Bestätigung gelungen

Von Urs Berger

An den diesjährigen U20-Weltmeisterschaften gelang den Schweizer Junioren die Bestätigung des letzten Jahres. Das Viertelfinale wurde erreicht. Zu einer Qualifikation für das Halbfinale und einer weiteren Überraschung fehlte am Ende der Glaube und die Kraft. Zeit für eine Bilanz und Spielerbewertung.

Mit den zwei wichtigen Siegen gegen Deutschland und die Slowakei wurden die Schweizer mit der Teilnahme an den Viertelfinals belohnt. In diesen traf man auf die enttäuschend aufspielenden Kanadiern. Dennoch reichte den Kanadiern nach einer 1:0-Führung durch die Schweizer eine Steigerung im Verlaufe des Spiels und das Mutterland des Eishockeys gewann mit 4:1.

Dabei ist aufgefallen, dass die Schweizer nur mit einer ausgezeichneten und von A bis Z stimmenden Teamleistung den Exploit gegen einen grossen auf diesem Level erreichen können. Ansonsten hat man keine Chance, um mithalten zu können. So sind denn die Spiele gegen Deutschland und die Slowakei die Gradmesser, an denen die Junioren zur Zeit beurteilt werden können. Aber auch in diesen Spielen musste man unnötig Zittern. Im Spiel gegen Deutschland vergab man fast eine 4:0-Führung und gegen die Slowakei musste man nach individuellen Fehlern den Ausgleich hinnehmen. Gegen die USA roch man lange an einem Erfolg und gegen Finnland war man in der Qualifiaktionsrunde chancenlos, um sich dann im Spiel um Platz 5 im Penaltyschiessen mit einem Sieg zu rächen. Und dennoch ist eine Qualifikation für die Viertelfinale nicht immer einfach.

Grat bleibt schmal

Der Grat zwischen einer Teilnahme an der Relegationsrunde und einer Viertelfinal-Teilnahme ist nach wie vor sehr schmal. Ein Tor kann über Sein oder nicht Sein entscheiden. Eindrücklich wurde dies im Spiel gegen die Slowakei ersichtlich. Ein kurzes nachlassen in der Teamleistung und die Mannschaft war unnötig wieder am taumeln. Und fiel dennoch nicht. Die gesamte Mannschaft stand, wie ein angeschlagener Boxer, wieder auf und zusammen erreichten die Junioren in den letzten Minuten den Sieg. Ganz bezeichnend auch der Torschütze des entscheidenden Tores zum 5:4. Es war nicht einer der Spieler, welcher als Goalgetter aufgefallen war. Samuel Walser traf auf Zuspiel von Yannick Herren. Und konnte damit beweisen, das auch die dritte Linie Verantwortung übernehmen und treffen kann. Und nicht nur für die defensiven Aufgaben zuständig ist. Zu einer guten defensiven Leistung gehört aber auch ein guter oder überragender Torhüter. Und erneut konnten die Schweizer dabei auf einen sicheren Rückhalt zählen.

Als Team erfolgreich, aber....

Erneut ist aber aufgefallen, dass die Schweizer an solchen Grossanlässen nur als Team erfolgreich sein können. Keiner der Feldspieler ist, im Gegensatz zum letzten Jahr, extrem auf- oder abgefallen (siehe Einzelbewertung unten). Genau dies ist eine der Voraussetzungen um Erfolg haben zu können. Die gute Teamleistung der Spieler und die gute Vorbereitung des Betreuerstabes haben an dieser U20-WM gezeigt, was man alles erreichen kann. Dabei sticht vor allem hervor, dass die Betreuer einen anderen Weg gegangen sind als zuvor. Dem Capitainteam wurde nun mehr Verantwortung übertragen. Dies hat sich denn auch ausgezahlt. Dennoch kann man auf der wichtigsten Position nicht immer nur auf eine gute Teamleistung setzen. Beim Torhüter kommt es sehr stark auf die Persönlichkeit darauf an, welche man im Tor hat. Und erneut hatte man, wie oben beschrieben, mit Benjamin Conz einen der besten Schlussmänner seines Faches und seines Jahrganges zwischen den Pfosten. Dass der junge Romand noch von keinem NHL-Team gedraftet wurde, ist nur auf seine Körpergrösse zurückzuführen. Ansonsten wäre er, nach den Leistungen der vergangenen beiden Jahre, schon längstens ein hoffnungsvoller Nachwuchskeeper in einer der NHL-Teams.

