Bereit für die schönste Zeit des Jahres

8.3.2019 - Von hockeyfans.ch

Darauf haben die Fans und Spieler schon lange gewartet – zumindest jene der acht Club, die noch dabei sind. Die Playoffs beginnen und damit die schönste Zeit des Jahres. In den kommenden Wochen wird der Meister gekürt und dann an der WM gespielt. Die beste Zeit für Hockeyfans!

Die National League war diese Saison – abgesehen von den Lakers und dem HCD am Tabellenende – sehr ausgeglichen und das spiegelt sich auch in den Playoff-Paarungen wieder. Es gibt kein Duell, das nicht eine Geschichte mit Intrigen und knappen Resultaten kennt.

Auffallend ist eine Westlastigkeit. Erstmals spielt kein Zürcher Team in den Playoffs. Aus der Deutschschweiz «schafften» es gleich die drei östlichsten Teams in die Klassierungsrunde, was vor allem beim gescheiterten Titelverteidiger ZSC Lions für rote Köpfe sorgte. Auch Fribourg-Gottéron blieb einmal mehr hinter den Erwartungen zurück und kann die Ferien buchen.

Dafür sind nach fünf Jahren gleich zwei Tessiner und nach zwei Jahren zwei Teams vom Genfersee dabei – und erstmals überhaupt drei Clubs aus dem Kanton Bern.

Wir schauen auf die Paarungen für das am Samstagabend beginnenden Playoff-Viertelfinale.

SC Bern – Genf-Servette

Es war ein spannender Kampf am Strich, bei dem auch der Qualifikationssieger SC Bern seine Finger im Spiel hatte. Er bezwang die ZSC Lions vor einer Woche und weil die Berner Lugano unterlagen, heisst der Gegner Genf-Servette – eine Neuauflage der letztjährigen Viertelfinalserie.

Bereits zum dritten Mal in Serie und seit Kari Jalonen beim SCB das Traineramt innehat, stehen die Berner am Ende der Qualifikation auf dem ersten Platz. Dieses Mal allerdings mit geringeren Punktdifferenzen zum EVZ als noch letzte Saison. Der SC Bern kann in den Playoffs bis auf Ramon Untersander auf praktisch all seine Stammspieler zurückgreifen. Genf-Servette verzeichnet nach wie vor einige verletzte Spieler, was das Unterfangen in Bern zu gewinnen nicht einfacher macht. Zusätzlich verfügt der SCB noch einmal über den statistisch besten Goalie der Liga, Leonardo Genoni. Auch die erhaltene Torstatistik der Berner ist beeindruckend, denn sie kassierten als einziges Team der Liga nicht dreistellig.

Auf dem Papier scheint der Favorit somit klar. Es wäre eine riesige Überraschung wenn der Qualifikationssieger das Halbfinale nicht erreichen würde. Doch Servette ist eben Servette.

300 - wird diese Zahl zum Genfer Schicksal? Summiert man die verpassten Partien der Genfer Stammspieler in der vergangenen Regular Season, kommt man auf sage und schreibe 300 – so viele Partien wurden insgesamt in der ganzen National League gespielt! Es ist aber auch das erklärte Ziel der Calvinstädter, im bevorstehenden Playoff-Kampf gegen die Übermacht aus Bern einen heldenhaften Kampf wie Leonidas der Spartaner im epischen Film "300" abzuliefern.

Mit dem Strichkampf sind die Genfer bereits in Playoff-Modus. Angetreten mit einem Rumpfteam und seit Monaten nur noch mit einem ausländischen Stürmer (Winnik) und dazu ohne Leistungsträger wie Cody Almond, Jeremy Wick, Daniel Vukovic und lange Zeit auch Captain Noah Rod spielend, bewiesen die Genfer, dass ihre kollektive Moral ungebrochen stark ist. Dass dies nach merkwürdigen Schicksalsschlägen – etwa ein aberkanntes Tor aufgrund schlechter Videoqualität bei der Einspielung, und entgegen der Meinung vieler Experten geschah, macht diesen Triumpf für das stolze Team nur noch süsser.

