Merzlikins: «Bin für die NHL bereit!»

29.8.2018 - Von Maurizio Urech

Der Torhüter Elvis Merzlikins war einer der Hauptgründe für die tolle letzte Saison des HC Lugano, der erst im Spiel 7 des Playoff-Finals den Traum des Meistertitels begraben mussten. Der Lette mit Schweizer Lizenz war über die ganze Saison gesehen der beste Torhüter der NL und bestätigte dies auch mit einer ganz starken WM mit einer verjüngten lettischen Nationalmannschaft, die im Viertelfinale nur knapp am späteren Weltmeister Schweden scheiterte.

Während der Sommermonate zirkulierten Gerüchte um einen vorzeitigen Abgang in die NHL, doch er wird auch diese Saison das Tor der Bianconeri hüten.

Elvis Merzlikins: «Während meinen Ferien in den Staaten habe ich gesehen, dass ein amerikanischer Journalist eine Welle von Spekulationen losgelöst hat. Logischerweise waren die Fans von Lugano irritiert und besorgt. Da ich jedoch besser als jeder andere die Situation kannte, war es für mich wichtig via soziale Medien (Twitter) diesen Spekulationen ein Ende zu setzen und die Fans in Lugano wissen zu lassen, dass ich diese Saison mit den Bianconeri bestreiten werde.»

Dies alles passierte in den ersten Ferientagen nach einer langen und intensiven Saison.

Merzlikins: «Ich hatte die Ferien wirklich nötig. Es war eine Saison, die mir mental alles abverlangt hat. Schon nach dem Ende der Meisterschaft musste ich eine Woche pausieren. Es war sehr schwierig nachher als ich zur lettischen Nationalmannschaft stiess, vor allem mental war ich müde. Nach der WM habe ich definitiv den Stecker gezogen und brauchte meine Ruhe. Ich war für niemanden zu erreichen, das Natel war abgeschaltet, ich habe nur an mich selbst gedacht und ging möglichst weit weg, wo ich meine Ruhe haben konnte.»

Wie haben sie die WM erlebt und konnten sie auch den Weg der Schweiz verfolgen?

Merzlikins: «Die Schweizer waren wirklich sehr nahe dran, ich glaube die Schweden waren schlagbar und im Finale habe ich Ihnen die Daumen gedrückt, doch diesmal waren die Schweden im Penaltyschiessen ganz einfach die Glücklicheren. Für mich persönlich waren diese Weltmeisterschaften eine Art Test und Herausforderung. Ich wollte ich mit den Superstars der NHL messen um zu wissen, wo ich stehe. Wenn du z.B. gegen Patrick Kane spielst, dann darfst du ihn nicht für eine halbe Sekunde aus den Augen verlieren. Er handelt blitzschnell, ist unberechenbar und macht Spielzüge, die ich von niemanden gesehen habe. Nach dieser WM habe ich die Gewissheit, dass ich auf dem richtigen Weg bin um mein Ziel zu erreichen.»

Sie müssen sich einerseits auf die kommende Saison konzentrieren, andererseits aber auch an Ihre sportliche Zukunft denken.

Merzlikins: «Natürlich ist kein Geheimnis, dass ich jetzt schon daran denke, welchen Schritt ich nächstes Jahr machen werde. Andererseits ist dies der Job meiner Agenten. Mein Fokus liegt darauf mich jetzt optimal auf die neue Saison vorzubereiten, auch wenn in meinem Kopf klar ist, was mein nächster Schritt in einem Jahr sein wird.»

Nächstes Jahr läuft ihr Vertrag mit Lugano aus, genauso wie die Verträge von Bobrovsky und Korpisalo in Columbus.

Merzlikins: «Die NHL ist eine komplizierte Welt. Man wird abwarten müssen, ob und mit wem Columbus verlängern wird. Aber für mich ist klar, dass ich nicht der Goalie sein will, der jahrelang in der AHL spielt. Ich glaube an meine Chance, umso mehr als ich von Ihnen positive Feedbacks erhalten habe. Sie haben mich mehrmals spielen sehen. Natürlich würde ich es akzeptieren, wenn ich in der AHL beginnen müsste, um mich an die kleineren Eisfelder und den nordamerikanischen Stil zu gewöhnen. Wenn ich dann die Möglichkeit erhalte in der NHL zu spielen, liegt es an, mir meine Chance zu nutzen. Doch ich weiss genau, dass es in Nordamerika nicht leicht wird. Ein paar Fehler zu viel und du spielst in der EHCL.»

