Berra hat Grosses vor

13.5.2018 - Von Maurizio Urech

Reto Berra ist einer der drei Torhüter im Schweizer WM-Kader und bestritt drei der fünf Spiele. Wir sprachen mit dem Torhüter, der die Saison bei den Anaheim Ducks und dessen Farmteam San Diego Gulls verbrachte.

Reto Berra, Sie begannen Ihre Karriere in der damaligen NLB bei den GCK Lions, in einem Team das diverse Spieler hervorbrachte, die sich dann auch in der NLA etablieren konnte. Sie wechselten 2007/08 in die NLA zum HC Davos, wir gehen davon aus dass Arno Del Curto dabei die Hauptrolle spielte?

Richtig, als Jonas Hiller wegging, wollte Arno Del Curto wieder zwei junge, gute Torhüter (Berra und Genoni) und es war Arno der uns kontaktierte. Ich traf ihn in einer Raststätte und wie Arno so ist, ehrlich und gradlinig, hatte er schon den Vertrag dabei und für zwei so junge Goalies wie uns war dies natürlich megacool. Wir kannten ja den HC Davos vom Spengler Cup her, also gab es kein langes Zögern. Es war nicht mit Leonardo Genoni abgesprochen, dass wir zusammen nach Davos wechseln würden, ich hatte ja auch ein paar Einsätze als Back-up von Sulander bei den ZSC Lions gehabt und er spielte vor allem für die GCK Lions.

Eine Kuriosität, in der Saison 2006/07 haben Sie mit der damaligen U20-Nationalmannschaft, die an der NLB Meisterschaft teilnahm, drei Partien bestritten. Können Sie sich noch daran erinnern?

Ja das stimmt, ich kann mich erinnern, dass ich zuerst mit GC gegen die U20-Nati gespielt habe und einmal auch gegen GC mit der U20, eine spezielle Situation, das Experiment wurde ja dann nicht weitergeführt.

In Ihren zwei Jahren beim HC Davos wurde immer Genoni als das grössere Talent gehandelt. Er spielte meistens die wichtigen Partien. Hatte ihr Abgang damit zu tun, dass Sie Nummer 1 Goalie werden wollten?

Genoni kam effektiv zu mehr Einsätzen, doch wir hatten trotzdem ein gutes Verhältnis. Der Meistertitel 2008/2009 war der perfekte Abschluss für beide und ich wollte den nächsten Schritt machen und Biel gab mit diese Möglichkeit.

In Biel schafften Sie den Durchbruch und hatten grossen Anteil an der Playoff-Qualifikation der Bieler und diese Leistungen öffneten Ihnen die Türe zur NHL. Waren Sie überrascht als der Anruf aus Nordamerika kam?

Ich war sehr überrascht vom Interesse aus der NHL. Es war ja Bob Hartley, der mit den ZSC Lions Meister wurde und den Transfer eingefädelt hat. Meine Rechte waren ja bei St. Louis,. Glücklicherweise klappte der Trade und ich durfte für die Flames spielen. Natürlich hatte ich zwei Supersaisons in Biel und hatte auch bei der WM 2012/13 gut gespielt, aber ich war trotzdem überrascht.

Welches waren Ihre ersten Eindrücke als Sie von der kleinen Schweiz nach Nordamerika in die grosse NHL wechselten?

Es ist schon extrem wie dort alles auf Eishockey fixiert ist, in Kanada ist Eishockey 24 Stunden am Tag im Fernsehen, am Radio und in den Medien ein Thema. Alles ist extrem professionell, es ist megacool dort spielen zu dürfen, auch die Fanbegeisterung ist enorm. Und für mich persönlich finde ich man sollte das kleinere Eisfeld auf der ganzen Welt haben, das Eishockey ist spannender, hat mehr Action und mehr Energie. Ich konnte in Nordamerika an vielen verschiedenen Orten viele Erfahrungen sammeln und ich bin dankbar dass ich dies erleben durfte.

Gibt es etwas spezielles dass Sie in Nordamerika erlebt haben?

Ich habe in der AHL ein Tor geschossen (Januar 2015 für die Lake Erie Monsters gegen die Chicago Wolves) und dazu hatte ich am Anfang noch ein wenig Flugangst und dann passierte einmal bei einem Anflug etwas ganz unerwartetes, wir waren praktisch schon gelandet, als der Flieger wieder abgehoben ist, ich weiss bis heute nicht wieso. Es passierte in New York, es hatte extrem viele Wolken und als wir aus der Wolkendeck waren, kam schon die Piste, dies war schon crazy.

Sie bestreiten momentan die sechste WM und waren immer dabei wenn es die Gesundheit erlaubte, eine Ehrensache für die Schweiz zu spielen?

Es gibt sicher viele andere Spieler, die sich wünschen würden Ihr Land an einer WM zu vertreten, daher gab es für mich nie einen Zweifel, wenn ich fit bin und angefragt werde, komme ich gerne.

Dieses Jahr macht es Freude dem Team zuzuschauen, die Chemie stimmt innerhalb der Mannschaft.

Das ist so, wir spielen ein schnelles Eishockey mit viel Energie, wir sind ein junges Team, ich bin bereits der zweitälteste in der Mannschaft. Was ich von hinten sehe gefällt mir sehr. Nicht alle Spiele waren einfach, vor allem die Partien gegen sogenannte leichte Gegner, auch diese haben Fortschritte gemacht. Für ein junge Mannschaft war der Druck schon enorm und darum bin ich glücklich wie wir diese Aufgaben gemeistert haben. Jetzt warten auf uns harte Brocken, nachher werden wir genauer wissen wo wir stehen. In jedem Spiel gibt es einige Details die wir verbessern können, diese müssen wir in den nächsten Spielen ausmerzen, am wichtigsten ist aber dass wir uns zwischen den Spielen gut erholen damit wir weiterhin unsere Energie aufs Eis bringen können. Dieses Jahr haben wir die Waffen um mit [den Grossen] mithalten zu können und die Rolle als Underdog liegt uns normalerweise ja auch ganz gut.

Sie haben sich entschieden nächste Saison in die Schweiz zurückzukehren und für Fribourg-Gottéron zu spielen, eine Mannschaft die sich auf dem Papier gut verstärkt hat.

Als ich in Fribourg unterschrieben habe, war ich in Springfield und es ist nicht immer lustig vor wenigen Fans zu spielen. Ich kann mich erinnern, dass in Fribourg immer eine tolle Stimmung herrschte, dies hat auch eine Rolle gespielt, in einem vollen Stadion mit heissen Fans spielen zu können ist reizvoll. Dies verliert man in der AHL, wo man meistens vor wenigen Fans spielt, vor allem auswärts. In San Diego hatten wir ein gutes Publikum. Aber natürlich ist auch die Tatsache, dass Dubé eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammengestellt hat, ein Grund.

Kehren wir zur WM zurück. Josi und Fiala sind sicherlich grosse Verstärkungen.

Darüber müssen wir nicht gross diskutieren. Einerseits tut es leid für die Spieler, die dann nicht mehr zum Einsatz kommen oder weniger Eiszeit haben werden, aber klar ist, dass Roman Josi ein Weltklasse-Verteidiger ist und Kevin Fiala hat ja seine beste NHL-Saison gespielt. Beide sind ein Plus für uns.

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Berra

Reto Berra stand bei drei der fünf WM-Spielen im Tor und überzeugte mit einer Fangquote von 91,67 Prozent. Foto: Andreas Robanser