Thomas Rickenbach sorgt für den richtigen
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Wenige Wochen vor dem Spengler-Cup kämpft der HC Davos am Strich. Normalerweise kommt das grosse Loch aber erst nach dem Turnier. Weshalb liegt Davos hinter personell weit schwächeren Teams? Und warum setzt sich dort kein Ausländer durch?


Renato Tosio, Patrik Juhlin und Ivo Rüthemann sollen den HC Davos am Spengler-Cup verstärken, dazu noch Signore Luciano Borsato. Vom Namen her ein Pizzabäcker, in Tat und Wahrheit aber NHL-erprobter Stürmer. Borsato ist schon seit längerem für verschiedene Ausländer-Posten in der NLA im Gespräch, so war er zum Beispiel vor Monaten bei den ZSC Lions ein Thema als Chris Lindberg den Zuschlag erhielt (Schade, schade...). An Borsatos Können gibt es nichts zu rütteln; er könnte sehr wohl der Mann sein, der dem Prättigau wieder Leben einhaucht. Wäre da nicht ein winziges «doch»; ein Wort, das, obgleich offenbar so unbedeutend, man doch fast unterstreichen sollte.

Welche Ausländer sind denn in den letzten Jahren im Prättigau glücklich geworden? Petteri Nummelin! Sonst noch wer? Richtig, niemand. Und Lance Nethery ist doch schon eine Weile her. Gerade die beiden Neuverpflichtungen des letzten Sommers, Lindqvist und Rönnqvist, könnten als beispielhafte Söldner-Schicksale beim HC Davos gelten. Beide sind sicherlich weit talentierter als ihre Vorgänger Beauregard und Nurminen, welche vom Können her auch schon zu den stärkeren Spielern des Landes hätten gehören müssen. Kaum kommt ein Söldner unters Jakobshorn, schon gehts ihm mies. Warum soll dies nicht auch bei Borsato geschehen? Ist nicht schon Nummelin die Ausnahme von der Regel?

Die Frage nach den Gründen bleibt. Darüber lässt sich nur spekulieren, allerdings ist bekannt, dass das «Imperium Curtonum» eine sehr sympathische, aber äusserst verschworene Gemeinschaft ist. Eigentlich nichts Schlechtes, doch birgt dieser Umstand und die grosse Verankerung des Schweizer Trainers im Dorf eben auch Probleme. Spieler, die Klauseln in den Verträgen haben, dass sie im (unwahrscheinlichen) Falle eines Trainerwechsels auch gleich gehen dürfen, sind eher eine Seltenheit. Dieser Fakt zeigt die enge Bindung Del Curtos an den Verein wunderbar. Umso schwieriger ist es, gerade für einen Ausländer, Glied dieser Kette zu werden, denn dafür müsste er sie aufsprengen können. Was passiert, wenn dies nicht gelingt, dokumentiert der «Fall Nurminen», der seine Siebensachen in der Garderobe als Häufchen Asche finden konnte. Glücklicherweise ist nicht die ganze Eishalle abgebrannt, wie einst die Tribüne der Eislaufbahn gleich ausserhalb.

Larry Bird, Coach des NBA-Teams Indiana Pacers, sagte kürzlich: «Ein Trainer sollte nicht länger als drei Jahre bei einer Mannschaft bleiben. Spätestens dann hört ihm kaum mehr jemand zu.» Er muss es wissen, denn er war selber einer der besten Spieler seines Sports. Und es ist auch logisch, dass sich keiner Davoser beklagt, obwohl Del Curto diese Grenze schon längst überschritten hat. Es ist wie einst in der Schule. Die Lieblingslehrer sind die, die uns in Ruhe lassen. Nur bei ihnen wissen wir, woran wir sind. Lernen wird dann unwichtig, vorwärts gehts nicht mehr. Aber Spass machts.

Zuletzt hat Gottéron Mut bewiesen und einen unentlassbaren Trainer gefeuert - eine für die Fribourger auch finanziell eigentlich unmögliche Sache. Das Geld wäre ein Problem, das Davos nicht hätte. Und das zweite Problemchen, das hätten sie dann auch nicht mehr.


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