Thomas Rickenbach sorgt für den richtigen
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Die Junioren-WM in Nordschweden versammelt viele Spieler, die den Durchbruch in der NHL schaffen werden. Einer der letztjährigen Stürmer des US-Teams wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zum besten Rookie der NHL gewählt werden. Deshalb lohnt es sich in den nächsten Tagen einen Blick in den hohen Norden zu werfen - auch wegen den Schweizern.


Viel Gesprächsstoff gibt die Länderspielreise in die Slowakei wirklich nicht her. Die Slowaken sind besser als die Schweiz, die Franzosen und die Österreicher nicht. Sofern man das überhaupt sagen kann, fehlten doch bei allen Mannschaften wichtige Teamstützen. So schonte Ralph Krueger beispielsweise seine Ambri-Spieler (Continental-Cup), einige angeschlagene Cracks und die Davoser, da diese ja vom HC Thurgau hätten gebraucht werden können. Aber eine Ausrede ist das nicht, schliesslich fehlten den Slowaken auch ein Kolnik oder ein Ciger. Auch das Gaëtan Voisard Nati-tauglich ist, ist keine grosse Überraschung. Ebenso wenig, dass Benoit Pont oder Sascha Schneider dieses Niveau noch nicht erreicht haben.

Ein weit wichtigeres Eishockey-Ereignis gilt als Entschuldigung für weitere Absenzen im Schweizer Kader. In den nächsten Tagen finden nämlich in Schweden die U20-Weltmeisterschaften statt. Nur eine Junioren-WM mögen die einen sagen, der wahre Kräftevergleich meinen die anderen. An diesen Titelkämpfen stimmen nämlich die Proportionen für einmal. Selbst Kanada und die USA treten mit den besten Nachwuchstalenten an. Im kanadischen Vorjahresteam finden sich zum Beispiel die Namen von Roberto Luongo und Simon Gagne. Luongo hat im Moment die beste «Save Percentage» (Fangquote) aller NHL-Goalies und Simon Gagne ist die Hoffnung bei den Philadelphia Flyers. Bei den Amis spielten David Legwand und Scott Gomez. Legwand, der Nummer-2-Pick 98 und dann vor allem... Gomez, höchstwahrscheinlich DER Rookie des Jahres. Der Mann mit den mexikanischen Eltern stammt aus Anchorage in Alaska; eine seltene Kombination. In der Skorerliste der Rookies liegt er derzeit weit vorne. Dass bei den Russen sowohl Maxim Afinogenov, wie auch Maxim Balmochnych stürmten und bei den Schweden die Sedin-Zwillinge, macht das Star-Kabinett definitiv perfekt. In wenigen Jahren wird die Mehrzahl dieser Namen jedem Hockeyfan geläufig sein. Noch Zweifel? Ein Blick in die Vergangenheit: Bester Goalie 1983 war Dominik Hasek, unter den besten Stürmern tauchen die Namen von Gretzky, Krutow, Mogilny, Bure und Lindros auf. Hier spielen wirklich die Besten der Besten der Zukunft.

Und die Schweizer! Mit einigen Leuten, die durchaus schon an der A-WM im Kader stehen könnten. Flavien Conne zum Beispiel, Adi Wichser oder David Jobin (der letzte Tipp war gratis, Ralph!). Die Voraussetzungen sind schwierig. Umea, der Spielort der Schweizer, liegt nahe dem Polarkreis. Und was sagt die Geografie? Am Winteranfang herrscht dort die ewige Nacht. Viel Sonne können die Spieler also nicht erwarten. Ein Umstand, der den Spielern bewusst ist, wie auch die Tatsache, dass ihnen dabei ein grossartiges Milleniums-Fest durch die Lappen geht. Adrian Wichser: «Der Coach hat uns diese Umstände erklärt und gesagt, dass wir uns darauf einstellen müssen.» Das Millenium am zappendusteren Polarkreis - nicht jedermanns Sache.

Wer sich also über die Festtage am TV mit dem Spengler-Cup amüsiert, einem Grossspektakel mit wenig sportlichem Gehalt, der soll dies tun - dabei aber die Daumen halten für unsere Junioren!


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