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Schweizer Auswahlen-Resumé

Von Thomas Roost

Nach den Sommerferien-Sessions – die uns so eine Art Vorspeise auf die kommende Saison serviert haben – gilt es für die Eishockeygourmets im frühen Winter den ersten Hauptgang zu bewerten. Im November kamen einige Landesauswahlen zusammen und in Kürze kommt es zum nächsten Break. Wie sind die Schweizer in Nordamerika gestartet? Wie sind die Auftritte der Simpson-Boys, der U20, U18, U17 und U16 zu bewerten? Das NHL-Central Scouting Team hat sich aufgeteilt und war bei allen Auftritten mit mindestens einem Beobachter dabei. In der Folge fasse ich meine Kommentare und diejenigen meiner Scouting-Kollegen zusammen.

An dieser Stelle sind mir einige Vorbemerkungen sehr wichtig: Mit einer gewissen Irritation nehme ich ein Verhalten zur Kenntnis welches auf mangelndes Selbstbewusstsein hindeutet und für weitere Fortschritte in unserem Eishockey hinderlich ist. Wir wollen den Tatsachen nicht in die Augen schauen, es wird zu viel schön geredet. Das ist bedauerlich, denn wir haben dies in der Eishockey-Schweiz nicht nötig, weil unser Eishockey stark genug ist, um sich den Wahrheiten selbstkritisch zu stellen. Jetzt aber der Reihe nach: In verschiedenen Berichten wird immer wieder darüber geklagt, beschönigt und erklärt wieso dieser und jener Schweizer nicht in der NHL spielt. Bei den Berichten über Blindenbacher und Gerber muss der Leser zum eigentümlichen Schluss kommen, dass diese beiden eigentlich zu gut sind, um in der NHL zu spielen. Yannick Weber wird suggestiv als bester AHL-Verteidiger portiert und Nino Niederreiters Rückversetzung zu den Junioren wird eher als Sieg denn als Niederlage kommentiert. Die auffälligste Stimmungsmache erfolgte aber auf der SIHA-eigenen Website selbst auf der geschrieben steht, dass unsere U20-Auswahl die Russen mit 5:1 besiegt hat und auch gegen Kanada West und Kanada Ost bestehen konnte. Selbst die Experten des deutschen TV-Senders Sport1 haben im Rahmen des Deutschland-Cup-„Finals“ dieses „Ereignis“ – den Sieg gegen Russland – herausgepickt und daraus folgend dem Schweizer Eishockey eine grosse Zukunft vorausgesagt. Dem Leser ist somit auch klar, dass wir an der kommenden U20-WM gegen die Russen Favoriten sein werden und sich selbst die Kanadier warm anziehen müssen gegen uns...

Tatsache Nr. 1 ist, dass unsere U20-Nationalmannschaft – geschwächt durch die Absenzen der Leistungsträger Niederreiter, Bärtschi, Conz – gegen die russische U18-Nationalmannschaft – geschwächt durch die Absenzen der vier besten russischen U18-Spieler – 5:1 gewonnen hat. Nicht mehr und nicht weniger. Ein russischer U18-Jahrgang der notabene als schwach eingestuft wird und selbst unsere U18-Auswahl im Direktvergleich nicht chancenlos ist. Tatsache ist auch, dass die kanadischen Ost- und West-Auswahlmannschaften nur Spieler aus unteren Juniorenligen rekrutiert haben. Aus der CHL – der höchsten kanadischen Juniorenstufe – war kein einziger Spieler dabei. Bei dieser Betrachtung muss man wissen, dass in der Altersstufe 16-20 zwei Jahre älter oder jünger betreffend physischem Entwicklungsstand sehr wesentlich sind. Der Sieg gegen die ohne ihren Parade-Block angetretenen U18-Russen war somit nicht viel mehr als Pflicht. Eine Pflicht, die unsere Jungs mit Bravour und guten Stilnoten erfüllt haben. Die Auswahl von Richi Jost hat mit einer mutigen Spielweise viele Sympathien gewonnen und vor allem der Ambri-Stürmer Grégory Hofmann hat sich in die Notizbücher einiger Scouts gespielt. Besonders darum verstehe ich nicht, dass man versucht, in der Berichterstattung zu tricksen. Unserem U20-WM-Team wird damit ein Bärendienst erwiesen, denn die Erwartungen steigen damit in unrealistische Höhen.

