Müller: «Schweden ist der Wunschgegner»

2.1.2019 - Von Pascal Zingg

Beim heutigen Viertelfinale gegen die Schweden können die Schweizer gleich auf zwei Spieler zählen, die das schwedische Hockey in- und auswendig kennen. So spielen sowohl Nicolas Müller als auch Sandro Schmid in der schwedischen Juniorenliga. Gerade Müller dürfte diese Erfahrung zu Gute kommen. Spielte er doch in der Vorrunde eine wichtige Rolle im Kollektiv der Schweizer.

«Die Vorrunde hat mir viel Spass gemacht. Wir haben gute Spiele gegen die grossen Nationen gezeigt. Dies hat mir viele neue Erfahrungen eingebracht», bilanziert Nicolas Müller nach der Vorrunde. Obwohl man nur vier Punkte geholt habe, können man einiges aus dieser Vorrunde mitnehmen, meint der Stürmer. «Unsere Special Teams waren sehr gut. Ebenfalls haben wir uns in der eigenen Zone sehr gut gewehrt. Auch mit dem Forechecking können wir zufrieden sein», analysiert Müller. Trotz viel Positivem sieht Müller aber auch noch Schwächen, die man ausmerzen kann. «Wir dürfen dem Gegner nicht mehr so viele Konter zugestehen, wie noch gegen Dänemark oder Russland. Dies schaffen wir, wenn wir die individuellen Fehler abstellen und nicht mehr so viele Turnover zulassen», erklärt der Stürmer.

An den Aussagen des Baselbieters merkt man schnell, dass es nicht sein erstes grosses Turnier ist. «Man kann aus jedem Turnier etwas mitnehmen», meint Müller abgeklärt. Er betont dabei, dass man merkt, dass es für viele Spieler nicht die ersten Junioren WM ist. «Vor allem neben dem Eis ist es hilfreich, wenn man sich schon ein bisschen kennt», erklärt er. Dabei streicht Müller heraus, dass der Teamgeist in diesem Jahr sehr gut sei. «Die letzten Spiele haben uns extrem zusammengeschweisst, so dass wir nun eine richtige Einheit sind», weiss Müller. Wesentlich zur guten Laune des Teams dürfte neben den Leistungen auf dem Eis dürfte auch die Atmosphäre in der Stadt beigetragen haben. «Vancouver ist eine wunderschöne Stadt, in der Eishockey gelebt wird. Manchmal hat man das Gefühl jeder hier, weiss genau Bescheid, was an der WM passiert. So werden wir auf der Strasse immer wieder auf unsere Leistungen angesprochen», gibt sich Müller beeindruckt.

Horcht man den Worten des Stürmers ist es fast schon schade, dass die Schweizer ihr Viertelfinale in Victoria spielen. Da die Eisgenossen bereits ein Vorbereitungsspiel im Save-on-Foods Memorial Centre gespielt haben, ist aber auch dieses Stadion nicht neu für das Team von Christian Wohlwend. «Es ist bestimmt kein Nachteil, dass wir auch dieses Stadion schon mal gesehen haben», meint Müller. Viel spezieller als die neue Halle ist für den Baselbieter jedoch der Gegner. «Die Schweden waren mein Wunschgegner. Ich glaube, dass sie nicht ganz so stark sind, wie die Amerikaner oder die Finnen», erklärt er.

Ein anderer Grund für das Wunschlos, dürfte Müllers Anstellung in Schweden sein. So spielt er bereits seine vierte Saison bei den Junioren von MODO Örnsköldsvik. 2015 wechselte Müller, der beim EHC Basel durch den Nachwuchs ging, als 16-Jähriger nach Schweden. Bei MODOs U20-Team ist er nun sogar Captain.

Der Stürmer hat damit einen Weg eingeschlagen, der für einen Schweizer nicht unbedingt üblich ist. «Ich wollte schon immer ins Ausland. Deshalb war für mich schon früh klar, dass ich nach Kanada oder Schweden gehe», erklärt Müller. Für Schweden habe er sich entschieden, weil die hockeytechnische Ausbildung in Schweden viel besser ist als in Kanada. «Hier kriegst du viel mehr Zeit um die taktischen Dinge zu lernen. Ausserdem haben wir im Gymnasium ein Schulfach, dass sich um die Taktik auf dem Eis kümmert», ist Müller begeistert.

Genauso begeistert wie von der Ausbildung ist Müller dann auch von Örnsköldsvik selber. «Die Stadt liegt ziemlich nördlich. Obwohl sie eher klein ist, fokussieren sich alle aufs Eishockey. So kann man schon an der Stimmung der Leute merken, ob die erste Mannschaft von MODO am Vortag gewonnen hat oder nicht», erklärt der Stürmer.

Es ist davon auszugehen, dass die Stimmung in Örnsköldsvik nicht besser sein würde, wenn die Schweizer heute gegen die Schweden gewinnen. Eine Situation, die bestimmt auch Nicolas Müller gerne miterleben würde. Schliesslich weiss auch er, dass heute viele seiner schwedischen Freunde das Viertelfinale schauen werden. Eine Tatsache, die ihn äusserst stark motiviert den Schweden heute eine empfindliche Niederlage beizufügen.