| Kovalchuks Vertrag als Wendepunkt? |
Mit dem Langzeitvertrag über 17 Jahren haben sich die New Jersey Devils und Ilya Kovalchuk in die Interessen der Medien und der Liga gespielt. Die NHL ging sogar soweit und lehnten den Vertrag ab. Damit wurde eine neue Grenze des Vertragswesen durchbrochen, die noch in Zukunft für Gesprächsstoff sorgen wird und eine neue Ära einleiten könnte.
Nach zweiwöchigem Rätselraten über die Zukunft des russsichen Unrestricted Free Agent Ilya Kovalchuk kamen die New Jersey Devils, bei denen er auch die letzte Saison beendete, als Sieger hervor. Der Vertrag den "Kovy" unterschrieb dauert über 17 Jahre und würde ihm 102 Mio. $ bringen. Doch nur wenige Tage nach der Bekanntgabe der Vertragsverlängerung lehnte die Liga die Gültigkeit des Vertrages ab. Kovalchuks Salär ist in den ersten Jahren sehr hoch dotiert und in den letzten Jahren mit dem Minimum. Am Ende des Vertrages wäre Kovalchuk im Alter von 44 Jahren und alle sind der Meinung, dass Kovalchuk bereits früher aufhört Eishockey zu spielen. Weil bei der Berechnung des Salary Caps der Durchschnittslohn (Cap hit) zählt, kommt Kovalchuk auf einen Cap hit von 6 Millionen. Daher ist die Liga der Auffassung, die New Jersey Devils wollen mit diesem Langzeitvertrag den eigenen Salary Cap umgehen und diesen runterdrücken. "Der Vertrag wurde von der Liga abgehlent, weil dieser Vertrag eine Umgehung des Collective Bargaining Agreement ist", sagt Deputy Commissioner Bill Daly.
Wie nun weiter?
"Wir haben nichts falsch gemacht. Dieser Vertrag ist innerhalb der Regelung und wir verstossen keinerlei gegen den CBA", sagt New Jersey Devils General Manager Lou Lamoriello. Und genau das dürfte die Liga verärgern. Denn tatsächlich ist der Vertrag rechtlich korrekt. Denn obwohl es unrealistisch zu sein scheint, dass Kovalchuk seinen Vertrag bis zum Ende durchzieht, ist es dennoch möglich. Auch andere Spieler haben gezeigt, dass man in diesem Alter noch fähig ist, Eishockey zu spielen. Ein weiterer heikler Punkt ist, dass es bereits vor diesem Hin und Her solche Langzeitverträge gegeben hatte und schlussendlich auch alle von der Liga akzeptiert wurden. Die Spielergewerkschaft NHLPA hat nun seit Mittwoch fünf Tage zeit, Einspruch gegen dieses Urteil der Liga zu erheben. Falls dies geschieht wird ein Schiedsrichter entscheiden müssen, ob der Vertrag gültig oder ungültig ist. Wenn sich tatsächlich herausstellen würde, dass die Ablehnung der Liga gerecht ist, so wäre Ilya Kovalchuk wieder ein Unrestricted Free Agent und das ganze begänne wieder von vorne. Und auch falls die NHLPA gar keinen Einspruch erheben würde, wäre Kovalchuk erneut ein vertragsloser Spieler. Da neben den New Jersey Devils auch noch andere Vereine Interesse am russischen Torjäger zeigten, könnte sich GM Lamoriello also mit diesem Vertrag ins eigene Fleisch geschnitten haben.
Auswirkungen auf die Zukunft?
Die ganze Angelegenheit wird zusätzlich heikel, weil der CBA auf die Saison 2011/12 neu ausgearbeitet werden muss und eine erneute Unterbrechung des Spielbetriebes droht. Denn die NHL spricht seit einiger Zeit den Unmut gegenüber solchen Langzeitverträgen aus und will dies ändern. Es wurden in der Vergangenheit Verträge untersucht, schlussendlich aber immer bewiligt. Nun sieht es so aus, als wolle die Liga die Notbremse betätigen. Denn der Kovalchuk Vertrag sprengt bis anhin alle dagewesenen Rähmen. Kein Spieler hat einen solchen langen Vertrag wie der Russe unterschrieben. Doch die verzweifelte Art der Liga gegen Langzeitverträge vorzugehen, scheint eher eine Kurzschlussreaktion als eine konstruktive Lösung. Denn das sich gewisse Parteien unverhältigsmässig benachteiligt fühlen, falls der Kovalchuk Vertrag nicht genehmigt wird, dies jedoch mit anderen Langzeitverträgen nicht geschah, ist menschlich. Falls eine Änderung des Vertragswesen angestrebt werden will, muss dies während den neuen Verhandlungen des CBA geschehen. Eine Möglichkeit wäre, dass die Vereine bei einem Rücktritt eines Spielers dessen ganzen Vertrag zu Ende bezahlen müssten. Dadurch wäre in diesem Fall Kovalchuk bis in 17 Jahren auf der Liste des Caps der Devils. Natürlich würde auch diese Variante Schattenseiten hervorbringen. Dennoch sollte die Liga gewillt sein, eine Änderung im CBA vorzunehmen. Denn falls dies nicht geschieht, wäre eine neue Ära im Vertragswesen eingeläutet. Die Selbstregulierung, die in der heutigen Zeit wie ein Fremdwort wirkt, wird nicht greifen. Und so würden die Verträge der Spieler immer länger und die Saläre immer wiedersprüchlicher.