Luganos Saison zum Vergessen

18.3.2019 - Von Maurizio Urech

Es war schon Sonntagmorgen als Brian Flynn mit seinem Treffer in der 96. Minute in der Cornèr Arena die Lichter dieser enttäuschenden Saison für die Bianconeri endgültig löschte. Wir versuchen die Gründe für diesen Misserfolg zu analysieren, auch wenn wir wissen, dass nachher alle schlauer sind.

Unser Eindruck ist, dass man bei den Verantwortlichen die Situation nach der tollen letzten Saison nicht richtig eingeschätzt hat. Es war offensichtlich, dass die Mannschaft mit einem vollen Bauch in die Saison gestartet ist und man sich lange zu sicher fühlte und glaubte man werde dann schon im entscheidenden Moment den Schalter umdrehen zu können. Aber de facto passierte dies nie. Die Mannschaft fand nie die nötige Konstanz um eine Serie von Siege hinzulegen, man gewann nie mehr als drei Spiele hintereinander und man fand sich schon Ende November im Strichkampf involviert, dabei hätte man doch um die ersten Plätze mitspielen wollen.

Und die Probleme, welche die Mannschaft im November hatte, waren eine konstante auch für den Rest der Saison. Die Inkonstanz war die einzige Konstante in der ganzen Saison der Mannschaft von Greg Ireland. Vor allem war lange Zeit die Diskrepanz zwischen den Heimspielen und den Auswärtsspielen frappant, nicht umsonst war man lange die Mannschaft mit der zweitschwächsten Auswärtsbilanz. Dies vor allem, weil man in den meisten Partien nicht eine konstante Leistung über 60 Minuten erbringen konnte und daher viele Punkte unnötig verspielte. Dazu verlor man auch zu viele Direktduelle, wo man die Chance hatte sich abzusetzen.

Damit musste man bis zur 49. Runde um die Playoff-Qualifikation zittern und dies zehrte an den Nerven der Spieler. Wie man sich dann qualifizierte war bezeichnend für die Saison von Lugano. Nachdem man am Freitag den EVZ zu Hause nach einer konzentrierten Leistung geschlagen hatte, verlor man gegen den HCD nach einer von A bis Z ungenügenden Partie und musste nach Spielschluss den Ausgang des Spiels von Gottéron abwarten um die Gewissheit zu erhalten. Bei einem Sieg in Davos hätte man die Qualifikation auf dem vierten Platz beendet und sich damit sogar in extremis das Heimrecht gesichert.

Coach Greg Ireland stand schon früh in der Kritik, doch dann entschied man sich an ihm festzuhalten, was sicherlich die richtige Entscheidung war, auch wenn er nie verstanden hat, wieso sein Vertrag nach der letzten Saison nicht vorzeitig verlängert wurde. Er muss sich vor allem zwei Kritikpunkte gefallen lassen: Einerseits waren die Spezialsituationen von Lugano die Saison ein Schwachpunkt und es gelang ihm nie dafür eine Lösung zu finden. Und zweitens hätte er Mut zeigen und mehr Vertrauen in den Ersatztorhüter Stefan Müller zeigen müssen. Müller startete nur sieben Mal in eine Partie, damit erhielt er nie eine faire Chance zu zeigen, dass er ein valabler NL-Torhüter sein kann und vor allem hätte Ireland mit der Nominierung von Müller auch die Mannschaft in die Verantwortung nehmen können, die defensive Leistung war ja die ganze Saison miserabel. Am Schluss musste Elvis Merzlikins mehr als eine Partie bestreiten, in der er nicht fit war, und dies schlug sich auf seine Leistungen nieder.

Dann kommen wir zum Kapitel Ausländer, wo ebenfalls Fehler begangen wurden. Da Lugano auch die Champions Hockey League spielte, wäre es sicher kein Luxus gewesen die Saison mit fünf Ausländern zu beginnen. Andere Teams haben gezeigt, dass dies absolut kein Problem ist. Dies gibt dem Trainer höchstens eine Option mehr. Prompt verletzte sich Linus Klasen in der Champions League und man bestritt die ersten acht Partien nur mit drei Ausländern. Dann holte man mit Henrik Haapala einen Spieler, der letzte Saison wegen Verletzungsproblemen nur 20 Partien in der AHL bestritten hatte und ohne Spielpraxis war. Er musste zuerst aufgebaut werden und brauchte einige Wochen um auf Betriebstemperatur zu kommen. Kaum war er hier, fiel auch noch Jani Lajunen aus, womit Lugano wieder mit der Situation konfrontiert war, dass man noch diverse Partien mit nur drei Ausländern bestreiten musste.

Wenn man sieht wie eng das Klassement am Ende der Qualifikation war, ist es klar, dass all die Spiele, die man nur mit drei Ausländern bestritten hat, wertvolle Punkte in der Endabrechnung kostete und ein richtiger Konkurrenzkampf war so gar nicht möglich. Und auch die Entscheidung für die Playoffs keinen zusätzlichen Ausländer zu holen, ist nur schwer nachvollziehbar.

Natürlich tragen auch einige Schweizer Spieler Schuld an der miserablen Saison, deren Leistungen die ganze Saison ungenügend waren und bei einigen wird man den Verdacht nicht los, dass man es im Sommertraining wohl zu gemütlich genommen hat.

Jetzt hat Präsidentin Vicky Mantegazza die nicht leichte Aufgabe die richtigen Entscheidungen im Hinblick auf die neue Saison zu fällen. Da es keinen Grund gibt, wieso auch nicht in der nächsten Saison die Liga wieder so ausgeglichen sein wird, müssen diese greifen, ansonsten ist man nächstes Jahr vor bösen Überraschungen nicht gefeit. Die ersten Transfers wurden bereits getätigt, doch es verbleiben einige Fragezeichen. Wird man mit Taylor Chorney verlängern und wie sieht es mit Julien Vauclair aus? Hat er wie Sébastien Reuille am Samstag sein letztes Spiel mit Lugano bestritten oder erhält er noch einen Vertrag? Und nach dem Abgang von Grégory Hofmann, 232 Spiele für Lugano mit 102 Toren und 82 Assist, braucht man sicherlich noch eine offensive Verstärkung, evtl. mit einem Ausländer? Dies sind nur einige der offenen Fragen im Hinblick auf die nächste Saison.