Nino Niederreiter gibt bei der Schweizer WM-Sensation in Mannheim gegen Kanada einen Schuss ab. Foto: Michael Zanghellini (auf Bild klicken für MMS)


Niederreiter bei der U20-WM in Kanada. Foto: Christian Häusler (auf Bild klicken für MMS)

Nino Niederreiter: Top-10 möglich

Von Urs Berger

Im kommenden Draft könnte Nino Niederreiter als erster Schweizer Eishockeyspieler überhaupt unter den zehn Besten seines Jahrgangs gezogen werden. Und damit Geschichte im Schweizer Eishockey schreiben. Ziemlich sicher ist indes, dass er der vierte Schweizer Erstrunden-Draft wird.

Im kommenden Draft in Los Angeles sind die ersten beiden Plätze mit Tyler Seguin und Taylor Hall besetzt. Danach folgen mit Cam Fowler und Erik Gudbranson zwei weitere Spieler, welche die Plätze unter sich ausmachen werden. Anschliessend wird es spannend und interessant werden. Denn ab Platz fünf kann damit gerechnet werden, dass Nino Niederreiter gezogen wird. Die potenziellen Klubs bis auf den zehnten Platz sind, in loser Reihenfolge, die New York Islanders, die New York Rangers, Tampa Bay Lightning, Carolina Hurricanes, die Florida Panthers und die Atlanta Thrashers. Welcher dieser Klubs wird am Freitag Nino Niederreiter ziehen? Zeit zu spekulieren ist noch genügend vorhanden. Wir schliessen uns diesen Spekulationen an und wagen eine eigene Prognose.

Erste Plätze sind klar vergeben

Als erste Franchise eröffnet Edmonton den Draft. Die Oilers haben sich in der Lotterie der schlechtklassiertesten Teams gegen Boston, Florida, Colorado und die New York Islanders durchsetzen können. Die meisten Experten gehen davon aus, das Edmonton Taylor Hall als ersten Spieler ziehen werden. Der zum zweiten Mal am Memorial Cup zum MVP gewählte Hall vermochte auch an der U20-WM zu überzeugen. „Taylor Hall ist für mich die klare Nummer eins. Er war in der OHL der beste Spieler und vermochte auch dann Verantwortung zu übernehmen, wenn diese gebraucht wurde. Er ist zum jetzigen Zeitpunkt der komplettere Spieler. Tyler Seguin ist für mich als Nummer eins jedoch nicht auszuschliessen. Es kommt darauf an, wo man den Spieler in fünf Jahren sieht“, führt ein langjähriger Scout im Telefongespräch mit hockeyfans.ch aus, der aus vertraglichen Gründen nicht genannt werden will. Anders sieht dies sein Trainer Mike Velucci von den Portsmouth Whalers. „Ich weiss, dass ich vorbelastet bin. Denn ich habe Tyler Seguin in mein Team geholt und ihn ausgebildet. Ich sage nicht, dass Taylor schlechter sei als Tyler. Aber in dieser ganzen Diskussion sollte man doch auch sehen, wie die Entwicklung von Hall und Seguin waren. Vor einem Jahr wurde Hall ebenfalls nicht in die U20 aufgeboten, weil er noch nicht bereit war. Dies war dieses Jahr auch bei Seguin der Fall. Vergleicht man die beiden mit ihrer jeweiligen Leistung in ihrer Altersstufe, dann ist Seguin der bessere und komplettere Spieler. Wenn ich in der Verantwortung wäre, würde ich ihn als erste Wahl nehmen“, führt sein Coach gegenüber TSN aus. Anzumerken ist, das Taylor Hall nur etwas mehr als zwei Monate älter ist als Seguin und Seguin Jahrgang 1992 hat. Unsere Prognose ist, das Hall von Edmonton gezogen wird. Danach werden die Bruins mit Seguin Vorlieb nehmen (müssen).

Überraschung durch die Isles?

Ähnlich eng kann es zwischen Cam Fowler, Erik Gudbranson und Brandon Gromley werden. Alle drei Spieler sind Verteidiger und verfügen in etwa über die gleichen Qualitäten. „Diesen drei Kampf möchte ich nicht entscheiden müssen“, führt der Scout im Gespräch weiter aus. „Alle drei haben ihre Spezialitäten und ihre Stärken und Schwächen. Es kommt ganz darauf an, wie das Team in den nächsten Jahren aufgebaut werden soll. Welche Qualitäten mehr geschätzt werden und ob man den Spieler sofort in der NHL erwartet, oder ob man ihm noch ein Jahr der Entwicklung zugestehen will oder nicht. Aus meiner Sicht ist eine Prognose hier sehr schwer vorherzusagen.“ Wir wagen dennoch eine Prognose und setzen Erik Gudrandson als Nummer drei, Cam Fowler als Nummer vier und Brandon Gormley auf die fünfte Position.

