Schweiz will als Team ins Viertelfinale

25.12.2018 - Von Pascal Zingg

Mit dem Startspiel gegen Tschechien beginnt für die Schweizer U20-Nationalmannschaft am 26. Dezember das Abenteuer Vancouver. Wie fast immer in den letzten Jahren ist das Erreichen der Finalrunde das primäre Ziel. Da auch in diesem Jahr der absolute Star fehlt, muss dieses Ziel einmal mehr mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung erreicht werden.

Eines scheint bereits vor dem Startspiel relativ klar: Wollen die Schweizer in die Finalrunde kommen, müssen sie den ewigen Gegner aus Dänemark schlagen. Da die Dänen in diesem Jahr nicht mehr so stark besetzt sind wie in den vergangenen Jahren, wird den Schweizern allgemein zugetraut, dass sie diese Aufgabe meistern. Doch Vorsicht, solche Endspiele ums Viertelfinale sind immer eine schwierige Angelegenheit. Dies zeigte sich nicht zuletzt auch im letzten Jahr, als sich die Schweiz im Kampf mit den Weissrussen äusserst schwertaten.

Ungewohnte Breite bei den Goalies

Lassen wir uns jedoch nicht vom Gegner blenden, sondern schauen wir etwas genauer auf das Team, das in Vancouver in die Viertelfinals einziehen will. Auf der Torhüterposition sind dies Luca Hollenstein und Gianluca Zaetta. Sie beide teilen sich die Torhüterposition bei der EVZ Academy mit EVZ-Ersatzmann Sandro Aeschlimann. Ebenfalls mit im Team ist Akira Schmid. Der Langnauer wurde in der Vergangenheit als das Torhütertalent des Jahrzehnts gehandelt. Gerade in der aktuellen Saison hatte Schmid jedoch Mühe auf Touren zu kommen. Nachdem er in Lehtbridge trotz Vertrag keine Chance bekam, führte sein Weg über Corpus Christi zu den Omaha Lancers. In der USHL bekam der Langnauer zuletzt immerhin die nötige Eiszeit. Die unumstrittene Nummer eins dürfte Schmid jedoch trotzdem nicht sein. Torhüter Coach Peter Mettler betonte bereits im Sommer, dass man in diesem Jahr auf Schmid und Hollenstein setzen will. Dass Luca Hollenstein eine gute Alternative zu Akira Schmid ist, bewies er derweil an der letzten U18-WM, wie auch in den Vorbereitungsspielen im Sommer. Es ist stark davon auszugehen, dass Christian Wohlwend in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Tschechien und Kanada beide Torhüter testet und den Formstärkeren im wichtigen Spiel gegen Dänemark einsetzen wird.

Genügend Erfahrung in der Verteidigung

In der Verteidigung hat Trainer Wohlwend mit Tobias Geisser, Nico Gross, Simon Le Coultre, Tim Berni und David Barandun fünf Rückkehrer aus dem letzten Jahr. Es ist zu erwarten, dass diese fünf Spieler das Kollektiv in der Defensive stützen werden. Viel erwarten darf man dabei von Tobias Geisser, der diese Saison bei den Herschey Baers in der AHL spielt und sich daher schnelles Hockey gewohnt sein sollte. Nach einer durchzogenen WM im letzten Jahr will bestimmt auch Nico Gross zeigen was er kann. Tim Berni zeigte bereits in den letzten Playoffs, dass er in wichtigen Situationen überzeugen kann. Ein Fragezeichen besteht bei Simon Le Coultre. Der Verteidiger aus dem Vallée de Joux hatte zuletzt mit Verletzungen zu kämpfen. Er wurden deshalb in zwei Vorbereitungsspielen geschont. Es ist davon auszugehen, dass Christian Wohlwend auf Nummer sicher gehen will, weshalb er mit neun Verteidigern ans Turnier reist. Neben den fünf Rückkehrern kann Trainer Wohlwend derweil auf vier weitere Spieler zählen, die alle regelmässig in der National / Swiss League oder der QMJHL eingesetzt werden. Eine Tatsache, die die Verteidigung als Kollektiv äusserst stark macht.

Wird Kurashev zum Star?

Wenig überraschend sind es auch im Sturm Rückkehrer der letzten WM, die die Kohlen aus dem Feuer holen müssen. Allen voran ist hier Philipp Kurashev zu nennen. Der Schweizer mit russischen Wurzeln hat in dieser Saison das Toreschiessen entdeckt. Mit 43 Punkten aus 33 Spielen steht er in der Scorerliste der QMJHL auf Platz 14. Der Sohn von Konstantin Kurashev hat damit das Rüstzeug um dieses Team in der Offensive anzuführen. Ebenfalls gespannt sein darf man auf Nando Eggenberger. Der Churer blickt auf eine durchzogene letzte Saison zurück. Um seiner Karriere einen neuen Impuls zu geben wechselte er deshalb in dieser Saison nach Oshawa in die OHL. Beim Team aus Ontario gelangen ihm 26 Punkte in 31 Spielen. Eggenberger dürfte deshalb neben Kurashev der gefährlichste Stürmer sein. Im Fokus der Scouts wird sich derweil vor allem Valentin Nussbaumer befinden. Der Jurassier gilt als grosses Talent, konnte dies in der QMJHL bisher jedoch noch nicht restlos unter Beweis stellen. Will er früh gedraftet werden, muss er unbedingt eine gute WM zeigen. Um als Team erfolgreich zu sein, müssen sich hinter diesen Spieler aber auch andere Spieler in den Vordergrund spielen. Dazu gehören einerseits Rückkehrer wie Justin Sigrist und Nicolas Müller aber auch Neulinge wie Yannick Brüschweiler oder Jeremi Gerber.

Betrachtet man das Team als Ganzes, so stellt man unweigerlich fest, dass man insgesamt besser besetzt ist als noch im letzten Jahr. Da die meisten Leistungsträger bereits im letzten Jahr dabei waren, scheint das Team auch über die nötige Erfahrung zu verfügen. Alles andere als eine Qualifikation fürs Viertelfinale müsste man daher als Enttäuschung werten.