Das zusammengerückte Ensemble der Adler hat jetzt keinen Druck mehr und kann befreit aufspielen. Genau hier liegt auch der grösste Vorteil gegenüber des SC Bern – dieser muss gewinnen, Genf darf. Getrieben von der Euphorie und der frühlingshaften Aufbruchsstimmung bei der Equipe, den Medien und den Fans am Arveufer ist für die Genfer effektiv – und das ist nicht nur eine blosse Wiederholung von Chris McSorleys Standardsatz der letzten Jahre – vieles möglich. (RB/DL)

EV Zug – HC Lugano

Der EV Zug trifft in den Playoffs auf Lugano. Die Zuger machten eine gewaltigen Schritt nach vorne auf der spielerischen Seite unter ihrem neuen Trainer Dan Tangnes. Punktemässig stellten sie den eigenen Rekord ein und kassierten noch nie so wenig Tore. Nur die Tatsache, dass der SC Bern noch konstanter unterwegs war, verwehrte ihnen den Platz ganz oben an der Sonne. Gleichzeitig schossen sie am zweitmeisten Tore – gleich hinter Lugano.

«Wir haben sehr viele Spieler, welche für uns die Tore machen. Obwohl wir offensiv so gefährlich sind, haben wir nur einen Spieler in den Top-15 der Scorerwertung!» meinte Dan Tangnes direkt nach dem letzten Qualispiel. Das dürfte aus Zuger Sicht auch der Trumpf sein. Lugano ist wesentlich mehr von Lapierre oder Hoffmann abhängig. Ausserdem verfügen sie über die besseren Verteidiger. Nur auf der Goalieposition dürfte die Nummer 1 bei Lugano besser sein. Es ist ein Vergleich auf hohen Niveau mit nur leichten unterschieden zwischen den Pfosten. Daher scheinen die Zuger auf dem Papier eigentlich klar im Vorteil. Wenn sie ihr Spiel durchziehen und alle Linien zum Rollen bringen, sollte Lugano ein grosser, aber machbarer Stolperstein sein. Oder mit den Worten von Tangnes: «Wir kommen weiter, weil wir das breitere und bessere Team haben.»

Die Bianconeri haben die Qualifikation auf dem siebten Platz abgeschlossen und mussten bis zum 49. Spiel zittern – ein Resultat, das weit unter dem Potential und den Erwartungen an diese Mannschaft lag. Die Mannschaft hat eine bessere Klassierung in der ersten Saisonhälfte verspielt, als man vor allem auswärts kaum einen Schlittschuh vor dem anderen brachte. Immerhin zeigte die Mannschaft Charakter und war in den letzten 20 Spielen eines der Top-Teams der Liga.

Doch trotzdem spricht eigentlich wenig für die Bianconeri in diesem Duell. Die Spezialsituationen waren ein Problem genauso wie die Konstanz innerhalb der 60 Minuten. Auf der positiven Seite steht die Tatsache, dass Lugano die meisten Treffer bei numerischem Gleichstand geschossen hat und dass die Bianconeri in den letzten Jahren eine Playoff-Mannschaft geworden sind. Zu den Trümpfen zählen sicherlich Topscorer Grégory Hofmann und Goalie Elvis Merzlikins, während die Ausländer mit Ausnahme von Taylor Chorney noch viel Luft nach oben haben. Im Gegensatz zum letzten Jahr als mit Brunner, Bürgler und Chiesa gleich drei Schlüsselspieler kurz vor den Playoffs verletzt ausfielen, kann man abgesehen vom Dauerverletzten Luca Cunti mit der bestmöglichen Mannschaft antreten.

