Ist die U20 reif für die Sensation?

1.1.2019 - Von Pascal Zingg

Die Schweizer U20-Nationalmannschaft hat die Vorrunde in Vancouver auf dem vierten Platz abgeschlossen. Da diese Platzierung vor dem Turnier allgemein erwartet wurde, scheint sie auf den ersten Blick nichts Besonderes. Wer die Spiele jedoch gesehen hat, weiss, dass die Schweizer mit ihrem Spiel durchaus zu begeistern wussten.

«Ich kann mich nicht erinnern, wann wir letztmals in allen vier Vorrundenspielen eine solch gute Leistung gezeigt haben», zeigte sich Christian Wohlwend nach dem Spiel gegen Russland zufrieden. Der Trainer hatte sichtlich Freude, wie sein Team in der Vorrunde aufgetreten ist. «Wichtig war vor allem, dass wir das Spiel gegen die Dänen gewonnen haben», streicht Wohlwend heraus. «Gegen die restlichen Gegner ging es darum gut zu spielen und sich ein gutes Gefühl fürs Viertelfinale zu holen», meint der Coach weiter.

Wer die Spiele der Schweizer gesehen hat, wird diese Einschätzung des Trainers teilen. Es war sehr erfrischend, wie sich die Schweizer in dieser Vorrunde präsentiert haben. Anders als noch in Buffalo, hatten die Schweizer in allen Vorrundenspielen Möglichkeiten die Spiele zu gewinnen. Auffällig war dabei auch die offensive Power, die die jungen Eisgenossen aufs legten. Neben der starken Toplinie um Philipp Kurashev gelang es zuletzt auch anderen Linien Tore zu schiessen. «Nun haben wir drei Linien, die für ein Tor gut sind», erklärt Wohlwend. Der Trainer bemerkt aber auch, dass er von der torlosen vierten Linie mehr erwartet.

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern war an diesem Turnier die Verteidigung. Insbesondere Tim Berni und Simon Le Coultre machten einen guten Job. Während Berni im eigenen Drittel fast gar nichts zuliess, konnte Le Coultre auch in der Offensive den einen oder Akzent setzen. Es ist kaum auszurechnen, wie stark die Verteidigung wäre, wenn sie im Viertelfinale auch noch auf den bisher angeschlagenen Tobias Geisser zählen könnte. Ebenfalls wichtig wäre es, wenn sich Nico Gross in diesem entscheidenden Spiel steigern könnte. Das Verteidiger-Talent aus dem Engadin konnte unsere Erwartungen bisher nicht erfüllen.

Erwartet stark zeigten sich die Schweizer bei den Torhütern. «Wenn wir einen Grossen schlagen wollen, brauchen wir einen Torhüter, der aussergewöhnliches leistet», weiss Christian Wohlwend. Eine solch aussergewöhnliche Leistung sahen wir an diesem Turnier vor allem von Luca Hollenstein. Der Goalie der EVZ Academy strahlte extrem viel Ruhe aus und war in seiner Leistung stets solide. Neben Hollenstein zeigte auch Akira Schmid eine gute Leistung. Da er gerade im Spiel gegen Russland nicht seinen besten Abend hatte, würde es jedoch überraschen, wenn die Schweizer das Viertelfinale nicht mit Hollenstein bestreiten würden.

Trotz all den positiven Aspekten bleibt nach der Vorrunde aber auch der Nachgeschmack, dass man «nur» vier Punkte geholt hat. Obwohl man in jedem der drei Spiele gegen die Topnationen dran war, konnte man schlussendlich keines gewinnen. Ein Fakt, der zeigt, dass die Schweizer ein perfektes Viertelfinale spielen müssen, wenn sie die grosse Sensation schaffen möchten. Dies bedeutet insbesondere, dass man die unnötigen Scheibenverluste abstellen muss. Diese hatten wir vor allem in den letzten beiden Spielen zu oft gesehen. Ebenfalls braucht es eine konzentrierte Leistung über 60 Minuten. Aussetzer, wie zu Beginn des Kanada-Spiels sind zu vermeiden.

Sollte den Schweizern das perfekte Spiel gelingen, liegt die Sensation gegen den Vize-Weltmeister aus Schweden durchaus im Bereich des möglich. Dies haben nicht zuletzt die knappen Spiele in der Vorrunde gezeigt. Die Schweden waren zuletzt wegen einer Grippewelle im Team ersatzgeschwächt, spielten gegen Kasachstan mit nur drei Linien. «Nun wird es Zeit, dass wir diese Schweden endlich einmal schlagen», zeigt sich Wohlwend kämpferisch. Für den Nationalcoach wäre der Sieg eine Art Revanche, war er doch Mitglied des Coachingstaffs, der an der letzten grossen WM den Final gegen Schweden verlor.