...Conz erneut der wichtigste Einzelspieler

Denn auch an seiner letzten Weltmeisterschaft als Juniorennationaltorhüter erneut seine beste Seite. Immer wieder konnte der Schlussmann der SCL Tigers überzeugen und mit gutem Stellungsspiel die gegnerischen Stürmer zur Verzweiflung bringen. So auch im Spiel gegen die USA. In diesem hielt der Schlussmann die Schweizer lange im Spiel. Leider konnten die Vorderleute keinen Nutzen daraus ziehen und vergaben so eine bessere Platzierung in der Qualifikationsrunde. Dies ist jedoch ein altes Problem bei den Schweizern. Immer wieder, auch auf Ebene der Nationalmannschaft, wird bemängelt, dass die Schweizer zu wenig oft und manchmal auch zu unpräzise schiessen. Dies zu beheben wird eine der entscheidenden Faktoren in den kommenden Jahren sein.

Kleinere Eisfelder wie in Finnland?

Ein wichtiger Faktor dabei ist, dass die Schweizer Junioren vermehrt auf kleineren Eisfeldern spielen sollten. Die Frage ist nur wie dies zu bewerkstelligen ist. Und hier sind die guten Klassierungen an den Weltmeisterschaften an U18- und U20-Turniren wichtig. Denn nur so bekommen die Schweizer die nötige Eiszeit um die Erfahrungen zu sammeln. Denn eine Verkleinerung der Eisfelder, wie dies zum Beispiel in Finnland der Fall ist, ist in der Schweiz zur Zeit noch unvorstellbar. Wenn die Schweiz in den nächsten Jahren weiter an ihrem Programm feilt, ihre besten Junioren in den ersten Mannschaften der Nationalliga A konsequent einbaut, oder diese in Nordamerika wichtige Erfahrungen sammeln können, dann könnte die Schweiz in Zukunft regelmässiger um den fünften Platz spielen. Und sich so jedes Jahr immer wieder bestätigen. So wie dies in diesem Jahr gelungen ist.

Die Spieler in der Einzelkritik

Wie in den letzten Jahren üblich, bewerten wir auch die jungen Spieler der Juniorenauswahl. Es gab, wie immer, die eine oder andere Überraschung. Sei es in positiver oder in negativer Form.

Torhüter

Benjamin Conz Note 8

Wie an den letzten Juniorenweltmeisterschaften war der Keeper der SCL Tigers eine Versicherung im Spiel der Schweizer. Ihn zu ersetzen wird nicht einfach sein. Auffallend war, dass er in den wichtigen Spielen wieder über sich hinauswuchs und das eine oder andere Mal die Schweizer vor einer Niederlage bewahrte.

Verteidigung

Romain Loeffel Note 6

Manchmal schien uns Romain Loeffel überfordert zu sein. Er spielte teilweise unkonzentriert und war nicht immer bei der Sache. Dennoch hat er sich im Verlauf des Turnier gefangen und vermochte sich als zuverlässiger Verteidiger zu etablieren. Potenzial vorhanden um in der NLA eine wichtige Rolle zu spielen.

Nicholas Steiner Note 6

Auf diesem Niveau traf der junge Verteidiger das eine oder andere Mal eine falsche Entscheidung. Danach fing er sich wieder. Und spielte wieder gut auf. Er hielt mit Fortdauer des Turniers seine Fehlerquote niedrig und vermochte sich zu steigern. Braucht noch etwas Zeit für seine Entwicklung. Aber er scheint auf dem richtigen Weg zu sein.

