Wie weit kann es der EVZ schaffen?

17.3.2019 - Von Fabian Lehner

Eine Analyse mit nur vier Spielen, egal in welchem Sport, als Wert ist immer heikel. Im Eishockey begibt man sich damit im wahrsten Sinne des Wortes aufs Glatteis. Dennoch wagen wir uns daran und wollen aufzeigen, weswegen der EV Zug unter Dan Tanges bereits dieses Jahr Meister werden kann.

Vor der Serie hatten wir eine knappen Ausgang Prophezeit. Nimmt man die letzten beiden Spiele, sieht man auch weswegen. Das lag aber viel mehr an der schlechten Leistung des EV Zug in den beiden Spielen, als an dem Wiedererstarken des HC Lugano. Die Luganesi schienen leichte Vorteile in der Offensivenporduktion der ersten beiden Linien zu haben.

Zwar schoss der EVZ in der Meisterschaft nur unwesentlich weniger Tore geschossen. Diese sind aber wesentlich mehr verteilt. Lugano ist mehr von der Produktion der Ausländer und Gregory Hoffmann abhängig. Genau diese kamen aber zu spät auf Touren. Die Ausländer der Zuger sind auch nicht primär für die Torproduktion angestellt. Denis Everberg und Carl Klingberg sind beide auch für viele Tore gut, habe aber noch weit mehr Qualitäten in der Defensive. Dazu kommt, dass beide die kleinen Sachen sehr gut machen. Everberg ist ein verdammt guter Forechecker, welcher sein Tempo und Reichweite hervorragend ausnutzt. Klingberg ist einer der meist unterschätzten Importspieler in der Liga. Das liegt daran, dass seine Aktionen oft für einen Treffer entscheidend sind, aber nicht auf das Scoresheet kommen. Garret Roe und David McIntyre sind eher für das Toreschiessen angestellt, aber auch sie sind komplette Spieler. Das Gegenbeispiel bei Lugano ist Linus Klasen. Der Schwede ist ein fast reiner Offensivspieler. Das sieht auf dem Spielrapport schön aus, bringt der Mannschaft aber nur etwas, wenn der Rest des Teams oder des Blocks dies auffangen kann. Somit gleicht sich das im Tagesgeschäft wieder aus.

Ein weiterer Faktor waren die Torhüter. Hier dürfte Elvis Merzlikins der bessere sein. Er hatte aber die schlechtere Saison als Tobias Stephan. In den ersten beiden Spielen war er ein Faktor gegen sein Team. Besonders auffällig im zweiten Spiel. Im dritten Spiel war er kein Faktor. Das lag aber mehr daran, dass auch Stephan nicht seinen besten Abend hatte. In diesem Spiel war er aber in der Phase, als es darauf kam am Ende überragend. Stephan ist nicht der beste Schweizer Goalie, aber wird aber zu oft despektierlich als ein nicht zur Meisterschaft ausreichender Torhüter betitelt. Bis jetzt spielte er aber auch nie in einer Mannschaft, welche dazu fähig war. Dieses Jahr ist das anders.

Kommen wir aber zurück zu den Feldspielern. Das Toreschiessen ist bei Zug wesentlich ausgeglichener verteilt. In den Playoffs ist das „secondary scoring“ noch wichtiger als in der Qualifikation. Oftmals neutralisieren sich die Teams bei Gleichstand und die Toplinien kommen nur im Powerplay wirklich so dominant zum tragen, wie in der Meisterschaft. Es überrascht daher nicht, dass Zug vor allem mit seiner dritte Linie den Unterschied machte. Die Linie um Dominik Lammer, Sven Leuenberger und Dario Simion. Durch den Ausfall von Klingberg wurde die Linie zwar aufgesplittet, aber dennoch ist es keine Überraschung, dass mit Dominik Lammer, einer aus dieser Linie den Topscorerhelm trägt. Punktgleich mit Roe. Dieser ist ein eher kleiner Spieler. Genau so wie Lino Martschini. Besonders Martschini haftet der Ruf an, nicht gross und böse genug für die Playoffs zu sein. Das hat er mit seinen Aktionen und Toren in der Serie bereits etwas widerlegt.

In der Summe zeigt dies eine Mannschaft, welche auf dem Papier um den Meistertitel mit spielt. Doch Eishockey wird auch im grossen Teil zwischen den Ohren gespielt. Um wortwörtlich auf die Ohren zu sprechen: Es fiel auf, wie diszipliniert die Zuger waren und sich nicht auf die Provokationen des HC Lugano eingiengen. Aber auch sonst wirkten die Zuger mental gefestigter. Letztes Jahr kippte im zweiten Spiel die Serie mit dem aufwühlendem Sieg zu Gunsten des ZSC. Die Zuger standen vor einer ähnlichen Herausforderung im dritten und vierten Spiel. Dieses mal waren sie aber zu einer Reaktion fähig. Die Mannschaft ist reifer geworden.

Zum Schluss muss man noch dem Trainer Dan Tanges ein Kränzchen winden. Zug ist nicht nur attraktiver unter ihm geworden. Die Mannschaft tritt wesentlich besser und weniger gut ausrechenbar auf. Generell wird die Scheibe mehr laufen gelassen. Dies brachte einige Spieler weiter und entspricht mehr ihren Fähigkeiten. Auch im Powerplay sind sie variantenreicher geworden. Grundsätzlich spielt man mehr in einem 1-3-1. Dennoch sieht man wie sie immer wieder auch ein Overload oder 2-1-2 praktizieren. Dazu sind die Powerplay-Formationen mit den ersten beiden Linien exzellent besetzt. Es wird auf diese Weise schwer, sich auf die Zuger einzustellen. Es sieht also sehr gut aus für die Zuger in diesem Jahr. Besonders erfreulich wird es erst wen man auf die nächste Saison schaut. Die Zuger werden das System von Tangnes noch besser einstudiert haben. Mit den beiden Königstransfers Hoffmann und Leonardo Genoni wird das Team noch besser besetzt sein. Zusätzlich sind die Jungen wie Yannick Zehnder und Leuenberger in der Mannschaft angekommen. Was den Bogen zur Academy spannt. Auch dort wird in Zukunft mehr nach oben kommen. Die Zukunft des EVZ sieht also noch rosiger aus. Es dürfte aber nicht überraschen, wenn der EVZ sich bereits die Gegenwart vergoldet!