Wohin gehts nach Europa? Der SC Bern und die ZSC Lions nehmen an der European Trophy teil und lassen der Rest der NLA für sich alleine. Foto: Sandro Stutz

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Die europäische Krone der Vorsaison

Von Martin Merk

Dieses Jahr in der Vorsaison ist alles ein bisschen anders als auch schon. Nicht nur ticken die Uhren rückwärts, wie es das neue Regelbuch vorsieht. Die beiden finanzkräftigsten Clubs SC Bern und ZSC Lions kapseln sich vom Rest der Liga ab und nehmen an der European Trophy teil. Nach dem Abbruch der Champions Hockey League setzten einige europäische Top-Clubs mit einer "Vorsaison-CHL" ein Zeichen, welches in zehn Tagen mit dem Red Bull Salute in Salzburg als Finalturnier endet. Im Hintergrund steht auch die Idee einer Euroliga.

Wer ist der beste Club Europas? Diese Frage ist derzeit nicht einfach zu beantworten. Der letzte Vergleich liegt rund 18 Monate zurück als die ZSC Lions die Silver Stone Trophy, der offizielle Pokal für europäische Clubmeister der IIHF, gewann nach einem überraschend deutlichen 5:0-Sieg über Metallurg Magnitogorsk. Seither fehlt es an Vergleichen.

Die Champions Hockey League war nach dem Europacup und der European Hockey League der dritte Anlauf der IIHF einen Modus für Europa zu finden, der alle zufrieden stellt. Während bei der Euroliga das Interesse wegen zuwenig Preisgeld und zu vielen Spielen schwand, schien die CHL auf gutem Wege zu sein. Sie hatte Klasse, Prestige, war auffällig vermarktet, medial gut abgedeckt und es ging um viel Geld. Diesmal war es jedoch nicht zu wenig, sondern zu viel Geld, das die CHL gekostet hat, so dass die krisengeschütteten russisch-schwedischen Investoren nach einem Jahr ausstiegen.

Letzten Winter fanden neue Gespräche mit einem neuen Vermarkter und den Ligen statt. Mit markt-realistischeren Geldmengen und mit den Ligen als Mitinhaber, ohne dabei selbst Geld in die Hand nehmen zu müssen. Einige Ligen lehnten jedoch ab, weil ihnen der Vertrag zu lange war.

Der europäische Markt ist derzeit umkämpft. Während die IIHF sich um das Modell einer Champions League bemüht und damit auch ihre Mitgliedverbände und die nationalen Ligen stützen will, gibt es auch drei weitere Interessenten mit anderen Ambitionen.

Die NHL hatte einst Ideen einer "NHL Europe" in der Schublade, diese sind jedoch, wenn überhaupt, dort geblieben und verstaubt. Derzeit zeigen die Nordamerikaner ihre Präsenz mit NHL-Spielen in Helsinki, Prag und Stockholm sowie Testspielen in anderen Städten, darunter Belfast, Liberec, Mannheim, Malmö, Riga, St. Petersburg und Tampere.

Dann wäre mit der russischen KHL ein weiterer "Player" im Markt, der symbolischerweise mit seinem Geldgeber Gazprom in der CHL involviert war, der dort ausstieg. Mit der Gründung der KHL im Jahr 2008 war schon von Beginn an deutlich gemacht worden, dass die Liga ihrem Namen entsprechend "kontinental" sein soll über ganz Europa und eventuell auch Asien. Bislang liessen sich westliche Clubs jedoch nicht von Moskau überzeugen und im Sowjetraum gibt es nur wenige Clubs, die wirklich finanzkräftig sind. Dazu kann kein Team die Lohnkosten von 10 bis 40 Millionen Franken durch das operative Geschäft (Ticketing, Fanartikel, Werbung, TV-Einnahmen) decken. Der Lebensstandard ist tiefer, die Zahlungsbereitschaft auch, weshalb mancher NLB-Club höhere Ticketeinnahmen hat als ein KHL-Spitzenteam. Expansionspläne gab es in weitere ehemalige Sowjetländer (Kiew in der Ukraine, Vilnius in Litauen) sowie nach Schweden, in die Slowakei und Tschechien. Allesamt sind sie jedoch gescheitert und die Liga wurde um eins auf 23 Teams verkürzt. Die enormen Unterschiede innerhalb der Liga und eine gewisse Skepsis gegenüber Russland hat bislang eine kontinentale Eroberung durch die KHL verhindert. Der Plan des Liga-Gründers Alexander Medwedew umfasst bis zu 56 Mannschaften, sollte einst die grosse Expansion gelingen.

Und schliesslich wäre noch die Gruppe HUB um mehrere schwedische Spitzenteams, die sich von ihrer Liga abspalten möchten und "neue Wege fürs europäische Eishockey" suchen. Diese sorgten im Westen für die meisten länderübergreifende Schlagzeilen. Ihre Idee einer finnisch-schwedisch dominierten Euroliga, welche sie gerne 2012 mit 40 Teams starten will, fand ausserhalb von Skandinavien aber bislang bei den benannten Clubs (SCB und ZSC aus der Schweiz) noch nicht den grossen Enthusiasmus, den die Machen mit sich bringen. Im Gegensatz zur CHL wäre es eine von den nationalen Ligen abgespaltete, elitäre Liga von und für europäische Spitzenclubs mit wirtschaftlichem Potenzial und Renommée. Ausserdem hat sie bereits ein erstes Resultat ihrer Ambitionen ans Tageslicht gebraucht mit der European Trophy, einer Vorsaison-Liga, die aus der finnisch-schwedischen Nordic Trophy hervorgeht. Es ist eine Art "CHL der Vorsaison", jedoch von den Clubs organisiert, welche vor allem nach wirtschaftlicher Attraktivität gewählt wurden. Es sind solche Clubs, welche die Schweden gerne in der Euroliga mit dabei hätten. Damit wollen die Macher und die beteiligten Clubs auch ein Zeichen setzen für einen europäischen Wettbewerb und ihre Bereitschaft zur Eigeninitiative. Auch die Bereitschaft, den eher nordamerikanischen Weg zu gehen und die Standorte selbst zu finden, anstatt den Weg "Champions League" wie in anderen Sportarten in Europa üblich, wo die Clubs alljährlich durch eine sportliche Qualifikation müssen.