Jetzt zu den Leistungen der einzelnen Teams: Das Nationalteam von Sean Simpson hat meiner Meinung nach gut bis sehr gut gespielt. Auch das Spiel in Kloten war klar besser als es das Resultat indiziert. Bereits an der WM im April hat man gesehen, dass das Schweizer Eishockey betreffend Kadertiefe spürbare Fortschritte erzielt hat. Es gibt kaum Leistungsunterschiede zwischen den Nummern 1-25 und den Nummern 26-50. Der Deutschland-Cup hat diese Wahrnehmung nur noch bestärkt. Wir haben aktuell in der Schweiz ca. 60 Spieler die international einigermassen bestehen können. Dies ist eine Errungenschaft auf die wir stolz sein dürfen und die Stärke unserer Ausbildungskonzepte unterstreicht. Es gibt aber nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen und diese sind altbekannt: Noch immer stehen wir ohne „High-End-Spieler“ da. Kein einziger Schweizer Eishockeyspieler gehört zu den Top-50 der Welt. Die Stars, die Unterschiedmacher, fehlen noch immer. Auch die Auswahlspiele im November haben keine neuen Hoffnungsträger generiert, aber immerhin die gute Qualität in der Kadertiefe bestätigt. Wer von den älteren Spielern steht im erweiterten NHL-Blickpunkt? Die Zuger Raphael Diaz und Damien Brunner werden regelmässig beobachtet, nicht mehr und nicht weniger. Beide haben in München gezeigt, dass sie zur absoluten Crème de la Crème gehören in unserer Liga. Diaz und Brunner haben das Talent, um in der NHL zu bestehen. Physische Defizite setzen das eine Fragezeichen, das andere Fragezeichen ist, ob sie die mentale Härte haben, um nicht nur im gelben sondern vermehrt auch im roten Drehzahlbereich spielen zu können. Benjamin Conz ist ein weiterer Spieler der im erweiterten Blickpunkt der Scouts steht. Das Fragezeichen bei Conz ist die ungünstige Kombination von unterdurchschnittlicher Körpergrösse und maximal mittelmässigen athletischen Fähigkeiten. Gelassenheit, Ausstrahlung, das Spiel lesen können – dies sind alles Stärken bei diesem interessanten Goalietalent. Aktuell profitiert er auch ein wenig von der defensiven Spielanlage der SCL Tigers, die dazu führt, dass er mit weniger Schüssen aus günstigen Abschlusspositionen konfrontiert wird als ein Goalie in einem Team mit einer offensiveren Strategie.

Wie gesagt, ich habe gute Feedbacks von der U20 erhalten. Die Spielweise wurde gelobt, Grégory Hofmann war der Leistungsträger und bei der U19 – die in Schaffhausen und Füssen gespielt hat – hat sich der kleine Dominic Lammer als torgefährlicher Stürmer bestätigt. Auch die U19 hat gezeigt, dass wir eine recht grosse Tiefe an brauchbaren Spielern aufbieten können, um beispielsweise gegen Deutschland bestehen zu können. Trotzdem ist ein Sieg gegen Deutschland an der U20-WM – auch mit Niederreiter, Bärtschi und Conz – fraglich, denn die Deutschen haben an der Spitze Leistungsträger (Grubauer, Kühnhackl, Rieder, Abeltshauser, Hoefflin), die unseren Leistungsträgern ebenbürtig sind.

