Kehrt der neue alte Besen gut?

17.9.2018 - Von David Leicht

Die letzte Saison möchte man in Genf am liebsten vergessen: Eine bestenfalls lauwarme reguläre Saison mit einigen Aufs und vielen Abs, eine sehr späte Playoff-Qualifikation und das peinlich deutliche Ausscheiden im Viertelfinal gegen den SC Bern waren zu viel für den stolzen und ambitionierten Klub. Als die Enttäuschung und die zum guten Ton gehörende Empörung bei den Grenat-Fans noch sehr präsent waren, kam hingegen eine Meldung heraus, die als äusserst positiv aufgefasst wurde: Anfangs April 2018 kehrte Chris McSorley, nach einem Jahr im Exil als "reiner" Sportchef, als Cheftrainer in sein Amt zurück und beerbte den in Genf wenig beliebten und sportlich mässig erfolgreichen Craig Woodcroft.

Der neue alte Besen ist also zurück an der Bande in der Calvinstadt, und er hat eine klare Mission: Das Vertrauen in den GSHC wiederherzustellen, wie er an der traditionellen Vorsaison-Pressekonferenz Ende August verkündete. Wie jedes Jahr deklarierte der ambitionierte Kanadier auch heuer, dass seine Mannschaft gut genug sei, um den Meistertitel zu holen. Als vorgegebenes Ziel wird dies vom Klub dann freilich doch nicht formuliert, hingegen ist sich McSorley sicher, dass die "stolzeste Mannschaft, die Genf je hatte" mit seiner Passion und Breite locker zu den Top-6 der Liga gehört.

Der Weg zurück zum Erfolg

Was darf man also dieses Jahr von den zuletzt launischen Genfern erwarten? Sicherlich Spektakel. McSorley bestätigte, dass der Weg zurück zum Erfolg über die Offensive führt. Da wolle man den Gegner richtiggehend einschnüren, permanent unter Druck setzen. Er habe hinsichtlich dessen eine Mannschaft zusammengestellt, die alles für die Adler in die Schale werfen wird. Die nordamerikanischen Neuzuzüger Tommy Wingels und Lance Bouma unterstreichen dies: Beide waren in der NHL mindestens so sehr für ihre Checks bekannt wie für ihre Skorerqualitäten. Sie ersetzen die spielstarken Ausländer Da Costa und Spaling.

Dazu gibt es in der Offensive einige Rückkehrer, Eliot Berthon (HCAP) und Timothy Kast (EV Zug), John Fritsche (Gottéron) sowie Tim Bozon (Kloten, ehemaliger GSHC-Junior), die allesamt den Coaching-Stil von McSorley kennen und diesen teils als Mitgrund für ihre Rückkehr sahen. Mit Tim Traber und Adam Hasani verliessen aber auch zwei für ihre physische Spielweise bekannte Spieler das Team, betreffend Spielintelligenz und Skorerqualitäten haben die Genfer hingegen weiterhin einige Trümpfe im Ärmel: Almond, Richard, Romy, Rod, Simek und Wick können an einem guten Abend jeden Gegner in arge Bedrängnis bringen.

Stabilität in der Defensive

Verhältnismässig wenige Rotation gab es über die Sommermonate in der Defensive. Mit den zwei Schweden Tömmernes und Fransson blieben den Genfern wichtige Eckpfeiler erhalten, dazu sind mit Bezina, Antonietti, Jacquemet, Mercier und Vukovic fünf langjährige Verteidiger der Genfer dabei, die wissen, was der Bandengeneral möchte. Die defensive Lebensversicherung der Genfer ist und bleibt Robert Mayer. Gelingt dem Torhüter mit dem aktiven Spielstil eine gute Saison, können die Genfer sehr weit kommen. Verheddert er (oder die Defensive) sich, wird ess für Servette wie in den letzten Saisons schwierig.

Die Fragezeichen

Das Genfer Publikum wird ergo in den Genuss einer Mannschaft kommen, die viele bekannte Gesichter hat. Für den Verlauf der Genfer Saison wird es mitunter entscheidend sein, ob das wichtigste bekannte Gesicht, Chris McSorley, aus den vergangenen Saisons gelernt hat. Schafft er es, der Mannschaft einen offensiven und druckvollen Spielstil einzuimpfen, der nicht (wie in Saisons zuvor) zu vielen Verletzungen, einem zermürbenden Kräfteaufwand oder defensiver Havarie führt? Falls ja, dürfte die Genfer Mannschaft mit Reserven unter den ersten sechs der Liga mitspielen und sich in Ruhe auf die Playoffs vorbereiten. Falls nein, gibt es eine neue Staffel der Genfer Telenovela mit ihrer gefühlsmässigen Achterbahn. Auch wenn dies zumindest am Arveufer zu viel (heiss geliebtem) Gesprächsstoff führen würde, hätte das Genfer Publikum wohl gerne wieder einmal eine Saison, in der es besser als erwartet läuft. Und auch wenn die Genfer nicht gerade zu den Transfersiegern gezählt werden, gibt es durchaus Anzeichen, dass es nach oben gehen könnte.

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McSorley

Chris McSorley ist zurück an der Bande und will für Spektakel und Härte sorgen. Foto: TOPpictures/Michael Walch
 

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