Nach der schmerzlichen Niederlage im siebten Finalspiel haben sie versprochen den Titel nach Lugano zu holen. Dies müsste dann diese Saison passieren.

Merzlikins: «Ich habe nie den Titel für die diese Saison versprochen, auch wenn ich jemand bin, der seine Versprechen hält. Natürlich werden wir es auch in der nächsten Saison versuchen. Der Titel wäre ein tolles Geschenk bevor ich gehe. Wir waren sehr nahe dran und ich glaube an unsere Mannschaft. Ich will nächste Saison mein Glück in Nordamerika versuchen. Falls ich dort den Durchbruch nicht schaffen werde, dann werde ich wie Nummelin zurückkehren, denn Lugano ist mein zu Hause. Im Übrigen habe ich auch Präsidentin Vicky Mantegazza versprochen, dass ich den Titel nach Lugano holen werde.»

Wie sah Ihr Programm im Sommer aus, um Ihre Ziele zu erreichen?

Merzlikins: «Zusammen mit meinem Coach Michael Lawrence war ich schon vor der Mannschaft auf dem Eis sein, da ich an einem Goaliecamp in Toronto teilnahmmit einem intensiven Programm mit zwei Trainingseinheiten am Tag. Dann war schon anfangs August und es bleibt nicht viel Zeit um technisch zu arbeiten. Persönlich will ich meine konditionelle Basis, die Resistenz zu verbessern, ich habe während den Playoffs gesehen wie wichtig dies ist. Dies wird mir vielleicht erlauben den nächsten kleinen, aber entscheidenden Schritt Richtung Erfolg zu machen.»

Eine spezielle Situation für sie, nach dem Abgang von Manzato sind sie die unumstrittene Nummer eins und zu Ihren Aufgaben wird auch gehören Backup-Goalie Stefan Müller unter Ihre Fittiche zu nehmen.

Merzlikins: «Es ist wirklich schade, dass Manzato nicht mehr hier ist. Er war ein Freund. Ich werde Müller genauso helfen wie es Flückiger und Manzato mit mir gemacht haben. Er ist ein junger Torhüter mit viel Potential. Als ich mich in der gleichen Situation befand, war ich ängstlich. Denn du weisst genau, dass alle Augen auf dich gerichtet sind und beim ersten Fehler wirst du kritisiert. Da ist es wichtig die richtige Reaktion zu haben. Ich werde versuchen ihm zu helfen weitere Fortschritte zu machen, jetzt schon gebe ich Tipps wie man sich verhalten soll, z.B. Fehler im Umgang mit den sozialen Medien zu vermeiden wie ich sie begangen habe. Um zu wissen, ob er nach meinem Abgang Stammgoalie bei Lugano werden kann, müssen wir zuerst sehen, wie er unter Druck auf Niveau NL reagieren wird. Er hat ja noch keine Partie in der NL bestritten.»

Zwei letzte Themen. Der Torraum ist kleiner diese Saison und Lugano kehrt in CHL zurück.

Merzlikins: «Dass mit dem kleineren Torraum habe ich erst im Sommer entdeckt. Ich habe damit fast keine Erfahrung. Einzig bei den Camps in Columbus kam ich dazu und ich war ein paar Mal vollkommen falsch positioniert. Ich glaube wie immer wird man sich mit der Zeit daran gewöhnen. Ich freue mich, dass wir wieder CHL spielen können, denn es ist immer interessant sich mit Teams aus anderen Ländern zu messen und zu sehen wo wir als Mannschaft stehen, wir wollen möglichst weit kommen.»

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Merzlikins

Elvis Merzlikins im Tor der HC Lugano. Foto: Vedi Galijas

Und als WM-Torhüter der lettischen Nationalmannschaft. Foto: Andreas Robanser