Jahr 2 für Hischier

9.9.2018 - Von Martin Merk

Am Wochenende reiste der Walliser Nico Hischier nach New Jersey ab. Es ist für ihn keine Reise ins Ungewisse mehr. Nach einer guten Rookie-Saison des letztjährigen Nummer-1-Drafts hofft man nun allerseits auf eine Steigerung des talentiertesten Schweizer NHL-Spielers aller Zeiten. Und Hischier freut sich auf Spiele in Europa mit dem Testspiel gegen seinen Ex-Club SC Bern und dem Saisonstart in Göteborg.

Eine Woche vor dem Start des Trainingslagers am 13. September kam Hischier bei den New Jersey Devils an. Früher wollte er nicht unbedingt, denn er geniesst seine Walliser Heimat im Sommer.

«Ich war in Kontakt mit den New Jersey Devils, aber sie vertrauen, dass wir arbeiten. Am meisten waren mein Konditionstrainer in Nordamerika und mein Konditionstrainer hier in Kontakt», sagt er über seine Sommerpause.

Masse zulegen und an der Kondition arbeiten – das waren seine Ziele im Sommertraining. «Ich habe zwei bis drei Kilos zugelegt», so Hischier, der nun 85 bis 86 kg wiegt. «Ich möchte nicht zu schwer sein, dann kann ich nicht mein Spiel spielen, aber es ist sicher nicht schlecht, wenn ich etwas stärker bin. Ich könnte 95 Kilos sein und auch dann würde ich bei einigen Spielern nicht mit Kraft vorbeikommen, da muss ich andere Lösungen finden. Kraft ist nicht das einzige Thema.»

Als Erstes wird er sich um eine neue Wohnung kümmern. Gerne im Umkreis seiner Kollegen, vielleicht wieder im selben Gebäude wie davor. «Wie in der Schweiz gibt es ältere Spieler mit Familie und meistens sind die Jüngeren zusammen», sagt er, etwa mit seinem Landsmann Mirco Müller, Jesper Bratt oder dem jungen Tschechen Pavel Zacha verbrachte er viel Zeit.

Bei Rookies, manchmal selbst, wenn man als Nummer 1 gedraftet wird, stellt sich nach neun Spielen immer die Frage: Bleibt er weiter und wird das Vertragsjahr aktiviert, oder wird er zurückgeschickt? Hischier überzeugte. Am Schluss war er der einzige «Devil», der alle Spiele bestritten hatte. «Klar war Müdigkeit da, aber man wird professionell behandelt, sie geben uns, was wir brauchen», so Hischier.

Doch ganz verletzungsfrei war sein erstes Jahr nicht. Wegen einer Handgelenkverletzung musste er für die Weltmeisterschaft in Dänemark absagen. Ausgerechnet in einem Jahr, in welchem die Schweiz es bis ins WM-Finale schaffte.

«Ich wäre gerne dabei gewesen und habe sie natürlich verfolgt. Es war eine super Leistung der Schweizer Nati. Ein Schuss und wir hätten Gold geholt. Langfristig war es für mich aber besser nicht zu kommen, da ich nicht 100 Prozent fit war. Es wäre nicht schlau gewesen», so Hischier.

Was man nicht wusste: Schon zu Saisonbeginn schleppte er die Verletzung mit sich herum. «Es wurde besser, gegen Ende Saison erhielt ich aber wieder einen Schlag und die Schmerzen nahmen zu», sagt Hischier. «Ende Saison gibt es einen medizinischen Check und da kontrollieren sie normalerweise die bekannten Verletzungen nach. Da mein Handgelenk noch nicht 100 Prozent gesund war, kamen wir zum Schluss, dass es keinen Sinn machte eine WM zu spielen. Ich musste pausieren und einige Übungen machen.»

Schade, denn die Schweiz hätte ihn gut gebrauchen können. Die Schweizer «Kolonie» in der NHL hat in den letzten Jahren deutlichen Zuwachs erhalten. Doch kommen die Spieler mit der NHL-Intensität zur Nationalmannschaft zurück, können sie den Unterschied machen, wie die vergangene WM aufzeigte.

Ansonsten wurde er in seiner neuen, zweiten Heimat gut betreut. Lernte gar Yoga kennen. Ein bis zweimal im Monat kommt eine Yogalehrerin zu den Devils. «Ich mach es nicht so gerne, es ist streng, aber man fühlt sich gut. Es hilft gegen Verletzungen, wenn man beweglicher ist», so Hischier.

Trotz seines zarten Alters erhielt Hischier in New Jersey viel Vertrauen. Das Vertrauen, dass sich jeder Nummer-1-Draft erhofft, aber niemals garantiert ist. Er stieg gar zum Sturmpartner des Topscorers und früheren Nummer-1-Drafts Taylor Hall auf.

«Von Taylor Hall habe ich viel profitiert. Erstens ist er ein super Hockeyspieler und zweitens wusste er genau, was ich hier mache. Er hatte auch den Druck als junger Spieler. Wir spielten dann auch zusammen in einer Linie und haben uns gut verstanden, auch neben dem Eis. So wie er es mir sagte, machte es auch ihm Spass mit ihm zu spielen», sagt Hischier.

