David Aebischer und die Parallelen zu 1998

4.1.2019 - Von Pascal Zingg

Es ist geschafft, die Schweizer U20-Nationalmannschaft hat mit dem heroischen Sieg gegen Schweden das Halbfinale an der diesjährigen U20-WM erreicht. Es ist erst das vierte Mal nach 1998, 2002 und 2010, dass man in dieser Altersstufe unter den letzten Vier steht. Nur zum Ende des letzten Jahrtausends gab es dabei eine Medaille. Schaut man sich die Namen jener Bronze-Helden an, so trifft man beispielsweise auf Goalielegende David Aebischer. Ein Name, der interessanterweise auch 2019 im Team der Schweizer auftaucht.

Wir können es vorne wegnehmen: Verteidiger David Aebischer ist nicht mit dem ehemaligen Stanley-Cup-Sieger David Aebischer verwandt. «Meine Eltern interessierten sich überhaupt nicht fürs Eishockey, sie wussten nicht, dass es einen berühmten David Aebischer gibt», erklärt der junge Freiburger. Dabei sei es vor allem in jungen Jahren sehr speziell gewesen immer wieder auf den grossen David angesprochen zu werden. Da beide aus der Nähe von Fribourg kommen, kennt man sich auch. So spielte der jüngere bei den Junioren, als der ältere beim HCFG Goalietrainer war.

Damit hat es sich dann aber mit den Berührungspunkten. «David Aebischer (der Torhüter) ist eine Legende, ich versuche mich auf meine eigene Karriere zu fokussieren», meint die junge Ausgabe der Aebischers. Eine Karriere, die mit dem Sieg gegen Schweden einen ersten Höhepunkt erreicht hat. Selbiges würde der Torhüter David Aebischer wohl auch über seine Karriere sagen. Der damals 19-jährige konnte beim Turnier 1998 in Helsinki dem Team mit wichtigen Paraden zu Edelmetall verhelfen. 21 Jahre später versucht der junge David Aebischer das Team mit einer soliden Leistung in der Defensive zu unterstützen. Interessant ist dabei, dass beide Teams den Viertelfinal gegen Schweden gewannen. Für beide ging es anschliessend in den Halbfinal gegen Finnland. Diesen verlor das Team 1998 mit 1:2. «Hier enden die Parallelen», hofft Verteidiger David Aebischer. Der junge Fribourger will heute unbedingt den ersten Halbfinal-Sieg einer U20-Nationalmannschaft erleben.

Damit der Sieg im Halbfinale gegen Finnland tatsächlich realisiert werden kann, braucht es eine noch bessere Leistung als gegen Schweden. «Das Viertelfinale war gut. Ich glaube jedoch, dass wir die kleinen Details noch immer verbessern können», erklärt Aebischer. Man merkt, dass die Mannschaft nun keinesfalls relaxt, nur weil sie ein wichtiges Spiel gewonnen hat. «Es ist ein sensationelles Gefühl hier zu stehen. Unsere Einstellung wechselt sich durch den Sieg allerdings nicht. Wir wollen weiterhin alles geben und in den Final kommen», stellt er klar.

Während die Einstellung der Spieler sich kaum verändert hat, stellt man rund ums Team fest, dass der Medienrummel eindeutig grösser wurde. «Wir sind hier in Kanada. Da ist alles etwas grösser. Ich bin mir dies aber schon von meinem Club den Gatineau Olympiques gewohnt», meint Aebischer gelassen. Während das Turnier in Kanada sowieso gross ist, scheint man spätestens seit dem Viertelfinale auch in der Schweiz realisiert zu haben, wie gut diese U20-WM ist, die sonst in den Schweizer Medien etwas stiefmütterlich behandelt wird. «Es ist schön, dass man unsere Erfolge auch in der Schweiz wahrnimmt. Wir haben dieses Jahr eine gute Mannschaft, die der ganzen Hockeywelt zeigen konnte, wie gut sie ist», meint Aebischer.

Als Schlüssel des Erfolgs sieht der junge Verteidiger unter anderem die Tatsache, dass man ein breites Kader hat. Wobei die Spieler Erfahrungen in verschiedenen Ligen sammeln konnten. «Ich selber spiele seit dieser Saison in Gatineau in der QMJHL. Ich denke das ist ein wichtiger Grund, wieso ich für dieses Turnier überhaupt aufgeboten wurde», erklärt Aebischer. Der Verteidiger ist dabei überzeugt, dass er in einer halben Saison in Gatineau sehr viel gelernt hat. «Die Intensität ist wohl der grösste Unterschied zum Spiel in Europa. Durch das kleinere Eisfeld ist das Spiel viel schneller. Weshalb du auch viel schneller denken musst», weiss Aebischer. Der Verteidiger sieht es als grossen Vorteil, dass er zusammen mit diversen Mitspielern bereits Erfahrungen auf dem kleinen Eis sammeln konnte.

Trotz dieser Erfahrungen, sei es jedoch noch einmal etwas anderes an einer U20-WM zu spielen. «Hier spielen die besten Junioren der Welt. Die Intensität ist deshalb nochmals um einiges höher», weiss Aebischer. Umso höher ist es dann auch einzustufen, dass sich ein Schweizer Team unter den letzten Vier an einer Junioren-WM spielen kann. Eine Medaille wäre derweil eine der grössten Sensationen im Schweizer Eishockey überhaupt.