U20: Der lange Weg nach Vancouver

30.7.2018 - Von Pascal Zingg

Es ist Ende Juli und die Temperaturen von über 30° C passen irgendwie gar nicht zum Eishockey. Trotzdem testete die Schweizer U20-Nationalmannschaft in den letzten zwei Wochen in Brünn und im Zürcher Heuried. Christian Wohlwend war dabei der Meinung, dass sein Team weiter ist als vor einem Jahr. Trotzdem gibt es bis zur U20-WM in Vancouver noch einiges zu verbessern.

«In Brünn spielten wir gegen die erste Garde der tschechischen U20. Wir konnten mithalten, verloren jedoch zwei Mal. Im Heuried stand uns die zweite Garde gegenüber, diese konnten wir dominieren, verloren haben wir trotzdem», meint ein leicht frustrierter Christian Wohlwend. Der Trainer weiss dabei genau, woran es lag, dass man von fünf Testspielen gegen Tschechien, die Slowakei und Deutschland nur eines gewinnen konnte. Den Schweizern gelang es nicht in den wichtigen Situationen die Tore zu schiessen. Am besten sah man dies im Spiel gegen die Slowaken, als man während 60 Minuten das bessere Team war, jedoch nur ein Tor erzielen konnte. «Zum Schluss haben die Slowaken ein Powerplay und gewinnen das Ding», konstatiert Wohlwend. Für den Trainer ist klar: «Die Spieler werden auf der Juniorenstufe zu wenig gefordert. Die Intensität ist zu wenig gross und so lernen sie nicht, wie man unter Druck agiert.» Neben dieser Tatsache, scheint aber auch die Schussqualität ein Problem zu sein. «Wenn die Tschechen oder die Slowaken einen Schuss auspacken, dann knallt es zumeist unter der Latte. Bei uns habe ich sehr oft das Gefühl, es schiessen alle auf den Bauch des Torhüters.»

Trotz dieses Mankos steckt Wohlwend den Kopf nicht in den Sand. Schliesslich haben viele Spieler bereits bei der letzten WM Erfahrungen sammeln können. Insgesamt sei man deshalb um einiges weiter, als noch vor einem Jahr. Wohlwend weiss dann auch sehr genau, wer die in Vancouver die Kohlen aus dem Feuer holen könnte: «Axel Simic war im Heuried nicht dabei, der Lausanner wird in Vancouver Tore produzieren, davon bin ich überzeugt. Auch von Nando Eggenberger und Philipp Kurashev erwarte ich einiges.» Als vierte Option wäre da noch Valentin Nussbaumer. Der Jurassier gilt derzeit als grösstes Stürmertalent. Er wird sein Glück wie Eggenberger und Kurashev in dieser Saison in der CHL suchen. «In Kanada müssen sich die Spieler einem harten Konkurrenzkampf stellen, das wird sie weiterbringen», ist Wohlwend überzeugt.

Bei den Verteidigern stach im Heuried vor allem Nico Gross heraus. Er stabilisierte die Defensive und konnte auch in der Offensive den einen oder anderen Akzent setzen. Neben Gross darf man aber auch von Tobias Geisser und Tim Berni einiges erwarten. Sie waren im Heuried nicht aufgeboten, dürften aber feste Bestandteile der U20-Nati an der WM in Vancouver sein. Dabei ist zu hoffen, dass Geisser und Berni von den neuen Trainern in Zug und Zürich möglichst viel Eiszeit kriegen, so dass sich die beiden im kommenden halben Jahr noch einmal stark weiterentwickeln können.

Sind die Teamstützen bei den Feldspielern vor allem die WM-Rückkehrer, so muss Wohlwend bei den Torhütern auf neue Kräfte setzen. Neben Torhütertalent Akira Schmid, konnte im Heuried auch Luca Hollenstein seine Klasse beweisen. «Bei den Torhütern sind wir so gut aufgestellt, wie noch selten. Sowohl Schmid als auch Hollenstein sind gute Torhüter», meint Wohlwend und fügt an, dass es in diesem Jahr keine Nummer eins auf der Torhüterposition geben werde. Trotz guter Leistungen am Turnier ist für den Trainer aber auch hier klar, dass sich beide Goalies im nächsten halben Jahr noch einmal steigern können und müssen. Während Akira Schmid dies bei den Lethbridge Hurricanes in der WHL tun wird, versucht es Hollenstein bei der EVZ Academy. Dort wird diese Saison mit Gianluca Zaetta auch der dritte Torhüter versuchen. So scheint garantiert, dass alle drei Torhüter ihre Erfahrungen auf hohem Niveau sammeln können.

Betrachtet man die Spiele im Heuried, so liegen die Probleme der Schweizer vor allem in der Offensive. Verbesserungen sind im Junioren Hockey jedoch auf allen Positionen möglich. Zu Gute kommen könnte Trainer Wohlwend dabei die Tatsache, dass die Schweizer diese Saison mit 13 Spielern ein nie gesehenes Kontingent in den kanadischen Junioren Ligen stellen werden. Daneben werden weiter Spieler in den Farmteams der NLB ihre Erfahrungen sammeln können. «Dort haben sie zwar nicht den gleichen Konkurrenzkampf wie in Kanada, sie spielen jedoch auf einem höheren Niveau, als noch bei den Eliten», meint Wohlwend. Dank CHL und Farmteams scheinen die Bedingungen für die Vorbereitung auf die WM in Vancouver so gut wie noch nie.

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U20-Nati

Trainer Christian Wohlwend hinter der Bande der U20-Nationalmannschaft während des Turniers im Juli. Foto: Martin Merk