Luca Camperchioli Note 7

Camperchioli strahlte sehr viel Ruhe aus und vermochte mit seiner Präsenz das eine oder andere Mal zu überzeugen. Seine Präsenz auf dem Eis wirkte auf seine Vorderleute. Dazu kam seine aktive Unterstützung von Benjamin Conz. Kann zu einem guten NLA Verteidiger reifen.

Dominik Schlumpf Note 7

Gegenüber dem letzten Jahr merkte man eine Steigerung beim Verteidiger. Seine Erfahrung auf den kleinen Eisfeldern war gut und er konnte das eine oder andere bewirken. Manchmal vermisste man aber seine physische Spielweise. Er kann in den kommenden Jahren noch weiter reifen und mit genügend Zeit zu einem sehr guten Verteidiger werden.

Dario Trutmann Note 7

Dario Trutmann spielte ein gutes Turnier und war einer der Verteidiger, welcher seine Arbeit sehr gut machte. Sein Wille, sich zu verbessern und weiterzukommen war spür- und fühlbar. Die Frage ist nur, kann er sich für einen Job in Nordamerika empfehlen. Noch sehen wir das nicht. Wir denken dabei, dass er wohl eher eine Karriere in der NLA haben wird. Und diese wird eine gute und lange sein. Wenn er sich weiter so gut entwickelt.

Samuel Guerra Note 6

Eigentlich dachten wir, dass wir mehr von ihm sehen würden. Doch er blieb bescheiden. Dennoch hat er seine Aufgabe erfüllt und der Verteidiger kann viel neues auf den Weg mitnehmen. Zudem kann er nun weiter an sich arbeiten und sich verbessern. In Zukunft wohl einer der Verteidiger, welcher im zweiten Block mittun kann.

Roman Untersander Note 6

Eine kleine Verbesserung gegenüber dem letzten Jahr haben wir gesehen. Seine Entwicklung ist wohl etwas langsamer als bei anderen Verteidigern in seinem Jahrgang. Er wirkte ruhiger und ohne Stress. Setzt seinen Körper nun etwas besser ein. Dennoch sehen wir noch Steigerungspotenzial. Guter NLA Verteidiger mit Potenzial. Man muss ihm aber Zeit lassen für seine Entwicklung.

Stürmer

Reto Schäppi Note 6

Schäppi war nicht immer auf der Höhe seiner Aufgabe. Dennoch verrichtete er seine Aufgabe immer zuverlässig und gut. Im defensiven Bereich einer der besseren Spieler der Schweiz. In einer defensiven Rolle in einem NLA-Klub sehen wir ein gewisses Potenzial.

Tristan Scherwey Note 4

Es war nicht seine Weltmeisterschaft. Seine kernigen Checks waren nicht da oder nicht wirklich gut plaziert. Er kann eindeutig mehr. Er zeigt dies beim SC Bern in jedem Einsatz und in jedem Spiel. Wir sind enttäuscht ab seiner Leistung. Passend dazu ist seine Spielsperre einzuordnen. Teilweise hatten wir das Gefühl, er wolle nicht hier in Buffalo sein. Als einziger Spieler der Schweizer Nationalmannschaft eine ungenügende Note. Und wenn wir nicht wüssten, dass er in der NLA besser spielt, würden wir in ihm nur einen mittelmässigen Spieler in der NLB sehen.

Gaetan Haas Note 5

Lange wussten wir nicht, wie wir Haas bewerten sollten. Doch er hat uns dann immer wieder gezeigt, dass er auch kämpfen kann und will. Aus diesem Grund bewerten wir ihn etwas besser als eigentlich verdient wäre. Er hat aus seinen Möglichkeiten das beste heraus geholt. Das Potenzial ist da, um in der NLA seine Spuren zu hinterlassen.

Gregory Hofmann Note 7

Seine Spielweise war aufsässig, gut und nicht nachlassend. Immer wieder war er der Mann, der auch dann in den Abschluss ging, wenn es kein andere machen wollte. War einer der positiven Überraschungen. In Ambri bereits einer, der die Verantwortung übernimmt.

