Klassiker Lugano – ZSC Lions

11.4.2018 - Von Maurizio Urech und Andreas Bernhard

Morgen beginnt die Finalserie um den Schweizer Meistertitel. Der SC Bern ist entthront und der HC Lugano oder die ZSC Lions werden die Nachfolge übernehmen. Ein Klassiker zu Beginn des Jahrtausends ist zurück als Finalserie um den Titel!

Zum zweiten Mal in den letzten drei Jahren steht der HC Lugano im Playoff-Final und kurioserweise ist der Finalgegner erneut eine Mannschaft, die mit wenig Kredit in die Playoffs startete. 2016 ging der SCB zumindest von der Setzliste her als Aussenseiter in die Playoffs gegen Qualifikationssieger ZSC und entgegen aller Voraussagen gewann der SCB die Serie mit 4:0 und war dann nicht zu stoppen und bezwang im Final auch den HC Lugano. Und die Geschichte des ZSC 2018 hat viele Parallelen zum SCB 2016.

Die ZSC Lions haben nach dem ersten Spiel der Viertelfinal-Serie gegen den EV Zug den Schatten der verpatzten Qualifikation abgelegt und nie mehr zurück geschaut. Nach fünf Siegen in Folge verloren sie erst Spiel 2 der Halbfinal-Serie gegen den SC Bern. Sie liessen sich von diesem Rückschlag nicht beeindrucken. Nicht einmal von der unglücklichen Entstehung der Niederlage. Ein Abpraller von den Beinen des Schiedsrichters wurde zur Idealvorlage für Simon Bodenmann und dessen Tor in der Verlängerung. Pech für die Zürcher, die ansonsten in dieser knappen Serie das nötige Glück eher auf ihrer Seite hatten.

Die ZSC Lions reagierten mit zwei weiteren Siegen und gewannen schlussendlich die Serie auch dank ihrer mentalen Stärke. Es hat wieder einmal gezeigt, dass für eine Mannschaft mit dem Potenzial der Zürcher die Ergebnisse der Qualifikation zweitrangig sind. Es schien ihr gar ein Vorteil, die schwierige Zeit als Gruppe überstanden zu haben. Das hat der SC Bern 2016 im Positivem und 2018 im Negativem erfahren. Die Spiele gegen den Titelverteidiger boten bestes Playoffhockey und es gab Stimmen, die von einem vorgezogenen Final sprachen. Die ZSC Lions werden solche Gedanken nicht zulassen, zumal sie mit dem HC Lugano noch eine Rechnung aus dem Vorjahr zu begleichen haben.

Die Zürcher sind gegen den SC Bern durch das Stahlbad der Provokationen von Tristan Scherwey und Thomas Rüfenacht gegangen und werden in dieser Kategorie gegen Maxim Lapierre die Meisterprüfung ablegen. Wenn die Lions sich auf die Spiele und nicht die Meisterfeier konzentrieren, können sie den Titel holen. Sie können Lugano mit allen vier Blöcken unter Druck setzen. Der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, weiterhin am gradlinigen Spiel aus einer gefestigten Defensive heraus fest zu halten. Fatal kann es werden, wenn die Lions wieder beginnen, den schönsten Angriff mit dem perfekten Abschluss zu suchen. Damit lässt sich nicht einmal in der Qualifikation etwas gewinnen.

Den HC Lugano hätte man zu Playoff-Beginn ebenfalls kaum im Final erwartet. Lugano geriet im Halbfinal gegen den EHC Biel arg in Rücklage und als man im Spiel 3 nach 26 Minuten mit 0:3 im Rückstand lag, sprach alles für einen Durchmarsch der Seeländer, doch zwei Minuten später läutete ein Shorthander von Routinier Sébastien Reuille die unglaubliche Aufholjagd der Bianconeri ein, welche die Partie mit vier Treffern bis zur zweiten Pause drehten. Damit drehte das Momentum endgültig auf die Seite des HC Lugano und man marschierte durch.

Beide Teams starten also mit breiter Brust in diese Finalserie. Für einen Fan des HC Lugano sind die Playoffs-Duelle gegen die ZSC Lions zusammen mit denjenigen des SCB immer spezielle heisse und emotionale Auseinandersetzungen und um dies zu begreifen schauen wir für einmal auf die Vergangenheit zurück.