Wir erwarten eine enge Serie mit dem besseren Ende für die Zuger. (FL/MU)

Lausanne HC – SCL Tigers

Seit in den letzten Jahren in Lausanne mit der grossen Kelle (sprich: Portemonnaie) gerührt wird, hat sich beim LHC auf dem Papier viel getan – ohne dass sich dies aber in Erfolg widerspiegeln würde. Vor zwei Jahren schied man trotz einer guten regulären Saison schon im Viertelfinale aus und letztes Jahr verpasste der LHC gar die Playoffs.

Das ist nun aber Schnee von gestern. Mit dem dritten Rang in der regulären Saison ist der LHC so stark wie letztmals... 1951! Endlich, so glaubt man im Waadtland, kann man an längst vergangene Zeiten anknüpfen als Lausanne noch eine Wiege des Schweizer Eishockeys war. Unter dem Trainer-Grünschnabel und einst erfolgreichen Playoff-Spieler Ville Peltonen hat der LHC den gewünschten Schritt nach vorne gemacht. Das Team managt den Balanceakt zwischen Offensive und Defensive. Man spielt weder offensiv bombastisch, schoss am fünftmeisten Tore der Liga, noch steht man hinten rein (am viertwenigsten Gegentreffer), zeigt dafür gute Allround-Qualitäten.

Das Duell lässt sich gut mit Heinz Ehlers symbolisieren. Der Däne war einst Trainer in Lausanne bevor er mit den SCL Tigers erfolgreich die Rolle des Underdogs annahm. Für die Emmentaler ist das aber nicht zwingend ein Vorteil. Man kennt sich gegenseitig und Lausanne hat nichts desto trotz mit drei Siegen in vier Spielen und 15:9 Toren eine klar positive Bilanz gegen die Tigers. Statistisch müsste der LHC somit in fünf Spielen gewinnen.

Doch Playoff-Hockey ist eben anders. Lausanne hat zwar gerade bei den Schweizern mit Spielern wie Joël Vermin, Christoph Bertschy und Ronalds Kenins mehr Klasse und mit Sandro Zurkirchen den statistisch zweitbesten Stammtorhüter nach Genoni, muss aber zuerst den Beweis antreten, dass es nun stählern genug für die Playoffs ist um erstmals seit über einem halben Jahrhundert weiterzukommen und um den Titel kämpfen zu können.

Langnau steht erst insgesamt zum zweiten Mal in der Clubgeschichte in den Playoffs, acht Jahre nach der letzten Qualifikation. Sportlich ein grosser Erfolg und nebst Ambrì die grösste Überraschung der Saison. Noch wertvoller macht es die Tatsache, dass noch nie so viele Punkte (75) nötig waren um den Sprung unter die ersten Acht zu schaffen. Das ganze Dorf ist im Playoff-Fieber, an jeder Strassenecke hört man die Langnauer diskutieren und spekulieren.

Mit Lausanne haben die SCL Tigers aber einen unbequemen und ungeliebten Gegner erwischt. Ausserdem spielen beide Teams ein ähnliches Hockey und kennen sich gut, was der Taktik von Langnau-Trainer Heinz Ehlers nicht gerade entgegenkommt. Aber glücklicherweise haben die Playoffs ja ihre eigenen Regeln. Und im heimischen Ilfisstadion sollten die treuen und frenetischen Fans die Mannschaft zum Sieg pushen können.

Für die Emmentaler wird es entscheidend sein, wie sich das Ausländer-Quartett in Szene setzen kann. Die Söldner haben zusammen 62 der insgesamt 132 Tore erzielt, also gut die Hälfte, und auch bei den Assists sieht es ähnlich aus. Der andere Erfolgsschlüssel wird beim Goalie liegen. Damiano Ciaccio ist DIE Entdeckung der Saison. Keiner hat ihm eine solch souveräne Leistung über Monate zugetraut, aber er scheint an grossen Aufgaben zu wachsen. In der letzten Partie hatte er aber wieder Mühe und war unsicher. Halten seine Nerven in den Playoffs? (MM/SW)

