Mark Streit: Botschafter und Verwaltungsrat

27.9.2018 - Von Martin Merk

Ein Jahr ist es schon her seit Mark Streit den Stanley Cup gewann, ihn nach Bern brachte und einige Wochen später seine Karriere beendete. Neben mehr Zeit mit der Familie ist der 40-Jährige mittlerweile neben dem Eis ins Schweizer Eishockey zurückgekehrt. Wir sprachen mit ihm.

Auch nach einem Jahr bleibt Mark Streit der Schweizer, der am meisten NHL-Spiele (786) bestritten und am meisten Punkte (434) gesammelt hat. Diese Bestmarken dürften ihm zumindest in den nächsten paar Jahren noch erhalten bleiben. Und wer als Schweizer so viel in der NHL geleistet hat, geht nicht so schnell in die Vergessenheit. Auch nicht bei der National Hockey League, die ihn als Alumni für die «Global Fan Tour» der NHL aufgeboten hat.

Diese Roadshow stoppt am Samstag, 29. September erstmals in der Schweiz. Sie ist frei zugänglich und findet von 10 bis 17 Uhr auf dem Vorplatz des Einkaufszentrums Westside statt. Neben Streit sowie ausgewählte Spielern der New Jersey Devils – ob sich Nico Hischier und Mirco Müller darunter befinden, ist noch nicht bekannt – beinhaltet die Tour ein Museum mit alten Ausrüstungen der Hockey Hall of Fame in Toronto, Gewinnspiele, eine Umkleidekabine um Ausrüstung aus der NHL auszuprobieren, Fotoaktionen und mehr.

Wir sprachen vor seinem Auftritt am Samstag und dem Freundschaftsspiel zwischen dem SC Bern und den New Jersey Devils am Montag mit dem Berner Ex-Nationalmanschaftscaptain über seine Zeit nach der Spielerkarriere.

Erst einmal herzliche Gratulation zur Wahl in den Verwaltungsrat der Swiss Ice Hockey Federation. Wie ist dieses Engagement zustande gekommen?

Ich kam zurück in die Schweiz und wurde irgendwann angefragt, ob das ein Thema sein könnte. Ich setzte mich damit auseinander und fand es eine sehr interessante Möglichkeit, das Eishockey von einer anderen Seite kennen zu lernen, Einblick ins Funktionärswesen zu erhalten. Als ehemaliger Spieler ist es sehr interessant. Ich ging an einige VR-Sitzungen, lernte die Leute kennen und freue mich auf diese Rolle.

Wie verlief der Start als Verwaltungsratsmitglied?

Es war sehr speziell. Ich war vorher nie an einer VR-Sitzung. Es ist sehr interessant. Man sieht wie komplex und politisch das Ganze ist. Die Sportpolitik ist interessant. Es ging mehr darum, drin zu sitzen, zuzuhören und dort etwas beizusteuern, wo ich etwas besteuern kann. Es ist ein neues Amt für mich und ich bin sehr willig. Es gibt schon Themen, wo ich mich einbringen und ein Mehrwert für den Verwaltungsrat sein kann.

Haben sie schon spezielle Aufgaben erhalten?

Ich bin für die internationalen Beziehungen zuständig. Ich kenne viele Leute in der Hockeywelt. Es ist eine spannende Aufgabe. Ich bin auch im OK für die WM 2020. Das ist ein spannendes Projekt für den Schweizer Verband und für die Schweizer Nationalmannschaft eine super Plattform. Wir können uns als Sportnation und Eishockeynation in Szene setzen.

Was haben sie seit deinem Karrierenende gemacht? Haben sie sich sonst irgendwo betätigt?

Für mich ist die Familie im Zentrum. Das zweite Kind ist unterwegs. Für mich war es wichtig, grad am Anfang mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und meinen Hobbys nachzugehen. Ich hab mein Engagement beim Schweizer Fernsehen, das ich weiterziehen werde, dann Verwaltungsrat, WM-OK. Ich habe auch ein Projekt in der Uhrenindustrie, wo ich aktiv mitmache. Da ist auch viel Leidenschaft dabei. Das ist interessant, ausserhalb des Sports etwas zu machen, wo ich in eine andere Welt reinschauen kann.

Können sie mehr zu diesem Projekt verraten?

Es ist die Lancierung einer neuen Uhrenmarke. Wir haben eine neue Marke gegründet. Norqain. Jetzt wird eines nach dem anderen konkretisiert, danach kommen die Uhren dann auf den Markt. Uhren sind ja ein Kulturgut für uns als Schweizer, daher ist viel Herzblut mit guten Leuten drin.

Wie sehen sie als VR-Mitglied die Zukunft im Schweizer Eishockey? Wo soll man sich verbessern?