Im ersten Duell in der Saison 91/92 besiegten die ZSC Lions mit Arno Del Curto an der Bande als krasser Aussenseiter das Grande Lugano mit 3:1, dies nachdem man Spiel 3 in der Resega mit 0:10 verloren hatte. Dann trafen die beiden Teams zweimal 1999/2000 und 2000/2001 im Final aufeinander. Beide Male waren die Bianconeri leicht favorisiert.

Das erste Final entschieden die Lions in sechs Partien zu Ihren Gunsten, Adrien Plavsic schoss das 4:3 zehn Sekunden vor Schluss, mit dem kleinen Schönheitsfehler dass der Treffer irregulär war, denn Christian Weber hatte mit einem Stockschlag gegen Christobal Huet dafür gesorgt, dass der Goalie den Puck nicht stoppen konnte. Die Finalserie im nächsten Jahr war an Dramatik kaum zu überbieten, der HC Lugano hatte nach dem 4:0-Auswärtssieg im Hallenstadion im Spiel vier und einer 3:1-Führung alle Trümpfe in der Hand.

Larry Huras wurde nicht ernst genommen als er fragte, «wie isst man einen rosaroten Elefanten? Stück um Stück.» Doch dann erhielt er Schützenhilfe von Jim Koleff auf der anderen Seite, der mit falschen Personalentscheiden den ersten Matchpuck in der Resega vergab und die Lions nahmen den Schwung mit und nach einem klaren 5:1-Heimsieg kam es in der Resega zum Showdown im alles entscheidenden Spiel 7. Christian Dubé schoss die Bianconeri in Führung und Chris Lindberg hatte nach einem Breakaway allein vor Sulander die Entscheidung auf dem Stock, doch er vergab die Chance und prompt schickte Michel Zeiter mit seinem Tor die Partie in die Verlängerung. Dort waren die Zürcher das glücklichere Team, nachdem ein Rückpass von Peter Andersson leicht abgelenkt wurde und nicht auf dem Stock von Régis Fuchs landete, starteten die Lions einen Gegenstoss der durch den Kunstschuss von Morgan Samuelsson in der 71. Minute erfolgreich abgeschlossen wurde. Leider kam es nachher zu wüsten Ausschreitung in der Resega und die Pokalübergabe konnte nicht auf dem Eis erfolgen. Die Serie bleibt damit auch für ihre Emotionen, im Guten wie auch im Schlechten, in Erinnerung.

Auch in der Saison danach trafen die beiden Teams aufeinander, diesmal im Halbfinal, die Lions gewannen erneut in sieben Spielen waren allerdings nachher im Final gegen den HC Davos chancenlos. Der HC Lugano revanchierte sich mit zwei Siegen in den Halbfinals 2002/2003, der zum Titelgewinn führte, ebenso im Jahr darauf und auch das letzte Duell 2016/17 im Viertelfinal entschieden die Bianconeri zu ihren Gunsten. Auf den ersten Meistertitel seit 2006 mussten sie aber weiter warten – er könnte dieses Jahr über die ZSC Lions führen.

Kehren wir zur Aktualität zurück und fragen uns was in dieser Finalserie den Unterscheid ausmachen kann. Sicherlich werden die beiden Torhüter Lukas Flüeler und Elvis Merzlikins eine Schlüsselrolle spielen, beide haben die bisherigen Duelle mit Ihren Kontrahenten klar gewonnen. Vielleicht auch die Spezialsituationen oder sogar die beiden Coaches. Greg Ireland wird Hans Kossmann nicht den Gefallen machen mit nur drei Blöcken zu stürmen. Er wird wann immer möglich mit vier kompletten Linien durchspielen. Noch zwei Zahlen die zeigen wie breit die zwei Finalisten aufgestellt sind: bei den ZSC Lions haben 13 Spieler mindestens ein Tor erzielt, beim HC Lugano sind es sogar 18. Und nicht zu vergessen, dass der PostFinance Topscorer der Lions Fredrik Pettersson drei Jahre lang in Lugano gespielt hat. Der beste Stürmer der ZSC Lions verleiht dem Finale daher noch eine ganz spezielle Note.

Weil wir glauben dass die ZSC Lions wie der SC Bern 2015 nicht zu stoppen sein wird, werden die Zürcher das Finale in sechs Partien für sich entscheiden.

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Cunti

Lugano-Stürmer Luca Cunti im Halbfinal-Kampf gegen Biel. Foto: TOPpictures / Andy Büttiker