Seit Beat Kaufmann zum EHC Basel kam, konnte er sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Foto: Martin Merk (auf Bild klicken für MMS)

Die Talsohle ist durchschritten

Von Lars Gansäuer

Der EHC Basel kämpfte nach seinem Abstieg aus der NLA zwei Jahre lang um seine Existenz. Auch wenn für die dritte Saison noch nicht alles in Butter ist, so gaben die Sharks mit der Playoff-Teilnahme im Frühjahr dennoch ein beachtliches Lebenszeichen von sich.

Rund um das Eishockey in Basel stösst man auf Gegensätze: Das Fussballstadion ist voll und die Eishalle nicht. Der FCB holte den Meistertitel und der EHC nicht. Bei Rot-Blau gibt es eine finanzstarke Mäzenin, bei Rot-Schwarz-Weiss nicht. Aber auch rein auf das Hockey bezogen, sind die Gegensätze enorm: Die Joggeli-Arena lässt jeden Gast vor Neid erblassen, doch der Absturz nach dem Abstieg aus der National League A lässt die Gesichter der treuen EHC-Fans bleich werden. Doch jetzt ist die Talsohle durchschritten. Das Leiden der Hockeyfans am Rheinknie scheint beendet.

Es begann schon lange vor dem 8. April 2008, dem Tag des sportlich überdeutlichen Abstiegs aus der National League A. Beinahe das gesamte Tam verliess den Club und mit Kari Rauhanen kam auch ein neuer Trainer, der nicht nur bei 0, sondern bei 0,0 anfangen musste, wieder einen Stein auf den anderen zu setzen. Weil zudem auch kaum mehr ein müder Rappen in der Vereinslasse aufzutreiben war, strebten die Basler eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Vereinen der Region an – nicht zuletzt um den Spielern aus dem Dreiländereck eine Perspektive im Profi-Eishockey bieten zu können. Der Hai, der seit einem Jahr den Vereinsnamen des EHC Basel ergänzt, wurde gewählt, um einerseits dieser vereinsübergreifenden Zusammenarbeit ein Symbol zu geben und gleichzeitig wurde damit ein Versuch gestartet, den Verein nach aussen hin besser darzustellen, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer und Fans zu gewinnen und diese in die Halle zu locken.

CEO Beat Kaufmann, vielen Insidern noch aus seiner Zeit beim HC Lugano bekannt, machte sich fortan daran, junge Talente mit Potenzial in der ganzen Schweiz aufzustöbern und diese gemeinsam mit jungen Spielern aus der Region zu einem Team zusammenzustellen. Im ersten Jahr nach dem Abstieg war es ein Ritt auf der Rasierklinge: Zeitweilig musste sich Kaufmann vorkommen wie ein Bettler mit leeren Taschen, der Spieler für ein Team brauchte, dass den Niedergang des Basler Hockeys zu verhindern hatte.

Und der Sportchef und Geschäftsführer in Personalunion machte sich kaum Freunde in der Basler Sportszene, denn er wurde schlicht nicht verstanden. Er machte alles ein wenig anders und liess sich dabei auch nicht beirren. Als bestes Beispiel hierfür steht die Trainerfrage: Seit knapp zwei Jahren forderte man im Umfeld ständig den Kopf des Trainers – doch Kaufmann hielt mit stoischer Ruhe an Rauhanen fest, weil er spürte, dass Mannschaft und Trainer eine Einheit bilden. Objektiv betrachtet war dies tatsächlich so, denn die Sharks schickten zu Saisonbeginn das jüngste Team der Liga ins Rennen. „In diesem Jahr dann sollte es voran gehen, aber was wir durchmachen mussten, vor allem mit langwierigen Verletzungen von Leistungsträgern, das war schon hart“, musste Kaufmann zugeben. „In den letzten Wochen der regulären Saison spielten wir bereits unsere eigenen Playoffs. Jede Woche drei Spiele und immer im Kampf um den achten Platz.“ Auch die Youngsters auf dem Eis mussten ständig Rückschläge einstecken. Immer wieder wurden sie zurückgeworfen, doch die Basler Puckjäger hielten zusammen und arbeiteten gemeinsam und hart am grossen Ziel, der Playoff-Teilnahme.

Als dann das grosse Saisonziel erreicht war und der EHC Basel endlich wieder einmal eine Saison als Erfolg verbuchen konnte, stellte Kaufmann den Trainer doch noch vor die Türe. Wieder gab es Kopfschütteln von allen Seiten. „Ich war mit dem Trainer einig, dass wir dem Team für den Playoff-Kampf neue Impulse geben müssen“, berichtet der Sportchef über sein Gespräch mit dem Coach. „Kari rechnete nicht mit der Freistellung, aber er weiss, dass es nicht gegen ihn gerichtet ist. Er hat eine tolle Arbeit geleistet und wir haben ihm viel zu verdanken, aber weil schon lange feststeht, dass er zum Saisonende den Verein verlassen wollte, haben wir durch den sofortigen Wechsel zu Adrien Plavsic der Mannschaft gegenüber ein Zeichen gesetzt. Es war ein letzter Versuch, in den Spielen gegen Visp das scheinbar unmögliche Möglich zu machen.“ Auch wenn der erhoffte Ruck durch die Mannschaft ging, ist diese Massnahme dennoch eher als ein Flop zu werten. Ein Trainer ist mehr als ein einfacher Angestellter und nach allem, was Rauhanen in den letzten zwei Jahren mitmachen musste, welche Knochenarbeit es war, ist der Schritt mit einer kurzfristigen Freistellung doch etwas zu respektlos.

Aber dennoch: Das Signal, die Playoffs erreicht zu haben, ist für das Umfeld ein wichtiger Fingerzeig, wie auch Pascal Suter, Marketingleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bestätigt: „Die Sponsoren und Gönner im Basler Eishockey haben gesehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Auch in seinem Ressort gibt es wieder eine Perspektive, das Fundament zu verbreitern und mit neuer Euphorie an die Realisierung kommender Projekte zu gehen.

Und auch wenn nach dem Saisonende wieder einmal erst wenige Spieler unter Vertrag stehen und es mit Dany Gelinas zuerst einen Trainer zu verpflichten gab, so ist die Playoff-Teilnahme doch das wichtigste Zeichen, dass es im Basler Eishockey aufwärts geht. Erstmals seit langer Zeit kann man sich in Basel mit einem Eishockeytrikot wieder lächelnd auf die Strasse wagen – nicht mehr nur in der Fasnachtszeit.

Für die neue Saison steht ein 24-Mann-Kader unter Vertrag und als Nächstes steht für die Fans „Basel Summer Ice Hockey 2010“ dick im Kalender. Dass wird das Eishockey für einmal um eine Klasse besser sein als normal. Mit dem SKA St. Petersburg kommt erneut eine der besten Mannschaften Europas in die St. Jakob-Arena, dazu mit Barys Astana aus Kasachstan ein weiterer KHL-Club, der Vizemeister Genf-Servette, Pardubice und Slovan Bratislava. Und natürlich die Basel Sharks.