Alle Nationen versuchen besser zu werden. Wir sollten uns nach vorne orientieren. Wir sind auf gutem Weg und wollen immer besser und besser werden. Das fängt bei den ganz Kleinen an und geht mit dem Fördern dieser Spieler weiter. Das Ziel sollte sein, so viele Spieler wie möglich in die NHL zu haben. Die Schweiz hat eine attraktive Liga, wir haben gutes Eishockey. Wir sahen es bei der Weltmeisterschaft. Wenn alles zusammenpasst und wir ein paar NHL-Spieler dabei haben, können wir weit kommen, aber es ist ein schmaler Grat. Auf der anderen Seite ist es nicht selbstverständlich, sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. Das darf man auch nicht vergessen. Wir haben eine gute Grundlage und wollen darauf aufbauen. Ich bin sehr motiviert mich hier einzubringen und mein Wissen weiterzugeben, das ich mich in den letzten 30 Jahren angeeignet habe.

Dainius Zubrus, auch ein Ex-NHL-Spieler im gleichen Alter, ist im Sommer sogar Präsident des litauischen Verbands geworden. Können sie sich sowas auch vorstellen in der Zukunft?

Schlussendlich bin ich offen. Wenn man so lange aktiv war, braucht es eine gewisse Zeit, eine neue Leidenschaft zu entwickeln. Ist es eher weiter oder näher zum Eisfeld? Mein Verwaltungsratsmandat ist ein erster Schritt um rauszufinden, wie ich mich da einbringen kann. Hockey ist eine Herzensangelegenheit für mich. Mir ist es wichtig mich im Schweizer Eishockey einzubringen. Wir haben einen sehr guten, neu gewählten Präsidenten, der eine Riesenerfahrung hat und einen guten Job macht. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich gleich vom Eis zum Präsidenten werden kann. Das war nicht mein Anspruch und auch nicht mein Ziel. Ich möchte in diese Rolle hineinwachsen und dazulernen. Ich habe aber nicht ein Ziel, dass ich in fünf oder zehn Jahren Präsident werden möchte. Ich lasse alles auf mich zukommen.

War es kein Thema, Trainer oder Sportchef zu werden?

Wenn man älter wird, macht man sich schon so Gedanken. Aber wenn man ein guter Hockeyspieler war, macht das einem nicht zwingend zu einem guten Sportchef oder Trainer. Für mich ist es eine Lernphase und Neufindungsphase um mir Gedanken zu machen, wo meine Interessen und Stärken liegen. Grundsätzlich bin ich aber sehr offen, ob es nun näher oder weiter vom Eis ist. Momentan ist es etwas weiter vom Eis und wir werden sehen, wohin der Weg führen wird.

Sie sind am Samstag bei der NHL mit ihrer Global Fan Tour dabei, die am Samstag in Bern erstmals in der Schweiz Halt macht. Wie kam es dazu und was machen sie da genau?

Ich wurde von der NHL angefragt und habe mich sehr gefreut, da ich relativ lange dort spielte. Es ist ein sehr grosser Anlass und eine super Plattform für die NHL um in der Schweiz gegen den SC Bern zu spielen. Bern ist eine Hockeystadt und die Leute stehen auf Eishockey. Es gibt den Älteren wie auch Jüngeren eine Chance, in Bern NHL-Luft schnuppern zu können. Ich freue mich riesig als NHL-Alumni auch die NHL zu repräsentieren. Ich bin am Samstagnachmittag im Westside dabei, am Sonntag bei der Coaching Clinic in der PostFinance-Arena und am Montag natürlich beim Spiel, wo ich bei Partnern und Sponsoren präsent sein werde. Ich hoffe, interessante Diskussionen zu führen. Es ist eine Riesenchance nicht nur für die NHL, sondern auch für Bern und die ganze Hockeyschweiz.

Worüber werden sie den Trainern referieren?

Es geht um den Weg vom Schweizer Spieler in die NHL. Das Ganze heisst «on the road to the NHL».

Für sie als langjähriger Berner in der NHL muss es wohl speziell sein, die NHL in der Heimat zu begegnen.

Ich wuchs in Bern auf und damals war die NHL für mich ein anderer Planet. Ich war ein riesiger Fan und es ist cool zu sehen, wie nah einem die NHL heute gebracht wird mit dem Internet, den sozialen Medien und auch solchen Spielen wie am Montag. Es ist eine einzigartige Möglichkeit, die NHL-Welt kennenzulernen im Stadion einerseits, aber auch bei der Fan Tour im Westside, wo Spieler von New Jersey anwesend sein werden. Es sind Möglichkeiten, die ich als Bub geliebt hätte. Es wäre für mich ein Traum gewesen, hier mit einem NHL-Team aufzulaufen. Die Rangers waren auch schon in Bern vor ein paar Jahren, aber damals waren keine Schweizer in der Mannschaften. Nun sind mit Nico Hischier und Mirco Müller zwei Schweizer dabei. Ich finde es cool für die Jungs, aber auch für die Fans und für die Hockeyschweiz. Ich freue mich wahnsinnig aufs Spiel.

Haben sie einen Resultattipp für Montag?

Ich würde sagen... 5:3 für New Jersey.

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Streit

Mark Streit mit dem Stanley Cup ob der Aare. Foto: Alexander Raemy
 

Weitere Fotos von Streits Stanley-Cup-Feier.
 

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