| Niederreiter und seine Chance auf Long Island |
Am NHL Entry Draft 2010 in Los Angeles wurde Nino Niederreiter an fünfter Stelle von den New York Islanders gezogen. Somit beginnt für den jungen Schweizer sowie für das Schweizer Eishokey eine neue Ära.
Der Ort um Geschichte zu schreiben konnte von der NHL nicht besser ausgewählt werden. In Los Angeles, der Stadt der Engel, Filmemacher und Geschichtenschreiber, wurde ein neuer Star geboren. Es war an einem warmen Sommerabend im Staples Center, der Heimat der Los Angeles Kings und der Lakers, am Fusse der Innenstadt. Dort wo normalerweise die Eisfläche ist, waren die Vereine mit ihrem Management vertreten. Die ersten vier Spieler wurden gezogen. Dann kamen die New York Islanders an die Reihe. Als General Manager Garth Snow der Name des Schweizers aufrief, war wohl selbst Niederreiter selber überrascht. Er habe kurz vor seinem Aufruf auf sein Handy geschaut, wurde er in einer Zeitung zitiert. Als Fünfter in einem NHL-Draft gezogen zu werden gelang noch keinem Schweizer. Somit ist er der am frühesten gezogener Schweizer Nachwuchsspieler an einen NHL Draft. Damit liess er Michel Riesen (14. Rang) klar hinter sich. Es war klar, dass Niederreiter in der ersten Runde gedraftet werden wird. Mit seinen herausragenden Leistungen bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada überzeugte er die Talentspäher der nordamerikanischen Klubs. Dennoch rechneten nicht viele Experten mit einem fünften Platz im Draft, denn die Konkurrenz war auch dieses Jahr wieder gross. Was aber bedeutet dieses Ergebnis für den Bündner und wie stehen seine Chancen im Team, welches aus Long Island stammt?
Islanders: Tendenz steigend
Die jüngste Vergangenheit gehörte bei den New Yorkern dem Wiederaufbau. Die letzten drei Spielzeiten fanden die Playoffs jeweils ohne die Islanders statt. Man beendete allesamt als letztplatzierter in der Atlantic Division. Dennoch gibt das Kader von Headcoach Scott Gordon Hoffnung auf Erfolg. Die jungen, die man dank den schlechten Platzierungen im Draft ziehen konnte, haben ihre ersten Erfahrungen in der NHL gemacht und Supertalent John Tavares hat die Saison einigermassen gut überstanden. Generell haben die Islanders extrem viele junge Toptalente in den eigenen Reihen. Da würde also Nino Niederreiter perfekt in die Mentalität der New Yorker passen. Doch genau dies könnte eventuell auch ein Problem darstellen. Viele gute, junge Eishockeyspieler hatten zu Beginn ihrer Karriere eine „Vaterfigur“, der sie in die Welt des Profisports einführte. Da bei den Islanders viele junge Spieler wichtige Positionen besetzen, fehlen die echten Routiniers. Nur Doug Weight alleine wird dafür nicht ausreichen. Niederreiter wird sich sicher an die Fersen von Mark Streit heften. Da der erfolgreichste Schweizer Eishockeyspieler bereits seine sechste Saison in Angriff nimmt, wird er eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Churers spielen. Er kann für Niederreiter von extremer Wichtigkeit sein. Er kann ihm wichtig Tipps und Tricks geben. Doch ein alter Hase ist auch er noch nicht und es wird interessant zu sehen sein, inwiefern er diese junge Islanders-Mannschaft führen kann.
Daher sind die Islanders in der momentanen Free Agent Phase auf eine Neuverpflichtung aus. General Manager Snow soll an Ilya Kovalchuk reges Interesse zeigen. Der Russe wäre mehr als nur eine Bereicherung für die Isles. Denn der Club auf Long Island sieht sich auch in diversen Problemen wieder. Die Zuschauer zieht es nicht in die Halle, welche auch sehr alt ist. Besitzer Charles Wang will dem Verein eine neue Halle bauen. Falls dies nicht bald geschieht, droht dem Verein ein Wegzug. Daher wäre Kovalchuk zusammen mit jungen Wilden eine perfekte Mischung um zum Erfolg zurück zu kehren und somit auch wieder mehr Personen für Eishockey auf Long Island zu begeistern.
Wie lange noch in der Juniorenliga?
Dass Nino Niederreiter bereits in der nächsten Saison zu gelegentlichen Einsätzen in der NHL kommt, ist nicht sicher. Vor allem wegen der vertraglichen Situation wird es wahrscheinlich sein, dass Niederreiter spätestens während der Saison zu den Portland Winterhawks in die WHL zurückkehrt. Die Islanders haben die Rechte an Niederreiter gesichert, ohne dass er überhaupt einen Vertrag unterschreiben muss. Wollen sie ihn in der NHL einsetzten, müssen die Islanders ihm einen NHL-Entry-Level-Vertrag anbieten. Dieser läuft über drei Jahre. Doch wenn die Islanders den Schweizer nicht mehr als 10 Spiele einsetzten, würde sich der Vertrag automatisch um ein Jahr verlängern. Diese Verlängerung ist jedoch nur einmal möglich, was so viel heisst wie, dass der Vertrag dann anläuft, auch wenn er keine Partie in der NHL spielt. Der Vertrag zwischen der NHL und der CHL (Canadian Hockey League) sagt aus, dass Niederreiter bei einer Degradierung nach 10 Spielen sofort wieder zu seinem Juniorenteam stossen wird. Da Niederreiter noch nicht 20 ist und aus der CHL gedraftet wurde, darf er vorerst nicht in die AHL, solange sein Juniorenclub im Einsatz steht. Aus diesen Gründen ist es fraglich, ob die Islanders Niederreiter länger als zehn Spiele auflaufen lassen, da sie sonst den Vertrag mit Niederreiter ein Jahr früher erneuern müssten. Selbiges geschah letzte Saison bei Luca Sbisa (Anaheim).
Dennoch ist es durchaus denkbar, dass Niederreiter ein paar erste Atemzüge in der besten Liga der Welt atmen kann. Gleichzeitig wäre auch möglich, dass der Schweizer noch zwei Jahre in der CHL spielen würde. Denn man wird bei den Islanders nicht gewillt sein, Niederreiter schon zu früh zu überstrapazieren. Nächste Saison wird wohl nochmals eine unter dem Motto „Erfahrungen sammeln“ geben. Am besten mit ein paar Playoffspielen inbegriffen. Zuerst werden diese Saison wohl Spieler wie Calvin de Haan und Jesse Joensuu in das bestehende System einbauen wollen.
Wann nun Niederreiter seine ersten Schritte in der besten Liga der Welt machen wird, ist egal. Bereits jetzt sprengt der Junior alle bis dahin da gewesenen Rahmen. Nino Niederreiter hat das Potenzial, zum besten Schweizer Eishockeyspieler aller Zeiten zu werden.