist) und eine Plus-10-Bilanz.

Wir glauben dass sich Calgary in sechs Spielen durchsetzen wird, vor allem weil man in der Offensive breiter als Colorado aufgestellt ist.

San Jose Sharks – Vegas Golden Knights

Dies ist die absolute Hammerpaarung in dieser ersten Runde. Beide Teams haben das Potential um weit zu kommen, ein Team wird die Segel allerdings schon früh streichen müssen.

Die Sharks spielten eine souveräne Qualifikation und das Erreichen der Playoffs stand nie in Frage. Dass mit Brent Burns ein Verteidiger mit 83 Punkten der Topscorer des Teams ist, spricht Bände, der andere Starverteidiger Erik Karlsson hatte eine komplizierte Saison mit nur 53 Spielen, er kann in den Playoffs für die Differenz sorgen. Timo Meier sorgte die ganze Saison für positive Schlagzeilen, mit seinen 66 Punkten (30 Tore/36 Assist) war er der viertbeste Skorer der Sharks.

Wer glaubte, dass Vegas nach der tollen letzten Saison in ein Loch fallen würden, sah sich getäuscht. Man kam zwar harzig aus den Startlöchern, doch dann marschierte man souverän durch die Qualifikation und zeigte wieder das offensive und attraktive Eishockey der letzten Saison. Beeindruckend vor allem die Ausgeglichenheit der Mannschaft. Nicht weniger als sieben Spieler kamen auf mehr als 40 Punkte.

Diese Serie ist dazu prädestiniert über sieben Spiele zu gehen. Hier werden Details, Spezialsituationen oder auch die Torhüter die Differenz ausmachen. Unser Tipp: Am Schluss wird San Jose eine Runde weiter kommen.

Nashville Predators – Dallas Stars

Dass Nashville eine souveräne Qualifikation spielt und diese mit 100 Punkten abschliesst, ist inzwischen die Normalität. Jetzt kommt die Herausforderung Playoffs, wo man nach der letztjährigen Enttäuschung wieder nach Grösserem strebt. Kapitän Roman Josi war erneut ein Schlüsselspieler. Mit 56 Punkten (15 Tore/41 Assist) war er am Schluss der zweitbeste Skorer hinter Ryan Johansen. Yannick Weber hatte eine komplizierte Saison und kam auf 62 Einsätze (2 Tore und 6 Assist) und verlor am Schluss seinen Stammplatz.

Die Dallas Stars waren lange Zeit in Wackelkandidat. Die mangelnde Konstanz war der Hauptgrund dafür, dass man bis fast am Schluss um die Playoff-Qualifikation bangen musste. Am Schluss war die offensive Power des Duos Tyler Seguin – Alexander Radulov und ein starkes Goalie-Duo Bishop-Khudobin dafür verantwortlich, dass man das Ticket für die Playoffs doch noch lösen konnte.

In dieser Paarung ist die Favoritenrolle klar verteilt. Nashville ist sowohl in der Verteidigung wie auch in der Offensive breiter aufgestellt und wird sich in fünf Partien durchsetzen.

Winnipeg Jets – St. Louis Blues

Winnipeg spielte wie in den vergangenen Jahren eine solide Qualifikation. Erst durch ein paar Niederlagen in den letzten Spielen verspielte man den ersten Platz in der Central Division. Offensiv war man wie üblich breit aufgestellt, auch wenn zum Beispiel Patrik Laine seine starken Werte aus den letzten zwei Jahren nicht bestätigen konnte. Einer der Schlüsselspieler Dustin Byfuglien war lange verletzt und bestritt nur 42 Partien. Er könnte in den Playoffs zu einem wichtigen Faktor werden.

St. Louis erwischte einen katastrophalen Start in die Saison und Ende Dezember schien die Playoff-Qualifikation nur noch ein Traum zu sein, doch dann war in den restlichen vier Monaten eines der stärksten Teams in der NHL und schaffte dank eine beeindruckenden Siegesserie doch noch den Sprung in die Playoffs. Dass Ryan O’Reilly am Schluss mit 77 Punkten der beste Skorer der Blues noch vor Vladimir Tarasenko wurde, ist sicherlich eine Überraschung. Man darf gespannt sein, ob er dies auch in den Playoffs bestätigen kann.

Diese Serie verspricht spannend und ausgeglichen zu werden. Wir sehen Winnipeg leicht im Vorteil und glauben dass sich die Jets in sieben Partien durchsetzen werden.

Jetzt wenden wir uns den Paarungen im Osten, der Eastern Conference zu.

Tampa Bay Lightning – Columbus Blue Jackets

Um die Saison der Überflieger aus Tampa zu kommentieren, reichen ein paar Daten. Man beendete die Qualifikation mit 62 Siegen, stellte damit den Rekord an Siegen ein, mit 128 Punkten hatte man am Schluss 21 Punkte Vorsprung auf den Zweiten der Atlantic Division. Nikita Kucherov stellte mit unglaublichen 128 Punkten (41 Tore/87 Assist) einen neuen Rekord für einen russischen Spieler auf, Steven Stamkos erzielte 98 Punkte, Brayden Point 92 Punkte, insgesamt erzielten neun Spieler mehr als 40 Punkte – ganz einfach grossartig.