Unsere U18-Auswahl hatte im Turnier in Schweden hartes Brot zu essen. Dies allerdings nicht unerwartet, weil der eine oder andere Leistungsträger mit der U20 unterwegs und die Konkurrenz hochkarätig war. Schon bald habe ich von meinem finnischen Kollegen ein SMS erhalten, dass er nicht glaube, dass ein Schweizer aus diesem Team für die NHL gedraftet wird. Im Nachhinein hat er sich aber positiv über die Leistungen von Alessio Bertaggia geäussert. Bertaggia ist ein sehr guter sehr kleiner Spieler. Er kennt keine Angst, geht dem Gegner unter die Haut und zeigt gute Skills. Alles in allem war aber auch bei diesem Jahrgang der Unterschied zur Weltspitze (USA, Schweden) sehr gross, zu gross um damit zufrieden sein zu dürfen. Der U17 – die in einem Turnier in Nordamerika im Einsatz stand – ist es nicht besser gegangen. Die U17 hat alle Spiele verloren und auch die U17 war leistungsmässig zu weit von den USA entfernt. Enttäuschend ist, dass beide Spiele gegen die Slowaken nicht gewonnen werden konnten. Unsere U16-Auswahl stand dreimal gegen die Altersgenossen aus Tschechien im Einsatz. Zwei Spiele gingen klar verloren, eines konnte siegreich gestaltet werden. Auch hier: Resultatmässig eine Enttäuschung, wenn man berücksichtigt, dass wir Medaillenanwärter sein wollen einerseits und dass den Tschechen grosse Probleme im Nachwuchsbereich nachgesagt werden andererseits.

Auch aus der NHL gibt es wenig Erfreuliches zu berichten. Roman Wick, Severin Blindenbacher, Martin Gerber und Nino Niederreiter sind vorerst mit ihrem Versuch gescheitert, in der NHL richtig Fuss zu fassen. Bei Yannick Weber verdichten sich die Anzeichen, dass er es schwer haben wird, je über den Status eines so genannten „Recall-Players“ hinauszukommen. Juraj Simek liegt noch eine Stufe unter diesem Status. Roman Josi kann man verletzungsbedingt noch nicht richtig beurteilen. Meine Zuflüsterer aus Nordamerika äussern sich aber vorsichtig positiv über Josi. Nino Niederreiter hat alles gegeben, um bei den Islanders bleiben zu können. Es hat (noch) nicht gereicht, tempomässig ist er noch nicht ganz in der NHL angekommen und dies hat weniger mit seinen schlittschuhläuferischen Qualitäten zu tun. Nino versucht dies positiv zu sehen. Aber auch er muss den Tatsachen in die Augen schauen. Es hat nicht gereicht und dies ist eine Enttäuschung. Es gibt ja beispielsweise andere in seiner Alterskategorie – auch solche die nach ihm gedraftet wurden – die den Sprung ins NHL-Team geschafft haben (Fowler, Burmistrov, Hall, Seguin, Skinner). Irritierend sind Berichte die uns weismachen sollen, dass Blindenbacher und Gerber irgendwie zu gut seien für die NHL und „nur“ so genannt ungünstige Vertragsklauseln (Zweiwegverträge, Waiver-Problematik) oder ähnliches sie daran hindern, in der NHL auflaufen zu können. Die Realität ist, dass in der NHL in allererster Linie die von den Entscheidungsträgern subjektiv wahrgenommene Qualität eines Spielers – und nur die Qualität – darüber entscheidet, ob ein Spieler in der NHL aufläuft oder nicht. Die angesprochenen Vertragsklauseln spielen nur bei Ergänzungsspielern eine Rolle bei denen man von relativer Gleichwertigkeit ausgeht. Auch hier müssen wir das Selbstbewusstsein zeigen, der Wahrheit, der Realität in die Augen zu schauen. Sobald wir beschönigen, rechtfertigen, verteidigen – dann haben wir bereits verloren.