Die Lakers am Scheideweg

Von Pascal Zingg

Anfang Dezember entliessen die Rapperswil-Jona Lakers ihren Geschäftsführer Reto Klaus. Die Massnahme läutete eine schwierige Phase für die Lakers ein. So werden die nächsten Monate wohl über Sein oder nicht Sein der Mannen vom Obersee entscheiden.

Der Verwaltungsrat der Lakers hätte sich wahrlich schönere Weihnachten vorstellen können. Am 23. Dezember verloren die Eisblauen zu Hause mit einer miserablen Leistung 1:4 gegen den EHC Biel. Es war ein neuerlicher Tiefpunkt in der Talfahrt der Lakers. Der Verwaltungsrats-Delegierte Christian Stöckling nimmt dann auch kein Blatt vor den Mund. „Die Playoffs sind in weiter Ferne, unser primäres Ziel muss es sein den Ligaerhalt zu erreichen. Ein Abstieg hätte weitreichende Konsequenzen, denn die NLB ist für uns kein Thema“, betont der Geschäftsführer ad interim. Stöckling bezeichnet die aktuelle Situation gerne als Wendepunkt in sportlicher wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Eine Analyse die bestimmt nicht falsch ist. Mit dem Rausschmiss von Reto Klaus haben die Lakers eine neue Ära eingeläutet. Die Kunst ist nun diese Ära mit geeigneten Entscheiden zu einer erfolgreichen zu machen. Eine Aufgabe die nicht ganz einfach scheint.

Drohender Abstieg

Bevor man jedoch eine bessere Zukunft ansteuern kann, muss man die aktuellen Probleme bewältigen. Die Lakers plagen existenzielle Sorgen. In der momentanen Verfassung ist das Team ein Abstiegskandidat. Die Spiele gegen Ambri und Biel haben gezeigt, dass man sich nicht auf den Moment einstellen kann. Nicht nur in diesen Spielen wirkte der Trainer ratlos. So glich beispielsweise das Timeout im Spiel gegen Biel (nach dem 0:3) einer Verzweiflungstat, die ohnehin zu spät kam. Nach dem Spiel war Christian Weber nicht bereit sich den kritischen Fragen der Journalisten zu stellen. Stattdessen kam Assistent Marco Bayer, der nicht so recht wusste, wieso man das Spiel verschlafen hatte. Es machte den Anschein, als würde der Trainerstab das Team nicht mehr erreichen. Auch kommen keine neuen Impulse von Seiten des Trainers. Man hätte beispielsweise ein Exempel statuieren können und den ungenügenden Loïc Burkhalter der Captain-Rolle entbinden. Trotz erster Unkenrufe ist für Stöckling klar, dass an der Position des Trainers nicht gerüttelt werden darf. „Wir glauben an Christian Weber. Er hat hervorragende Arbeit geleistet und Spieler wie Benjamin Neukom und Nils Berger ins Team eingebaut. Da wir uns die Förderung der Jungen auf die Fahne geschrieben haben, ist dies für uns sehr wichtig“, führt Stöckling aus. Er signalisierte damit, dass man andere Impulse setzen möchte. So wollen sich die Lakers mit einem neuen Ausländer sowie 1-2 Schweizer Spielern verstärken. Es fragt sich jedoch, woher Stöckling die Schweizer Spieler herholen will. Schliesslich sind während der Saison keine valablen Schweizer Spieler zu haben. Die einzige Möglichkeit wäre Spieler zu tauschen. Spielern wie Michel Riesen oder Loïc Burkhalter täte eine Luftveränderung sicherlich gut. Es könnte beiden Seiten geholfen werden, wenn gutes Tauschmaterial vorhanden wäre.

Mit neuen Strukturen zum Erfolg

Neben den Problemen der aktuellen Spielzeit gilt es für die Lakers auch die Zukunft vor zu bereiten. Hier merkt man, dass Stöckling ein Mann aus der Wirtschaft ist. Unter ihm haben die Lakers begonnen ihre Strukturen zu überdenken und zu professionalisieren. Noch vor einem Jahr wäre ein solcher Strukturwandel nicht möglich gewesen. Damals hatte Bruno Hug das Amt des VR-Delegierten inne. Hug, der den Verein in die NLA geführt hatte, scherte einen Staff von Freunden um sich, die für ihn arbeiteten. Strukturen brauchte es in der Diktatur von Bruno Hug nicht. „Wenn wenige Leute eine gewisse Zeit den Laden schmeissen entsteht eine Betriebsblindheit. Man hinterfragt gewisse Sachen nicht mehr“, analysiert Christian Stöckling die Situation diplomatisch. Dass man nun mitten in der Saison seine Strukturen über den Haufen wirft, begründet Stöckling damit, dass im Sommer noch niemand aus dem Verwaltungsrat realisiert hatte, wie tief die Probleme reichen. Nach dem Rauswurf von Geschäftsführer Reto Klaus wird das sportliche nun von der Geschäftsleitung getrennt. Stöckling gesteht dabei ein, dass es der Lakers-Führung im Moment vor allem an sportlichen Kompetenzen fehlt. Die Suche nach einem Sportchef habe daher auch höchste Priorität. Für Stöckling ist klar, dass der neue Sportchef Eishockey-Know-how und ein gutes Netzwerk haben muss. Nach den Erfahrungen mit Reto Klaus will er auch auf eine gute Sozialkompetenz wert legen. Stöckling will damit ein gutes Umfeld schaffen, für das ein Spieler auch einmal auf den einen oder anderen Franken eines andere Vereins verzichten kann. Auch wolle man die eingeschlagene Strategie zur Förderung der Jungen beibehalten. Der neue Sportchef soll daher auch Verantwortung für den Nachwuchs und das Scouting tragen. Ferner wolle man enger mit Ostschweizer Teams aus der NLB und der 1. Liga zusammenarbeiten. Obwohl man bisher erst ein Stellenprofil für den neuen Sportchef hat, hätten bereits viele Interessenten eine Bewerbung abgegeben. Stöckling rechnet damit, dass der neue Sportchef bis Ende Januar gefunden ist.

Auch wirtschaftlich am Scheideweg

Der Erfolg des neuen Sportchefs wird auch darüber entscheiden, wie es mit den Lakers wirtschaftlich weiter geht. Die Rosenstädter befinden sich zum dritten Mal in Serie auf Playoutkurs. Zum Misserfolg gesellt sich ebenfalls eine unattraktive Spielweise. Die Trainer der letzten Jahre liessen sehr defensiv spielen. Christian Weber versprach Anfangs Saison dies zu ändern. Nach einigen Spielen mit vielen Gegentoren, kam aber auch er zum Catenaccio seiner Vorgänger zurück. Gepaart mit dem erneuten Misserfolg wurden so weitere Zuschauer vergrault. „Wir sind uns bewusst, dass wir in einer Region mit einer grossen Konkurrenz agieren. Die Alternativen zum Eishockeymatch am Samstagabend sind in unserer Region grösser als Beispielsweise in Langnau“, analysiert Stöckling. Ihm liegt die aktuelle Zuschauerstatistik vor, in der der Zuschauerschnitt der Lakers um weitere 400 Personen gesunken ist. Stöckling ist bewusst, dass weniger Zuschauer auch weniger Geld bedeutet. Ausserdem bedeuten weniger Zuschauer auch weniger Attraktivität, was ebenfalls Auswirkungen auf die Sponsoren hat. Erste Aufgabe des neuen Sportchefs wird es also sein das Loserimage der Eisblauen abzustreifen. Sollte ihm dies nicht gelingen, sieht es für die Lakers düster aus.