Auch ohne Medaille eine gute WM

6.1.2019 - Von Pascal Zingg

Die Schweizer U20-Nationalmannschaft hat es an der WM in Vancouver und Victoria verpasst erstmals seit 21 Jahren wieder eine Medaille zu holen. Trotz des undankbaren vierten Platzes darf man mit den Leistungen an dieser WM mehr als zufrieden sein.

Betrachtet man die sieben Spiele, die die Eisgenossen an den World Juniors bestritten haben. So findet man je einen Ausreiser nach oben, sowie einen nach unten. Jener nach oben ist klar das Viertelfinale. Die Schweizer zeigten im bis dahin wichtigsten Spiel des Turniers ihre beste Leistung und schlugen Schweden somit verdient mit 2:0. Zwei Tage später folgte der Ausreisser nach unten. Die Schweizer waren gegen Finnland zu Beginn überhaupt nicht bereit, weshalb das Spiel bereits früh entschieden war. Dass man auch gegen den späteren Weltmeister hätte mithalten können zeigte man zu Beginn des zweiten Drittels, als man mit den Finnen mithalten konnte.

Betrachtet man diese zwei Spiele, so wird man feststellen, dass die wahre Stärke der Schweizer irgendwo in der Mitte zwischen dem Schweden- und dem Finnenspiel liegt. Eine Mitte, die die junge Truppe von Christian Wohlwend in den restlichen fünf Spielen relativ konstant getroffen hat. Das Team um Christian Wohlwend hat es einmal mehr geschafft ihre Spieler ideal auf ein solches Turnier einzustellen. Der U20-Coach betonte dabei immer wieder, dass seine Spieler «gross» denken müssen. Eine Philosophie, die Patrick Fischer bereits in der A-Nati etabliert hat und nun auch bei den Junioren angekommen ist.

Anders als gewissen Vorgängern gelingt es Wohlwend ausserordentlich gut. Sein Team zu einer Einheit zu formen. Um sich ans kleinere Eisfeld zu gewöhnen, waren die Spieler zu Turnierbeginn bereits zwei Wochen zusammen. Bereits im Startspiel gegen Tschechien war man daher eine verschworene Einheit, die im Verlaufe des Turniers immer mehr zusammenwuchs. Ausgehend vom einem guten Kollektiv konnte Wohlwend in diesem Jahr aber auch auf ungewöhnliche Breite zählen. So konnte die Verantwortung auf mehrer Schultern verteilt werden. Wie gut der Teamgeist war zeigte sich bei Gianluca Burger und Luca Wyss, die sich nach ihrer Nachnomination sofort ins Kollektiv einfügen konnten.

Zu den herausragenden Spielern gehört sicher Torhüter Luca Hollenstein. Der Schlussmann der EVZ Academy spielte sich definitiv aus dem Schatten von Akira Schmid und zeigte vor allem gegen Dänemark und Schweden eine brillante Leistung. In der Verteidigung waren es vor allem Tim Berni und Simon Le Coultre, die viel Eiszeit bekamen. Die Wichtigkeit von Berni zeigte sich leider auch im Spiel gegen die Finnen, als der Verteidiger einen rabenschwarzen Abend einzog, weshalb die Defensive ungewöhnlich wackelte. Es ist Le Coultre zu Gute zu halten, dass er gerade in diesem Spiel eine gute Leistung zeigte. Hinter den beiden Topverteidigern konnten auch David Aebischer, Janis Moser und Gianluca Burger Werbung in eigener Sache machen.

Ausgehend von einer guten Defensive konnten aber auch die Stürmer gute Leistungen zeigen. Die Toplinie um Nando Eggenberger, Philipp Kurashev und Nicolas Müller wurde ihrer Leaderrolle gerecht. Kurashev zeigte vor allem gegen die Kanadier und die Dänen ausgezeichnete Spiele. Die Hoffnungen, dass er zum Teamleader werden könnte, erfüllten sich vollends. Der Center wurde zurecht ins Allstar-Team gewählt. Mit Dauer des Turniers konnten sich aber auch andere Stürmer ins Rampenlicht spielen. Yannick Brüschweiler gehört dabei zu den Entdeckungen des Turniers. Der wirblige Stürmer tauchte immer wieder gefährlich vor dem gegnerischen Tor auf und war mit drei Toren der zweitbeste Torschütze der Eisgenossen.

Wer dieser Tage in Vancouver und Victoria war, hat definitiv eine sehr gute U20-Nati gesehen. Bleibt die Frage, was man von den Schweizer Junioren in Zukunft erwarten kann. Bekanntlich konnte diese U20 erst zum vierten Mal ein Halbfinale an einer Junioren-WM erreichen. Das Resultat muss daher ganz klar als Ausreisser nach oben gewertet werden. Dies insbesondere, weil die nachfolgenden Jahrgänge als schwächer gelten. Positiv zu werten ist die Tatsache, dass mit Luca Hollenstein, Akira Schmid, David Aebischer, Davyd Barandun, Tim Berni, Nico Gross, Janis Moser, Jeremi Gerber, Valentin Nussbaumer, Sandro Schmid und Matthew Verboon elf 2000er im diesjährigen Kader waren. Der Grossteil von ihnen wird im nächsten Jahr noch etwas stärker zurückkehren. Insofern sollte die Viertelfinalqualifikation auch in Tschechien im Bereich des Möglichen liegen.