Nino Niederreiter zu den Carolina Hurricanes?

Oder kann Nino Niederreiter dennoch auf den fünften Platz kommen? Die Frage ist, was machen die New York Islanders mit Ihrem Draft-Pick. Auf Nachfrage von hockeyfans.ch wollte Ryan Jankowski, Assistant General Manager und Verantwortlicher für das Amateur Scouting bei den New York Islanders, keinen Kommentar abgeben. Gut möglich, dass die Islanders zu einer Überraschung fähig wären. Und Niederreiter überraschend an der fünften Position ziehen würden. Denn in der Verteidigung scheinen die Isles für die Zukunft gut gerüstet zu sein. Die Frage ist nur, ob sie dies auch so sehen und aus diesem Grund einen Stürmer ziehen würden. Sollte dem nicht so sein, dann kann Nino Niederreiter bei Tampa Bay, Carolina, Atlanta, Minnesota oder den New York Rangers landen. Aus unserer Sicht wird Niederreiter vermutlich als siebter Spieler gezogen und damit bei den Carolina Hurricanes spielen. Jener Club, bei dem ein gewisser Ralph Krueger im Scouting tätig ist. Zuvor werden Brett Conolly und Erik Gudbranson gezogen. Nach diesen beiden Drafts sollte dann Niederreiter das Dress der Carolina Hurricanes überstreifen können. Danach folgen Ryan Johnson, der Finne Mikael Granlund und Derek Forbort. Damit könnte Nino Niederreiter auch der beste europäische Spieler in diesem Draft werden.

„Dies traue ich Nino Niederreiter durchaus zu. Aber man weiss nie, wie die General Manager die verschiedenen Spieler und den Klub ausrichten wollen. Was noch schwerwiegender wirkt, ist, dass Niederreiter ein Schweizer ist. Und wir in Nordamerika sind einfach auch sehr skeptisch, was die Schweizer Spieler zu leisten und zu leiden vermögen. Ich denke da an Reto von Arx oder an Michel Riesen. Beide sind talentierte Spieler. Aber sie hatten nie den Willen, sich in der NHL durchzusetzen. Und das macht es für Nino so schwer, als erster europäischer Spieler gezogen zu werden. Was ich jedoch gehört habe ist, dass die eine oder andere Franchise bereit dazu wäre, das Risiko einzugehen. Denn immerhin hat er nun bereits eine Saison in der besten Juniorenliga in Kanada bestritten. Und dort mehr Fortschritte gemacht, als erwartet wurde. Kann er diese bestätigen oder sogar im Trainingslager überzeugen, wäre es für mich keine Überraschung, wenn er zuerst einige Spiele für die Franchise spielen würde, ehe er wieder zurück in die Juniorenliga geschickt würde. Um dort zu reifen und besser zu werden. So, wie man dies mit Luca Sbisa gemacht hatte“, führt der Scout weiter aus. Aus unserer Sicht kann dies alles durchaus eintreffen. Wenn Nino Niederreiter noch einmal ein Jahr in den Junioren spielen wird, so ist dies nur zu seinem Vorteil und er kann seine Spielweise weiter verbessern. Um dann in der Saison 2011/12 seine erste ganze Saison in der NHL zu bestreiten. Oder irren wir uns?

Und wie schneiden die anderen Schweizer ab?

Nicht nur Nino Niederreiter kann sich Hoffnungen auf eine Zukunft in der NHL machen. Auch Benjamin Conz hat eine reale Chance gezogen zu werden. Die Frage ist nur, wann dies der Fall sein wird. In der europäischen Scouting-Rangliste wird Conz auf der dritten Position der Torhüter geführt. Desweiteren sind Gaëtan Haas und Joël Vermin potenzielle Kandidaten. Auch sie haben Aussenseiter-Chancen. Oder werden nicht gezogen. Generell werden in diesem Jahr die Spieler, welche in Europa gespielt haben, es nicht einfach haben. Zu gross ist die Konkurrenz in der kanadischen Juniorenliga. Einer der wenigen europäischen Spieler, welcher auch im Nachbarland Deutschland für Furore Sorgen konnte, ist Tim Kühnhackl. Der Sohn der deutschen Spielerlegende kann durchaus ein Spieler sein, der in den kommenden Jahren auch international für Überraschungen sorgen kann. Um dann dort wieder auf Nino Niederreiter zur treffen.