Columbus war lange Zeit ein Wackelkandidat und vor einem Monat schien die Playoff-Qualifikation weit Weg zu sein, doch dann schaffte man doch noch die Wende mit einem starken Finish und löste das Ticket in der zweitletzten Runde. Artemi Panarin war mit 87 Punkten den beste Skorer und schoss am Schluss ein paar ganz wichtige Tore. Mit Matt Duchene und Ryan Dzingel holte man während der Saison von Ottawa zwei starke Stürmer die jetzt in den Playoffs liefern müssen. Verteidiger Dean Kukan war lange Zeit der 7. Verteidiger und hatte einen Tribünen-Stammplatz, doch am Schluss packte er seine Chance (25 Spiele/5 Assists) und er dürfte auch in Playoffs zum Einsatz kommen.

Tampa Bay gehört zweifellos zu den Favoriten auf den finalen Erfolg und wird gegen Columbus keine Mühe haben und sich in fünf Partien durchsetzen.

Boston Bruins – Toronto Maple Leafs

Wie erwartet war auch dieses Jahr das Trio Brad Marchand (100 Punkte), David Pastrnak (81 Punkte) und Center Patrice Bergeron (79 Punkte) der Garant für die Playoff-Qualifikation von Boston. Auch das Goalie-Duo Rask-Halak spielte eine solide Saison. Routinier Zdeno Chara verpasste 20 Spiele, doch jetzt ist er zurück und kann zu einem wichtigen Faktor in den Playoffs werden.

Toronto holte mit John Tavares einen Hochkaräter und er war am Schluss mit 88 Punkten (47 Tore/41 Assist) der zweitbeste Skorer des Teams hinter Mitch Marner. Trotz einiger unnötigen Niederlagen beendete man die Qualifikation mit 100 Punkten, doch in den Playoffs ist eine Steigerung nötig.

Dass man erneut auf Boston trifft, sorgt bei vielen Fans der Leafs für Schweissausbrüche. Letztes Jahr verlor man in sieben Partien und vor allem gab es in der Saison 2012/13 ein legendäres Spiel 7 mit Toronto, das neun Minuten vor Schluss 4:1 führte und am Schluss doch noch 4:5 nach Verlängerung verlor. Falls sich Toronto nicht steigern kann, wird sich Boston erneut in sechs Spielen durchsetzen.

Washington Capitals – Carolina Hurricanes

Nach dem Triumph letztes Jahr und dem Abgang von Coach Barry Trotz startete Washington mit einigen Fragezeichen in die neue Saison, doch am Schluss gewann man mit 104 Punkten die Metropolitan Divison, Alexander Ovechkin erzielte zum achten Mal mehr als 50 Tore, Braden Holtby war ein solider Goalie, Nicklas Backström und Evgeny Kuznetov garantierten mehr als 70 Punkte und Washington startet auch diesmal als einer der Favoriten auf den Stanley-Cup-Sieg in die Playoffs. Verteidiger Jonas Siegenthaler kam zu 26 Einsätzen (4 Assist). Es ist kaum anzunehmen, dass er in den Playoffs zum Einsatz kommen wird.

Nach zehn langen Jahren schaffte Carolina endlich wieder den Sprung in die Playoffs, auch wenn es am Schluss eine ganz enge Sache wurde. Doch im Gegensatz zu den letzten Jahren gewann man diesmal ein paar Schlüsselspiele. Furore machten vor allem die fantasievollen Art mit denen man die Siege feierte, auch wenn dies einigen Puristen sauer aufstiess. Dass mit Nino Niederreiter, der in Minnesota in den vierten Block verbannt wurde, auch ein Schweizer mit seinen 30 Punkten (14 Tore/16 Assist) in 36 Spielen entscheidenden Anteil am erfolgreichen abschneiden hatte, gehört zu den schönen Geschichten aus Schweizer Sicht.

Gegen den amtierenden Stanley-Cup-Sieger startet Carolina als krasser Aussenseiter. Man kann zwar ohne Druck spielen, aber am Schluss wird sich Washington in sechs Partien durchsetzen.

New York Islanders – Pittsburgh Penguins

Dass sich die Islanders mit 103 Punkten am Schluss souverän für die Playoffs trotz des Abgangs von John Tavares nach Toronto qualifizierten, war eine der positiven Überraschungen dieser Saison. Und der Schlüssel zu diesem Erfolg war Coach Barry Trotz, der es schaffte aus einer mittelmässigen Mannschaft ein Team zu formen, das gestützt auf ein Goalie-Duo Lehner-Greiss und einer soliden Defensive (nur 196 Gegentore) die nötigen Tore schoss um eine ruhige Qualifikation zu spielen. Verteidiger Luca Sbisa war von Anfang an nur eine Randfigur und kam auf nur neun Einsätze (1 Assist) und er wird auch die Playoffs von der Tribüne aus verfolgen müssen.

Das Starensemble um Superstar Sidney Crosby (100 Punkte) spielte eine durchzogene Saison und am Schluss lag Pittsburgh nur einen Punkt vor Carolina und stand am Schluss nur auf Platz drei der Metropolitan Division. Natürlich startet Pittsburgh mit grossen Ambitionen in diese Playoffs, doch wenn man für positive Schlagzeilen sorgen will, muss man sich doch erheblich steigern.

In dieser Paarung sehen wir am ehesten die Möglichkeit einer Überraschung. Wir trauen Trainerfuchs Barry Trotz durchaus zu, dass er das Rezept findet um Pittsburgh in sechs Partien aus dem Rennen zu werfen.