Gewinnbringend ist die Idee in ihrem ersten Jahr für die Clubs noch nicht. Das Preisgeld finanzieren sie durch Einzahlungen selbst, ebenfalls die Reisen zu Auswärtsspielen. Übrig bleiben ihnen die Zuschauereinnahmen sowie die Fernsehrechte.

Kommerziell haben die Clubs ganz unterschiedlichen Erfolg. In Deutschland etwa vermochten die Adler Mannheim und die Eisbären Berlin durchaus Enthusiasmus zu verbreiten und spielen vor bis zu 10 000 Zuschauern. Die Adler Mannheim waren der Zuschauerkrösus mit 7212 Fans im Schnitt. Andere Clubs haben die European Trophy nicht ganz so euphorisch vermarktet. Der SC Bern, die ZSC Lions und ein paar andere Clubs nutzen den Anlass für Werbung im Hinterland. In Langenthal und Wichtrach wollten im Schnitt nur 511 Fans den SCB sehen, womit sich ausgerechnet der sonst als Publikumsmagnet berühmte Club am anderen Ende der Skala befindet und noch Potenzial nach oben hat, etwa wenn die Berner am Samstag den österreichischen Ligakrösus Red Bull Salzburg in der PostFinance-Arena empfangen zu einem möglicherweise entscheidenden Spiel um den Einzug zum Finalturnier Red Bull Salute in Salzburg.

Wenig umstritten ist hingegen der sportliche Gehalt dieser neuen Art der Vorsaison. Top-Clubs von sämtlichen wichtigen europäischen Ligen bis auf die russische KHL sind im Event mit von der Partie. Die Schweden (Djurgården, Färjestad, Frölunda, HV71, Linköping, Malmö) und die Finnen (HIFK, Jokerit, Tappara Tampere, Turku) stellen dabei die meisten Teams. Dazu kommen der SCB und der ZSC aus der Schweiz, die Adler Mannheim und Eisbären Berlin aus Deutschland, Red Bull Salzburg (Österreich), Sparta Prag (Tschechien) und Vålerenga Oslo (Norwegen). Eingeteilt sind diese in zwei Divisionen à neun Mannschaften, wobei jeweils die besten vier weiterkommen, jedoch Red Bull Salzburg gesetzt ist. Damit müssten die Schweizer Teams in ihrer Gruppe eine der ersten drei Ränge erreichen, die noch sehr umstritten sind.

Sportlich haben die Schweizer Teams vor allem in der Offensive von sich reden gemacht. Der SC Bern ist mit 22 Toren auf Rang zwei, die ZSC Lions mit 19 auf Rang vier. Jedoch sind sie mit 22 kassierten Treffern auch das Team mit der schlechtesten Defensivbilanz. Entsprechend erfolgreich sind die Schweizer Clubs auch in der Scorerliste mit Brett McLean (1. Platz, Bern, 3 Tore, 6 Assists) und Domenico Pittis (5. Platz, ZSC Lions, 3 Tore, 4 Assists) unter den Top-5, Duvie Westcott (7 Assists) als bester Verteidiger und Assist-Leader sowie Andres Ambühl (5 Tore) als Torschützenkönig zusammen mit Kris Beech von HV71.

Gespielt wurde hauptsächlich am Mittwoch, Freitag und Samstag - so auch diese Woche, wenn die Vorrunde zu Ende geht. Die ZSC Lions treten dabei morgen in Zell am See gegen Red Bull Salzburg an bevor sie am Freitag (20 Uhr) in Küsnacht den SC Bern empfangen. Der SCB wartet noch bis zum helvetischen Duell am Freitag und empfängt am Samstag (18 Uhr) Red Bull Salzburg in der PostFinance-Arena. Die grösste Chance auf eine Platzierung unter den Top-3 hat momentan der SCB. Dafür müssen die Meisterjungs von Larry Huras aber wohl zwei Siege erringen und darauf hoffen, dass sie nicht noch von TPS Turku (ein Punkt und ein Spiel weniger) vom dritten Rang verdrängt werden.

Bislang am erfolgreichsten mit bloss einer Niederlage waren die finnischen Clubs Jokerit Helsinki und Kärpät Oulu sowie HV71 Jönköping aus Schweden. Diese drei Teams sind praktisch schon fürs Finalturnier qualifiziert. Man darf gespannt sein, welche Mannschaft am Ende in Salzburg die European Trophy in die Höhe stemmen darf.

Spannend wird aber auch auf der politischen Ebene zu erwarten sein, denn die Bereitschaft der Clubs, so einen Anlass aufzuziehen, wird zweifellos zu Diskussionen Anlass geben, ob es zu einer Euroliga kommen soll, oder doch lieber zu einer Champions League, oder auch zu gar nichts von beidem.