«Er hatte nicht einen grossen Tipp, aber viele kleine Bemerkungen in Spielsituationen, die man aufnehmen kann. Er war schon länger in der Liga.»

Dieser Sommer war ein bisschen ruhiger und erholsamer für ihn. Und er konnte auch an seinem Auftritt neben dem Eis arbeiten und Partner gewinnen. Nach der Versicherung Baloise kam kürzlich der Energydrink-Hersteller Monster Energy hinzu, der gerne Markenbotschafter im Actionsport unter Vertrag nimmt. «Ich wähle Partner aus, auf die ich Lust habe. Die Actionsportarten haben mich interessiert, ich kann mich mit ihnen identifizieren. Es macht mir Spass dabei zu sein», sagt er.

Nun geht er ins zweite NHL-Jahr. «Die Gewissheit ist da, wie alles laufen wird. Vor einem Jahr ging ich mit der Einstellung, dass ich meine reste NHL-Saison spielen kann. Nun weiss ich, wie es ist, wie man wohnt, ich kenne die Mitspieler und Mitarbeiter», sagt er. Für den Saisonstart ist das Label als amtierender Nummer-1-Draft weggefallen. Es werden etwas weniger Augen auf ihn gerichtet sein, was ihn wohl wenig stören wird, den jungen Walliser, der in erster Linie einfach Hockey spielen will.

«Der Druck ist immer da, aber man sollte sich selbst nicht zu viel Druck machen. Da helfen mir auch die Mitspieler. Man muss einfach rausgehen und jeden Tag das Beste geben und sich aufs Hockey fokussieren, nicht auf das Äusserliche», sagt Hischier.

Am Montag in einer Woche gibt es die ersten Testspiele. Die Mannschaft wird aufgeteilt, wobei ein Team daheim gegen die New York Rangers spielt, die anderen Spieler auswärts gegen die Montréal Canadiens. Das Kader wird dann in den weiteren Testspielen auswärts gegen die Lokalrivalen New York Rangers und New York Islanders sowie gegen die Winnipeg Jets geformt. Am 1. Oktober kommt es dann zu einem besonderen Testspiel für Hischier und Müller: Die Devils fliegen in die Schweiz und treten in der PostFinance-Arena gegen Hischiers Ex-Club SC Bern an. Der Saisonstart folgt am 6. Oktober in Göteborg gegen die Edmonton Oilers.

«Es wird sicher cool, ich muss es geniessen. Vielleicht wird es ein einmaliges Erlebnis für mich. Meine Heimat ist zwar im Wallis und das bleibt so, aber ich kann ihnen in Bern zeigen, wo ich gespielt habe», sagt Hischier. Fragen von Teamkameraden gab es zwar noch keine, die werden aber bestimmt bald kommen. «Ich zeige ihnen sicher ein paar Plätze. Die Altstadt müssen sie sicher anschauen, und die Bären. Ihnen wird die Schweiz gefallen.»

Und was hat sich Hischier für Ziele gesetzt? Letzte Saison schafften die Devils hauchdünn (1 Punkt Vorsprung auf den Neunten Florida) als Achter in der Eastern Conference die Playoffs, scheiterten dort aber in der ersten Runde in fünf Spielen gegen Tampa. Hischier kam in 82 Spielen auf 20 Tore und 32 Assists sowie auf ein Tor in den fünf Playoff-Partien. Seinen Ruf als Nummer-1-Draft wurde er damit gerecht. Er kam zwar nicht ganz auf dieselben Werte wie im Vorjahr Auston Matthews, jedoch auf einen ähnlichen wie Jack Eichel vor zwei Jahren. Sein offensiver Output war aber fast doppelt so gross wie jener von Nolan Patrick, der Nummer 2, die im letztjährigen Draft lange als Topfavorit vor Hischier galt.

Für Hischier scheinen diese Vergleiche aber zweitrangig und Scorerpunkte sind nicht Teil seiner Zielsetzung.

«Ich gehe immer mit derselben Einstellung in die Saison. Für mich ist es wichtig, die Playoffs zu erreichen. Das ist nicht so einfach, wenn 16 von 31 das schaffen», blickt Hischier in die neue NHL-Saison. «Ich möchte alles geben, damit das Team gewinnt. Sobald du mit dem Team Erfolg hast, kommt auch der persönliche Erfolg. Das Vertrauen des Trainers und dass ich mit einem Spieler wie Taylor Hall spielen konnte, half mir sicher. Dass ich so eine Rolle erhalte, ist nicht selbstverständlich.»

Wir wünschen Hischier, der hinter Hall zweitbester Scorer seines Teams war, schon mal alles Gute für die neue Spielzeit.

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Nico Hischier geht in seine zweite Saison mit den New Jersey Devils. Foto: Martin Merk

Nico Hischier im Interview. Foto: Martin Merk