
| Werden Benny Plüss, Julien Sprunger & Co. dieses Jahr mehr zu jubeln haben? Foto: Thomas Oswald |
Wer in den letzten drei Jahren immer wieder in den Play-Off Viertelfinals für grosse Schlagzeilen sorgt, darf sich normalerweise darauf etwas einbilden. Das Team um Chefcoach Serge Pelletier hat bewiesen, dass dieses auch in der neuen Saison berechtigte Ansprüche haben darf, im kommenden Frühling Teilnehmer an den verrücktesten Spielen der Meisterschaft zu sein, oder? Der Auftakt in die neue Spielzeit wird es beweisen müssen, ein Fehlstart wie vor genau einem Jahr können sich die Fribourger nicht noch einmal erlauben.
Für mehr als nur grosse Unruhe sorgte vor einigen Tagen der ehemalige Top-Torhüter Sébastien Caron, als dieser kein Mitglied der Fribourger sein wollte und der Grund dahinter: Die Zusage von Cristobal Huet. Doch der Ausnahmekönner aus Grenoble hat erst die Berechtigung erhalten, mit dem Team mitzutrainieren. Wann er bei den Drachen spielberechtigt sein wird, steht noch aus. Spekuliert wird auf Ende September hin. Diese Situation ist für Damiano Ciaccio, der aktuellen Nummer eins im Kasten der Fribourger, neu und er wird sich dabei beweisen können.
Chefcoach Pelletier beweist grosse Gelassenheit
Die grosse Hektik um den möglicherweise grossen Transfercoup von Torhüter Huet lässt den 45-jährigen in Kanada geborenen Chef an der Bande der Drachen mehr oder weniger kalt. Verständlich, da sein Fokus auf die heute beginnende Meisterschaft gerichtet ist. Gefragt, warum sein Team die letzte Saison mit einem kapitalen Fehlstart begann, meinte Pelletier: „Wir hatten sehr grosses Verletzungspech. Stammspieler wie Sprunger, Jeannin, Wirz und phasenweise noch Bykov sind nicht so leicht zu ersetzen.“ Es verwunderte selbst die total verrückten Fans der Drachen, dass der Einzug in die Play-Offs noch möglich war. In den Viertelfinals waren nach zwei spektakulären Rauswürfen (SC Bern und die ZSC Lions) in den Vorjahren diesmal die Üechtländer gegen die cleveren Servettiens die Opfer. Welche Massnahmen wurden deshalb für die neue Saison gezogen? „Ich führte mit den Spielern viele Einzelgespräche. Vor allem hat sich für mich und meinen Trainerstab gezeigt, dass diese im abgeschlossenen Sommertraining grosse Fortschritte machten und dabei die Verletzungsquote auf ein Minimum reduziert wurde.“ Für Pelletier steht fest, dass primär die Qualifikation zu den Play-Offs das Saisonziel sein muss! Danach sei seinem Team vieles zuzutrauen.
Schlüsselspieler in der Pflicht!