EHC Biel – HC Ambrì-Piotta

Der EHC Biel steigt in die Serie gegen den HC Ambrì-Piotta als Favorit – dies vor allem, weil man von den letzten acht Partien gegen die Leventiner sieben gewonnen hat. Aber trotzdem darf sich die Mannschaft von Antti Törmänen nicht zu sicher fühlen. Die Seeländer starteten furios in die Meisterschaft und grüssten nach 18 Spielen mit 36 Punkten von der Tabellenspitze. Auch wenn die Playoff-Qualifikation nie in Gefahr geriet, waren die Auftritte im neuen Jahr weniger zwingend. Offensiv haben die Seeländer viele Trümpfe. Nach Lugano und Zug schoss man die meisten Toren. Ein Damoklesschwert schwebt aber über den EHC Biel. Nach dem Ausfall von Elien Paupe hat man keinen valablen Back-up. Dennis Saikkonen hat nicht das Niveau um dem Team helfen zu können. Mit dem Königstransfer Damien Brunner sind die Ansprüche noch einmal gestiegen und nicht wenig trauen den Seeländern den Coup zu bis in den Final vorzustossen. Die Halbfinal-Qualifikation ist praktisch ein Muss. Man wird sehen wie die Mannschaft mit diesem Druck umzugehen weiss.

Der HC Ambrì-Piotta war zusammen mit den SCL Tigers die Überraschungsmannschaft dieser Qualifikation. Niemand hätte der Mannschaft von Luca Cereda zugetraut diese auf dem 5. Platz zu beenden. Was letzte Saison gesät wurde, hat man diese Saison geerntet. Unter dem Duo Duca-Cereda setzte man endlich auf junge und hungrige Spieler, wie Dominik Kubalik (Topscorer der Qualifikation), Dominic Zwerger und Marco Müller ein Sturmtrio, das zusammen stolze 134 Punkte erzielte. Ein weiterer cleverer Schachzug war die Verpflichtung von Daniel Manzato. Zusammen mit Benjamin Conz waren die beiden ein sicherer Rückhalt für die Mannschaft.

Aber der grösste Unterschied zur letzten Saison war der Mentalitätswechsel innerhalb des Teams. Letztes Jahr verspielt man die Playoffs, weil man einige Schlüsselpartien verlor. Dies änderte sich diese Saison und man war fast immer auf einem Playoff-Platz klassiert. Wenn auch nach aussen Tiefgestapelt wurde und immer vom Klassenerhalt als Ziel gesprochen wurde, glaubte man je länger die Saison dauerte umso mehr an die Playoff-Qualifikation. Auch der Zufall spielte noch seine Rolle. Als sich Bryan Lerg verletzte, der kein reiner Center ist, verpflichtete man mit dem Routinier Jiri Novotny ein absoluter Glücksgriff. Er ist nicht nur ein Leader in der Garderobe, sondern vor allem der beste Bullyspieler der Mannschaft.

Ambrì-Piotta startet als Aussenseiter und wird den Favoriten aus dem Seeland fordern, am Schluss behält Biel mit 4:3 die Oberhand. (MU)

Background-Portal

… von hockeyfans.ch

Viertelfinal-Action

Gerangen vor Leonardo Genoni: Der SC Bern trifft auch dieses Jahr auf Genf-Servette. Foto: Alexander Raemy

Luganos PostFinance Topscorer Gregory Hofmann und Zugs Reto Suri im Zweikampf. Foto: Philipp Hegglin

Harry Pesonen, der PostFinance Topscorer der SCL Tigers, wird von Lausannes Matteo Nodari in die Bande gecheckt. Foto: PPR/Marcel Bieri

Ambrì-Verteidiger Samuel Guerra kämpft von hinten gegen Biel-Stürmer Michael Hügli um den Puck. Foto: TOPpictures/Andy Büttiker