Sven Bärtschi Note 8

Sven Bärtschi kam sah und siegte. Nicht auf der ganzen Linie, aber er war einer der Spieler, welche zeigten, das ein Jahr in Nordamerika auch seine positiven Sachen hat. Und Bärtschi ist ein Workaholic, der immer noch besser werden will. Sein Potenzial hat er angedeutet. Aber noch nicht ganz abgerufen. Wir schwanken zwischen NLA und einem weiteren Jahr in Nordamerika. Letzteres wäre wohl besser für seine Entwicklung.

Inti Pestoni Note 8

Inti Pestoni war eine der positiven Überraschungen am Turnier. Seine Leistung kann man nicht hoch genug einschätzen. Pestoni kann in den kommenden Monaten noch für die eine oder andere Überraschung sorgen. Er ist ein Spieler der in Buffalo seine Stärken gezeigt hat und diese auch immer wieder einsetzte. Suchte den Abschluss vor dem Tor. Seine Zukunft liegt bei einem NLA-Klub zur Weiterentwicklung. Um dann später zu einem grossen Spieler zu reifen.

Ryan McGregor Note 5

Er machte seine Arbeit mit der defensiven Ausrichtung seines Blocks gut. McGregor machte wenige Fehler und hielt sein Spiel einfach. Dennoch sind wir nicht ganz überzeugt von ihm. Irgendwie schien er uns vom Niveau überfordert zu sein. Er hätte das Talent für die NLB, möchte jedoch auf eine College-Karriere setzen.

Renato Engler Note 5

Engler war defensiv ausgerichtet. Er suchte aber trotz allem den Abschluss. Sein Auftritt war gut und sehr solide. Er unterstütze die Verteidigung gut und konnte das eine oder andere Mal die Gefahr vor das gegnerische Tor bringen. Doch ist er ein Spieler für die NLA?

Nino Niederreiter Note 7

Wir haben von Nino Niederreiter nach seinen wundersamen Leistungen vor einem Jahr zu viel erwartet. Er war solide, er war da, wenn es wichtig wurde. Doch er hatte Probleme, sich als Leader auf dem Eis zu behaupten. In wichtigen Situationen sah man manchmal nichts von ihm. Doch es ist immer schwer, ein hervorragendes erstes Turnier mit einem gleichen Turnier zu toppen, zumal die Gegner auf ihn fokussiert waren. Zudem war seine Aufgabe auch neben dem Eis nicht zu unterschätzen. Als Captain musst er viel Verantwortung auch neben dem Eis übernehmen. Und das ist der Grund, wieso wir ihm eine besser Note geben.

Benjamin Antonietti Note 6

Antonietti ist ein Spieler, der das eine oder andere Mal die Akzente setzt, welche man erwartet. Und er kann in den kommenden Jahren noch reifen. Seine Präsenz sollte aber noch stärker werden, Und den direkten Abschluss darf er ruhig mehr anwenden. Reicht aber seine Leistung in der NLA?

Samuel Walser Note 6

Der Klotener kam gut mit dem kleinen Eisfeld zurecht. Er war ein stabiler Spieler in der vierten Linie und konnte immer wieder den einen oder anderen Akzent setzen. In den kommenden Jahren kann er sich zu einem guten defensiv Spieler entwickeln. Hat er das Potenzial zu einem guten NLA Spieler?

Joel Vermin Note 5

Vermin sah man an, dass er Erfahrungen mit der ersten Mannschaft hatte. Aber da er in Bern nur sporadisch eingesetzt wird, kann er nicht sein ganzes Potenzial abrufen. Dies spürte man hier merklich. Dennoch spielte der Berner eine gute Weltmeisterschaft. Trotz seiner wenigen Eiszeit vermochte er Akzente zu setzen. Wichtig ist, dass er in der NLA nun endlich vermehrt eingesetzt wird.

Yannick Herren Note 6

Herren ist einer der Spieler, der ohne Knurren und Murren seine Aufgabe wahrnimmt und dem Team den einen oder anderen Verschnaufer gönnte. Seine Arbeit und seine Einstellung war auf dem Eis immer gut. Und er gab nie auf. Dennoch könnte er eine Spur aggressiver spielen. Er ist ein Spieler der in der NLA landen könnte.