Das nach dem Beinahe-Crash vor einigen Wochen – einige der Schlüsselspieler vermochten erst im allerletzten Moment ihre Verantwortung zu übernehmen, ist die Ausgangslage für die neue Saison kaum mit der alten zu vergleichen. Coach Pelletier fordert deshalb seine Key-Player ultimativ auf, die Qualitäten zu zeigen, welche wirklich in ihnen stecken. So trägt Damiano Ciaccio die grösste Last. Dieser muss jetzt zeigen, dass er den Status des Talents abgelegt hat und ein sicherer Rückhalt für seine Vorderleute ist. In der Defensive ist Haudegen und Schlitzohr Shawn Heins der Dreh- und Angelpunkt. Dieser kann es sich aber nicht erlauben, unnötige Matchstrafen einzukassieren und muss seinen jungen Mitspielern helfen, einen Schritt näher an die nationale Spitze zu machen. Mit Philippe Rytz holten die Fribourger eine veritable Verstärkung. Mit seiner Verpflichtung muss dieser gleichzeitig auch Leaderfunktionen übernehmen. Die Offensive ist bestückt mit individuell sehr guten Cracks. Julien Sprunger, der Leithammel der Drachen, ist aufgefordert nicht nur Mitläufer zu sein, sondern mit seiner Genialität auf dem Eis für Furore zu sorgen. Andrej Bykov, das eigentliche Sorgenkind, fiel immer wieder durch Verletzungspausen auf. Will dieser Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft werden, wird dieser nicht darum kommen, seine „Marotten“ endgültig abzulegen, da ihm sonst die Unglaubwürdigkeit droht. Sandy Jeannin, Valentin Wirz und Benjamin Plüss sind weitere Schlüsselspieler, welche tragende Rollen sowohl defensiv wie offensiv einzunehmen haben. Mit Mike Knoepfli, Robin Leblanc und Mark Mowers wissen die Fribourger drei überdurchschnittliche Ausländer in ihren Reihen. Wie sich Pavel Rosa, der 33-jährige Tscheche, ins Team integrieren kann, wird sich noch zeigen müssen. Bis dato hat dieser noch keine Stricke verrissen. Für Serge Aubin beginnt die Saison erst Mitte Oktober, nachdem sich dieser das Knie einer Operationen unterziehen lassen musste. Er befindet sich bereits im Aufbautraining. Alle übrigen Spieler, was die Ansage von Coach Pelletier bedeutet: Ihre Unzulänglichkeiten auf ein Minimum zu reduzieren und die eigenen Fans mit gutem Eishockey in Extase zu versetzen.
Unglaubliche Fangemeinde
Auf die Fans können sich die Fribourger auch in der neuen Saison verlassen. Diese haben die verrückten Anhänger eindrücklich in der letzten Meisterschaft bewiesen. Bis auf zwei Heimspiele (Zug am 15.9.09 und Kloten am 27.10.09) hiess die Durchsage in der damaligen „Patinoire de St-Léonard“ – heute FBK-Arena – immer wieder: Ausverkauft! Durch einige bauliche Massnahmen wurde die Kapazität von 7'000 auf 6'900 reduziert. Vor allem den Rollstuhlfahrern und anderen Fans mit einer Behinderung wurde dabei Rechnung getragen. Dazu meinte Pelletier: „Es ist unglaublich, wie unsere Fans hinter der Mannschaft stehen. Dies ist ein Grund, warum das Team immer wieder über sich hinaus wachsen kann. Die Spieler würdigen den Aufmarsch immer wieder mit gutem gar überdurchschnittlichem Engagement. Ich hoffe, dass meine Spieler auch in der neuen Saison zu würdigen wissen.“
Infrastruktur muss verbessert werden
Coach Pelletier nahm zur Frage der Infrastruktur jedoch kein Blatt vor den Mund und meinte: „Es ist klar, dass ich resp. das Team Wünsche haben. Doch diese kann Gottéron nicht alleine stemmen, sondern ist auf die Stadt Fribourg angewiesen. Die Garderoben sind noch zweckmässig, doch Sanierungen stehen mittelfristig zur Behebung an.“ Vor allem grosse Abstriche müssen die Fans – hockeyfans.ch berichtete – bei den zur Verfügung stehenden Parkplätzen machen. Warum? Die Poya-Brücke wird vergrössert und gleichzeitig entsteht eine SBB-Haltestelle St-Léonard, welche auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2011 in Betrieb genommen werden soll. Die Stadt Fribourg ist den Fans aber nur mässig entgegen gekommen. Das Eintrittsbillett berechtigt zur Gratisanreise auf den städtischen Buslinien 1 bis 7. Was die Anhänger aber ärgern könnte ist die Tatsache, dass in gewissen Bereichen um die „FBK-Arena“ bei den Parkplätzen diese zur Kasse gebeten werden.