Schweizer Jungs wissen zu gefallen

11.11.2018 - Von Martin Merk

Für den Turniersieg hat es zwar nicht gereicht, doch die mit einem Altersschnitt von 24 Jahren junge Schweizer Mannschaft beim Deutschland Cup wusste zu gefallen und erzielte beim Turnier mit dem zweiten Schlussrang die beste Klassierung seit vier Jahren.

«Mir gefällt, dass wir probieren schnell zu spielen, dass die Verteidiger gut herauskommen. Offensiv gingen die Spieler furchtlos in die Zweikämpfe, allen voran der Block um Rod und Bertschy war federführend und nahm das Zepter in die Hand», strich der Nationaltrainer Patrick Fischer hervor, was ihm besonders gefiel. Für ihn war es in seinen in seinem dritten Deutschland Cup als Cheftrainer die beste Mannschaft.

Die Schweizer mit wenigen Spielern mit WM-Erfahrung, dafür aber fünf Neulingen traten in Krefeld immerhin gegen die zurzeit bestmögliche deutsche Nationalmannschaft an, welche dem zu den Los Angeles Kings wechselnden Trainer Marco Sturm einen glorreichen Abschied geben wollten. Die Slowaken traten ein halbes Jahr vor der Heim-WM mit einem routinierten Team mit vier KHL-Spielern an. Dass es gegen beide Teams zum Sieg reichte, sollte daher nicht unterschätzt werden und war in der Vergangenheit keine Selbstverständlichkeit. Dass es gegen die Russen nicht reichte, lag auch an den fünf Abwesenden im letzten Spiel aus Rücksicht zu ihren Clubs. Die Russen, die mit einem noch um ein Jahr jüngeres Sichtungsteam antraten und ihre A-Auswahl beim Karjala-Turnier in Helsinki hatten, hatten am Schluss mehr Schnauf.

Der Erfolg beim Deutschland Cup wird aber nicht ausschliesslich in Punkten gemessen. Letztlich geht es darum die Mannschaft für die WM 2019 in der Slowakei zu formen und auch die Heim-WM in Zürich und Lausanne ein Jahr später im Hinterkopf zu haben. Einige Spieler hier haben eine gute Visitenkarte abgelegt.

«Es hat einige Spieler, die auf dem Niveau noch nie gespielt haben und gute Leistungen zeigten. Es sind alles gute Hockeyspieler. Taktisch sind wir gut. Die Spieler haben alles sehr schnell adaptiert», sagt Fischer. «Es gibt einige Gewinner und einige Verlierer. Mit Willen und harte Arbeit konnten wir gegen gute Gegner bestehen.»

Der Freiburger Christoph Bertschy, der in nach drei Jahren in der NHL und AHL zurückgekehrt ist und für Lausanne stürmt, hat als Topscorer des Turniers (1 Tor, 4 Assists) eine gute Visitenkarte abgelegt ebenso wie sein Sturmpartner Noah Rod. Bertschy schien gut mit dem Stürmer vom Erzrivalen Genf-Servette zu harmonieren, der mit drei Toren ebenfalls einen Glanzwert setzte und schon beim WM-Silberteam im Kader war.

Wer ernsthaft für die WM in Frage kommt und wer nicht, verriet der Nationaltrainer natürlich nicht. Aber: «Wir haben schon im Hintergrund wer welche Rolle bei einer WM einnehmen könnte, etwa Bertschy mit Rod. Das ist auch die Idee dieser Zusammenzüge um zu sehen wer welche Rollen einnehmen könnte.»

Der EVZ-Stürmer Lino Martschini versuchte zu zeigen, dass er trotz seiner kleinen Grösse international ebenfalls etwas leisten kann. Er wurde von Fischer für dessen ersten WM 2016 aufgeboten, seither aber bei den grossen Turnieren übergangen. «Martschini kann Spiele entscheiden, er ist viel mehr im Slot bei den Rebounds», lobte Fischer die Leistungssteigerung im physischen Bereich. Auch von Dario Simion, der ihn aufgrund seiner Zweiweg-Qualitäten an Patric Della Rossa erinnerte, zeigte sich Fischer angetan. «Dario hatte ein sehr gutes Turnier, hatte Selbstvertrauen, war im Powerplay sehr präsent», so Fischer.

Gleich fünf Spieler hatten ihr Länderspieldebüt. Im Sturm war dies etwa Jérôme Bachofner, der überraschende PostFinance Topscorer bei den ZSC Lions. «Er hat eine sehr gute Intensität, ist schnell im Forecheck, bissig im Zeitkampf, macht gute Entscheidungen mit der Scheibe. In Zürich setzt er sich gegen ein starkes Line-up durch, das spricht für ihn», so Fischer. Marco Miranda konnte sich dagegen etwas weniger zeigen, bestritt zwar alle drei Spiele, startete jedoch als 13. Stürmer und bekam auch später wenig Eiszeit.

Samuel Kreis erhielt in der Abwehr die meiste Eiszeit – 21:22 pro Spiel – und harmonierte gut mit dem Neuling Andrea Glauser. «Sie spielten hinten sehr stark, machten gute Entscheidungen auch unter Druck», sagt Fischer über das Back-Paar und lobt auch deren Angriffsauslösung.

Glauser wie auch Roger Karrer, der im letzten Spiel traf, waren die beiden Neulinge in der Abwehr. «Glauser spielte hinten stark mit Ruhe am Stock und ist physisch stark. Karrer, mir gefällt die Art und Weise wie er spielt, er versucht Lösungen zu finden in der defensiven Zone», sagt Fischer.

Auf der Torhüterposition ging es darum zukünftige Alternativen für die etablierten Torhüter wie die zuletzt eingesetzten Leonardo Genoni und Reto Berra zu finden. Gauthier Descloux beendete sein Debüt mit der besten Fangquote des Schweizer Trios, 92 Prozent, hatte aber auch am wenigsten zu tun. Dahinter folgten Lukas Flüeler (90,62 Prozent) und Gilles Senn (89,74 Prozent), der sein Team hinter einer müden Abwehr lange im Spiel halten konnte bevor sich die Russen am Schluss doch noch durchsetzten.

Trotz dem Einbruch zum Schluss des letzten Spiels bereitete diese Nationalmannschaft mit mehrheitlich international weniger erfahrenen Spielern Freude beim Zuschauen, schöne Tore und Emotionen. Wenn die Schweiz am 13. und 14. Dezember in Luzern zum Heimturnier Lucerne Cup antritt, wird sie mit einem etwas erfahreneren Team antreten zuerst im «Halbfinale» gegen Österreich und am Tag darauf gegen den Sieger der anderen Partie zwischen der Slowakei und Russlands B-Auswahl.

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Zweiter in Krefeld

Die Schweizer Nationalmannschaft wurde hinter den Russen Zweiter in Krefeld. Foto: Vedi Galijas
 

Patrick Fischer gibt Anweisungen während eines Trainings in Krefeld. Foto: Vedi Galijas
 

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