Die Swiss Bears feiern einen Sieg zum Meistertitel mit Jakob Kölliker (links), Marco Torriani (Nr. 9) und Torhüter Andy Jorns (rechts). (auf Bild klicken für MMS)

Als Swiss Bears Südafrika eroberten

Von Martin Merk

Südafrika ist bei Sportfans momentan in aller Munde, schliesslich ist es wieder mal ein Sommer, in dem die Fussball-Weltmeisterschaft viele Menschen auf aller Welt in den Bann zieht. Doch einst gab es am Kap der guten Hoffnungen auch internationale Eishockey-Stars zu sehen – insbesondere aus der Schweiz. hockeyfans.ch sprach mit dem bisherigen SCB-Goalietrainer Andy Jorns, bevor im Teil 2 Köbi Kölliker von seinen Erfahrungen aus jener Zeit erzählt.

Bernhard Burri war dort, Emil Handschin, Guido und Markus Lindemann, auch der heutige Spengler-Cup-OK-Chef Fredy Pargätzi, der ehemalige Servette-Präsident Marco Torriani oder IIHF Hall of Famer Jakob "Köbi" Kölliker. Und im Tor Andy Jorns, der als SCB-Goalietrainer zurückgetreten ist. Südafrika war eine Art Sommer-Mekka für Schweizer Eishockeyspieler in einer Zeit, als Verträge per Handschlag geschlossen wurden, es keine Arbeitsverträge oder gar Agenten im heutigen Sinne gab und das Amateurtum schon gar kein Sommertraining wie in den heutigen Tagen vorsah. Doch dafür gab es die südafrikanische Meisterschaft über die Sommermonate, wenn es in der Schweiz heiss, im Süden das schwarzen Kontinents aber kühl ist.

Während heute die Liga heute aus einheimischen Amateuren besteht und Kapstadt nächstes Jahr Austragungsort der gerade mal vierthöchsten und tiefsten WM-Spielklasse sein wird gegen andere Grossmächte aus Israel, Luxemburg, der Mongolei, der Türkei und der Vereinigten Arabischen Emirate, so lockte sie in den 70er-Jahren als eine Art Halbprofi-Liga Spieler vor allem aus Kanada (mit dem Team „Maple Leafs“), der Schweiz („Swiss Bears“), Österreich („Edelweiss“) und Deutschland an.

Der ehrwürdig Wembley-Eishalle genannte Spielort war fast immer mit 3500 Fans gefüllt. Der Sportfan Hymie Sofer, der die bereits 1937 gebaute Halle kaufte, finanzierte die Liga wesentlich mit wie auch der Verbandspräsident Otto Hertz, der in Südafrika Garagen des gleichnamigen Autovermieters hatte, aus deren Familie er abstammte.

Die Swiss Bears wurden ebenfalls durch einen Eishockey-Fan aufrechterhalten. René Burkhalter war beim EHC Basel in den Amateurteams tätig und war ein Gönner des damaligen Spitzenclubs, bevor er als Geschäftsmann nach Südafrika zog. Von Basel nach Südafrika kam später auch ein damaliger Spieler, Marco Torriani, nach, der nicht ganz das Talent hatte wie sein dortiger Trainer und Vater, die Spielerlegende Richard "Bibi" Torriani, doch dafür lief es ihm als Hotelier umso besser und in Südafrika konnte er auch einige Spieler beherbergen und gleichzeitig dem Team in verschiedenen Positionen helfen.

Nur nicht im Tor. Dies war beim Titelgewinn 1974 die Aufgabe des Andy Jorns, der uns von seinen Eindrücken und seinen Zukunftsplänen erzählte.

Wie kam es, das du damals in den 70er-Jahren in der südafrikanischen Liga landest?

Es war etwas Spezielles. Ich war sehr jung, erst 23. Bernhard Burri war früher dort und sie suchten einen Goalie. Ich hatte drei Tage Zeit, um mich zu entscheiden. Marco Torriani hatte das Hotel Santa Barbara und war auch Spielertrainer. Peter Schmid war auch dabei, Bruno Zahnd, auch einige, die nach Südafrika ausgewandert sind.

Wie kann man sich das Leben damals als Eishockeyspieler überhaupt vorstellen? Viel Geld gab es ja nicht.

Ich bekam 3000 Franken (nach heutigem Wert etwa 7000 Franken) im Jahr beim SC Bern und arbeitete nebenbei als Radio-TV-Elektriker, oder eben umgekehrt, man spielte Eishockey nebenbei.

Und wie lief dies in Südafrika?

In Südafrika waren die Reise und der Aufenthalt bezahlt und pro Spiel erhielt ich 20 Rand, das waren damals 80 Franken, dazu arbeitete ich.

Hört sich ein bisschen nach einem Abenteuer an.

Ja, es war schon bisschen abenteuerlich. Es waren drei Mannschaften. Wir, einige Kanadier, die Maple Leafs, die teilweise auch in Europa spielten, und Edelweiss, die Österreicher.

Wie war denn so der Ablauf?

Wir hatten immer am Dienstag gespielt und kamen auf sechs Spiele. Es gab also immer Zeit, um Südafrika anzuschauen. Dazu hatten wir auch Exhibitionsspiele in anderen Hallen. Ich kann mich etwa an Durban erinnern, eine ovale Eisfläche, die nur zehn Meter breit war.

Gab es denn viele Leute, die Eishockey schauten damals?

Die Stimmung in Johannesburg war sehr gut. Sie nannten die Halle ehrenvoll Wembley und es hatte bis gegen 4000 Leute. Es waren vor allem Europäer. Es gab damals rund 40 000 Deutsche und 10 000 Schweizer in Johannesburg. In die Halle durften zu dieser Zeit aber nur Weisse.

Was hast du dir denn so angeschaut in Südafrika, wenn ihr Zeit hattet?

Wir reisten in den Krueger-Park. Von Johannesburg gingen wir nach Kimberley zum grössten von Menschenhand erschaffenen Loch (für die Diamantan-Förderung). Wir fuhren nach Kapstadt und von dort nach Durban. Danach reiste ich auch noch nach Rhodesien (heute Zimbabwe) und zu den Victoria-Wasserfällen.

Und wie war das Leben so in Johannesburg?

1973 hatte man noch kein Fernsehen in Südafrika, da traf man sich in illegalen Beizen. Ich lernte in Südafrika auch meine Frau kennen, eine Schweizerin, die dort arbeitete.

Du hast ja den SC Bern als Goalietrainer verlassen und dich geäussert, dass du nun genug vom Eishockey hast.

Ja, jetzt werden wir erst einmal eine Weile reisen, solange wir noch mögen. Wir haben ein Exhibitionsfahrzeug auf Basis eines Toyota Landcruisers und werden in Marokko beginnen und danach nach Südamerika. Wir lange es geht, wissen wir aber noch nicht, es ist "open end".

Am Freitag: Wie Köbi Kölliker Südafrika erlebte.