Das Trio ist oben angekommen

21.2.2019 - Von SLAPSHOT/Matthias Müller - SLAPSHOT Ausgabe Nr. 5, Feb./März 2019

Sie spielten ihre ganze Kindheit und Jugend lang im selben Team und waren dabei harte Konkurrenten und enge Freunde zugleich. Mittlerweile sind nicht nur die Profi-Träume der Zürcher Goalies Niklas Schlegel und Melvin Nyffeler definitiv in Erfüllung gegangen, sondern auch derjenige von Schlegels Vater Tom.

«Die Eishockeywelt ist doch einfach sehr klein», sagt Tom Schlegel und lächelt mild. Hinter ihm kurven die jungen Goalies aus dem Rapperswiler Nachwuchs über das frisch gereinigte Eis der St. Galler Kantonalbank-Arena. Schlegels Pause ist kurz, erst eine Viertelstunde zuvor ist das Training mit der ersten Mannschaft zu Ende gegangen, nun wird er bereits wieder erwartet. Der gebürtige Kanadier scheint aber kaum gestresst, seine gelassene Art würde das wohl auch gar nicht zulassen. Und ja, natürlich ist er auch zufrieden. Sein Sohn Niklas, 24, wird nächste Saison dank einem Transfer von der Nummer 2 bei den ZSC Lions zur Nummer 1 des SC Bern aufsteigen, derweilen sich dessen Jugendfreund Melvin Nyffeler, für den er hier als Trainer verantwortlich ist, sich gerade nachhaltig in der National League etabliert. «Ja, ich lebe hier meinen Traum. So wie Niklas und Melvin. Aber es ist auch täglich harte Arbeit. Für sie und für mich.»

Aufstieg mittels Aufstieg
Tatsächlich hat sich der ehemalige Linienpilot und frühere Effretikon-, Küsnacht und Kloten-Keeper über mehr als ein Jahrzehnt nach oben gearbeitet. Mitte der 2000er-Jahre hatte er in der Organisation der ZSC Lions begonnen, mit der Zeit tauchte er immer tiefer in die Materie ein. Zuletzt hatte Schlegel bei der Goalieschule PGS gearbeitet und dort u.a. auch ein Mandat bei den Lakers übernommen. Der Steigbügelhalter in die heutige Festanstellung war für ihn aber letztlich Melvin Nyffeler. In der letzten Saison hatte er den 24-Jährigen bereits eng betreut, im Zuge des Aufstiegs in die National League ist er von den Rapperswilern Vollzeit unter Vertrag genommen worden. Die beiden bilden nun zusammen mit Ersatzgoalie Noël Bader eine Art Team im Team. «Tom hat enormes Know-how und ist sehr akribisch», schwärmt Nyffeler. Und: «Wir kennen uns schon lange, haben bereits bei den Mini Novizen miteinander gearbeitet. Er weiss genau, was ich wann brauche.» Es ist für die Lakers in ihrer aktuellen Lage sicherlich ein gutes Gefühl zu wissen, dass sie auch künftig auf dieses eingespielte Duo setzen können. Denn Nyffeler hat seinen Vertrag bereits anfangs Oktober bis 2021 verlängert und sich damit just in einem Jahr, in dem in der NL so viele attraktive Goalieplätze zur Disposition stehen wie schon lange nicht mehr, früh vom Markt genommen – obschon er eigentlich zu den interessantesten Kandidaten gehört hätte. Ein Wechsel innerhalb der Liga sei für ihn nicht zur Diskussion gestanden, sagt der mit Abstand meist beschäftigte Keeper der Liga. «Ich weiss, was ich an meinen Klub habe und schätze das Vertrauen. Vor vier Jahren war ich zu ungeduldig und bin zu früh von den ZSC Lions weggegangen. Diesen Fehler wollte ich kein zweites Mal begehen.» Sein Trainer Tom Schlegel pflichtet ihm bei: «Wir haben in der letzten Saison die Weichen gestellt und stehen nun in einer sehr herausfordernden Situation. Es ist wichtig, dass wir uns voll darauf konzentrieren können.»

Des Freundes Platz geerbt
«Ich habe Melvin natürlich zur Vertragsverlängerung gratuliert und ihm dabei auch gesagt, er solle meinen Vater ruhig ein wenig fordern», sagt Niklas Schlegel und lacht. Als einer der letzten ist er vom Eis der Kunsteisbahn Oerlikon gekommen, nach Trainingsende ist er noch auf dem Eis geblieben, um die Schüsse seiner Mitspieler zu halten. Das passt, denn aktuell steht seine Position nicht zur Debatte: Er ist bei den ZSC Lions hinter Lukas Flüeler die klare Nummer 2. Nicht, dass das zu Beginn der Saison in Stein gemeisselt gewesen wäre: Seit 2014 sein enger Freund und jahrelanger Wegbegleiter Melvin Nyffeler die ZSC Lions verlassen hatte, hat er auf dessen Platz Flüeler Jahr für Jahr herausgefordert. Zeitweise war Schlegel seinem Kontrahenten, der immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, sogar bedrohlich nahegekommen. Noch im Vorjahr hatte er ein Angebot des EHC Kloten ausgeschlagen und ein Jahr verlängert. Nun aber, da der Goaliemarkt durch die frühe Vertragsunterschrift von Leonardo Genoni beim EV Zug durchgeschüttelt wurde, hat er die Gunst der Stunde genutzt und für kommende Saison beim SCB als Genoni-Nachfolger angeheuert. «Das ist für mich eine grosse Ehre», sagt Schlegel und meint das durchaus auch im historischen Kontext, hat der SCB doch eine grosse Tradition von langjährigen, sehr erfolgreichen Goalies. Vor allem aber sei dieser Wechsel eine grosse Chance. Nicht nur, endlich die Nummer 1 bei einem National League-Spitzenklub zu werden, sondern auch zum ersten Mal etwas Neues zu sehen. Dass er dafür wiederum mit einer Degradierung in Zürich bezahlen musste – seit der Unterschrift hat er nur noch wenig Einsätze bekommen –, ist für ihn «sehr enttäuschend», aber natürlich nicht ganz unerwartet gekommen. Er weiss: «Man darf sich nicht frustrieren lassen, muss immer dran bleiben und bereit sein, wenn man gebraucht wird.»

Vom Sohn überzeugt
«Das ist Niklas Moment», sagt derweilen sein Vater Tom in Rapperswil stolz. Und der komme weder zu früh, noch zu spät. Er sei jedenfalls felsenfest überzeugt, dass sein Sohn die Chance in Bern packen werde. Denn: «Eine seiner grössten Stärken ist es, sich zu fokussieren, wenn er die Chance bekommt. Das hat er in Zürich gelernt, das hat er dort auch immer wieder gezeigt. Mit Druck kann er umgehen.» Ausserdem habe Niklas grosse Fortschritte gemacht. Wobei er selbst dazu freilich kaum mehr beigetragen habe. Natürlich spreche man sehr oft miteinander, auch über Hockey. Aber: «Niklas ist Profi und hat bei seinem Klub alles, was er braucht. Ich dränge mich nicht auf.» Die konkrete Kritik oder die gut gemeinten Ratschlägen – er kann sie sich getrost für Melvin Nyffeler aufsparen.

Background-Portal

Schlegel & Nyffeler

ZSC-Torhüter Niklas Schlegel bringt den Puck unter Kontrolle. Foto: Christoph Perren

Melvin Nyffeler geht im Tor der Lakers die Arbeit selten aus. Foto: Thomas Oswald

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