
| „Wir wollten normal trainieren gehen!“ |
Die Saison hatte längst begonnen, als am 29. Oktober 2009 den Young Sprinters Neuenburg die Spielberechtigung von seitens der National League entzogen wurde und gleichzeitig der Club sich aus der NLB zurückzog. Grund dafür waren schwerwiegende finanzielle Probleme innerhalb der Aktiengesellschaft, doch wie konnte es zum Desaster von Neuenburg kommen? Hockeyfans.ch rollt den Fall nun nochmals neu auf.
„Der Tag hat ganz normal angefangen, wir wollten wie jeden Tag auch, trainieren gehen“, schildert Fabian Ganz die tragischen Momente in Neuenburg. „Doch dann kam der Präsident und einige Sponsoren hinein, diese haben gesagt, dass es mit den Young Sprinters vorbei wäre“, schildert der heute 20-jährige Verteidiger weiter. Nach dieser Information seien bereits Mitarbeiter des Konkursamts Neuenburg in der Garderobe gestanden. Das damalige Kader um den Ex-Klotener Nachwuchstrainer Mirek Hybler musste innerhalb von 15 Minuten ihre Sachen zusammen packen und die Garderobe verlassen. Tragische Momente, an denen einem das Eishockey spielen wörtlich vergehen kann.
Lohnkürzungen bereits in den Sommermonaten
Recherchen von hockeyfans.ch ergaben, dass die Spieler des angeschlagenen Neuenburger Clubs, bereits in den Sommermonaten zuvor, eine Lohnkürzung hinnehmen mussten. Dies bestätigte auch Ganz auf Anfrage. „Wir haben schon Ende Juni 2009 rund 20 Prozent weniger Lohn erhalten. Im August erfolgte dann nochmals eine massive Kürzung der Spielerlöhne“, schildert ein anderer ehemalige Young Sprinter, Antoine Morandi, in einem Interview auf der Website des EHC Olten die Ereignisse. Trotzdem bleibt nun die Frage offen, hätte die National League bereits jetzt erste Anhaltspunkte feststellen müssen und so keine Spielberechtigung für den wohl im Sinkflug stehenden Neuenburger Verein ausstellen dürfen?
Der Kommunikationschef der National League Patrick Reber winkt dabei jedoch ab: „Für die Prüfung der wirtschaftlichen Kennzahlen der Young Sprinters Neuchâtel standen den zuständigen Instanzen, wie sich leider erst im nach hinein herausstellte, falsche Angaben zur Verfügung.“ Haben also die Verantwortliche zuständigen Organen der Liga falsche Tatsachen aufgetischt. Leider ist zum heutigen Zeitpunkt von den Verantwortlichen der Neuenburger niemand mehr erreichbar. Trotzdem sagt Reber weiter: „Man kann jederzeit bei einer Bank Darlehen aufnehmen und so die kurzfristigen Liquidität sicherstellen, jedoch muss dieses Darlehen auch einmal wieder zurück bezahlt werden.“ Genau dann schnappt die Schuldenfalle zu. Fakt ist jedoch, dass sicherlich der schwarze Peter nicht beim Lizenzausschuss der National League liegt, sondern bei den Verantwortlichen des Clubs zu suchen ist, denn fakto können nicht sämtliche 22 National League Clubs im Detail unter die Lupe genommen werden. Im Weiteren darf keiner der Gesellschafter in den beiden obersten Königsklassen des Schweizer Eishockey überschuldet sein, denn sonst erhalten die Vereine keine Spielberechtigung.
Droht ein erneuter Fall in der Amateurliga?
Ende Februar 2010 wurde bekannt, dass dem Eishockeyclub Wallisellen ein markanter Schnitt mit der Streichung der zwei besten Teams droht. Doch wollten dies die Eishockeycracks des Zürcher Unterländer Traditionsvereines, der 1964 gegründet wurde, nicht. Anfangs Mai wurde dann klar, dass die 1. Mannschaft weiterhin in den Farben des EHC Wallisellen spielen wird, jedoch werden die Frauen neu in den Farben des EHC Bassersdorf auflaufen. "Wir wollten als Mannschaft zusammenbleiben und habe uns
auf der Such nach Lösungen gemacht. Mit dem Wechsel zum EHC Bassersdorf
haben wir die für uns beste Lösung gefunden", bestätig der Teamleiter des Frauenteams Sandro Brasi.
Hart wird es jedoch in der kommenden Saison für die Spieler des 2. Liga Vereines. Rund 60 000 Franken kostet der Spielbetrieb einen Verein eine Saison in der Amateurliga. Beim EHC Wallisellen kommen rund 10 000 Franken aus Sponsoring einnahmen, die restliche Summe müssen die Spieler selber decken, sei dies mit diverse Festen, durch Zeitungssammeln oder andere Arbeiten für den Verein. Happige Zeiten also im Amateurgeschäft der Eishockeyaner. Trotzdem beruhigt Sportchef Sven Breitenmoser in einem Zeitungsbericht vom Mai 2010 und meint dazu, dass dies die Mehrheit der Spieler so wollte. Fakt ist das der EHC Wallisellen trotz einem finanziellen Engpass und einem Helferproblem in der 2. Liga bestehen bleiben kann.
Derzeitig ist es so, dass besonders in der Regio League eine Eigenverantwortung den Vereinen zugetragen wird, erklärt Ligachef Mark Wirz. Dass die globale Wirtschaftskrise nun auch im Eishockey und den übrigen Sportarten angekommen ist, merken viele Vereinsfunktionäre bei den Sponsoringeinnahmen. Trotzdem wird ein zweiter Fall wie der in Neuenburg hoffentlich nicht mehr so rasch in der Schweiz anzutreffen sein. Sämtliche 22 Teams der National League haben für die kommende Saison eine Spielberechtigung erhalten.