Der EV Zug hat es mit der Bossard Arena in die Eishockey-Neuzeit geschafft und die sonst vornehme Steueroase kann sich nun auch in Sachen Sportinfrastruktur von ihrer modernen Seite zeigen. Die Zeiten der Herti-"Scheune" mit klirrenden Temperaturen sind vorbei und die Aufbruchstimmung soll auch auf das Eis übertragen werden.
Auf diesen Moment im August 2010 mussten die EVZ-Fans lange warten. Der Puckeinwurf fürs erste Heim-Testspiel gegen Davos erfolgte nicht in der alten Hertihalle, beziehungsweise, weil diese nicht unbedingt sommertauglich ist, in der Trainingshalle. Nein, sie erfolgte in der neuen "State-of-the-Art"-Halle namens Bossard Arena. Damit ist in Zug ein neues Eis-Zeitalter eingetroffen.
Hartes, engagiertes Eishockey soll zwar weiter gezeigt werden wie zu den Zeiten von Wes Walz und Bill McDougall, doch die Zuschauer dürfen es ruhig etwas gemütlicher haben, weniger kalt, mit mehr Verpflegungsmöglichkeiten und Toiletten. Und für die, die es sich leisten können, auch mit etwas mehr.
Dies ist nun auch in Zug selbstverständlich. Und auf diesen Moment hat man auch sportlich hingeplant. Eine Spitzenmannschaft waren die Zuger nämlich schon letzte Saison, als sie die Saison auf Rang drei und im Halbfinale beendeten. Von der damaligen Mannschaft gab es bis auf den Verteidiger Micki Du Pont (zu Kloten) keinen ungewollten Abgang. Spiele wie Jussi Markkanen, Rafael Diaz oder Patrick Fischer in der Hintermannschaft sind genau so geblieben wie Stürmerstar Josh Holden mit den jungen, wilden Damien Brunner und Fabian Schnyder, um nur einige Leistungsträger zu nennen.
Für die Zuger Neuzeit wurde die Mannschaft noch weiter verstärkt. Für den eher offensiven Du Pont kam der eher defensive Abwehrspieler Andy Wozniewski. Der 196 cm grosse Amerikaner spielte zuletzt in der Organisation der Boston Bruins, wurde jedoch nur für zwei NHL-Spiele eingesetzt und sonst in der AHL parkiert. Der grösser Name der beiden neuen Ausländer ist aber jener von Glen Metropolit. Der einstige Lugano-Topscorer kehrt nach vier Jahren in der NHL wieder in die Schweiz zurück.
Nach seinem Lugano-Jahr mit 91 Punkten in 61 Spielen konnte er auch in der NHL überzeugen. Zuletzt erzielte der 36-Jährige für die Montréal Canadiens 31 Punkte in 85 Spielen. In Zug träumt man nun, dass Metropolit ähnlich einschlägt wie noch vor fünf Jahren in Lugano. Dann nämlich könnte der EV Zug zu einem ernsthaften Meisterkandidaten werden.
Eine motivierte Mannschaft hat der Trainer Doug Shedden, der in Zug einst auf dem Schleudersitz sass, auf jeden Fall. Das Prunkstück, die neue Bossard Arena, steht gleich neben der alten Hertihalle und die Spieler konnten täglich vorbeilaufen und den Bauprozess beobachten. Schon letzte Saison war daher die Vorfreude riesig, dort neuer Hausherr zu werden.
Dafür benötigt es allerdings nicht nur eine starke Mannschaft. Auch die Fans sollen an die Meisterzeiten von 1998 erinnern, als Zuschauerzahlen von 5000 bis 6000 ganz normal waren. Der EVZ muss in allen Zuschauerkategorien wachsen, damit sich diese im Hinblick auf die neue Arena aufgebaute Mannschaft auch finanziell lohnt und am Ende kein Loch in der Kasse klafft.
Eine ihr Potenzial ausschöpfende Mannschaft wird dabei ganz hilfreich sein. Dafür wurde auch einiges an inländischer Verstärkung geholt mit dem Verteidiger Alessandro Chiesa sowie den Stürmern Corsin Casutt, Sven Lindemann und Fabian Sutter, welche Shedden mehr Möglichkeiten in der Offensive geben. Da kann es sich der Kanadier auch leisten, die gelernten Stürmer Patrick Oppliger und neu Corsin Camichel in der Abwehr spielen zu lassen.
In der Vorbereitung, in der die neue Halle mit fünf EVZ-Spielen auch gebührend getestet wurde, lief es schon mal gut. Fans kamen zu Tausenden und von sechs Ernstkämpfen hatte der Zug vier gewonnen und zwei weitere erst im Penaltyschiessen verloren. Diese Bilanz kann sich sehen lassen und die Fans hoffen, dass es so bleibt, während die Bossard Arena zum Hexenkessel wird.