Chicago Blackhawks: Perfektion von Anfang bis Schluss

Von Dennis Schellenberg

Mit dem Overtime-Treffer im Spiel sechs sicherten sich die Chicago Blackhawks in der Nacht auf Donnerstag den Stanley Cup. Es war seit 1961 der erste Titel und damit ging die längste Durststrecke eines Clubs in der NHL zu Ende.

Im ersten Moment merkte praktisch niemand im Wachovia Center in Philadelphia, dass der Schuss von Patrick Kane hinter Michael Leighton im Tor landete und die Chicago Blackhawks den Stanley Cup soeben gewonnen haben. Nur Kane selber zögerte keine Sekunde an seinem Glück und entledigte sich seiner Ausrüstung und lief mit ausgestreckten Händen auf Torhüter Antti Niemi zu. Der Puck versteckte sich unter der dem unteren Schutz klar hinter der Linie und die Schiedsrichter gaben den Treffer ohne gross zu diskutieren. Als auch noch der letzte Hawks-Spieler dies erkannte, gab es kein Halten mehr. Kapitän Jonathan Toews bekam von Liga-Komissionär Gary Bettman den Stanley Cup überreicht und die Nacht in Philadelphia konnte so richtig beginnen. Zwei Millionen Fans feierten die Blackhawks bei der Meisterfeier.

Vor der Saison galten die Chicago Blackhawks bei vielen Experten als heisser Titelanwärter. Das noch junge Team sei gereift und habe bei der letzten Playoffniederlage gegen Detroit an Erfahrung gewonnen. Das Team von Coach Joel Quenneville wurde den hohen Erwartungen gerecht. Mit dem Cupgewinn endete eine nahezu perfekte Saison der Chicago Blackhawks. Die reguläre Saison beendete man auf dem zweiten Platz in der Western Conference. Danach liess man sich gegen Nashville, Vancouver und das starke San Jose nicht aus der Ruhe bringen und die Hawks machten erste Anzeichen als ernst zunehmender Titelanwärter. Und auch im Final gegen die überraschend starken Philadelphia Flyers zeigte man eine souveräne Leistung und gewann den Stanley Cup verdient.

Für den Gewinn des Stanley Cups gibt es eine handvoll Gründe. Hockeyfans.ch hat die wichtigsten aufgelistet:

1. Sturmlinie

Vor allem in den Playoffs zeichnete sich die erste Sturmformation um Jonathan Toews, Dustin Byfuglien und Patrick Kane als tödliche Waffe im Angriffsspiel der Indianer. Die perfekte Mischung aus Tempo, Technik und physischem Element bereitete der gegnerischen Abwehr jeweils grosse Sorgen.

Nicht nur eine starke Linie

Während der Saison waren die Chicago Blackhawks nicht nur von Patrick Kane abhängig. Dritt- oder Viertlinienspieler wie zum Beispiel Troy Brouwer oder Andrew Ladd trafen öfters ins Netz. Dazu kam ein erfahrener John Madden, der ein wenig Ruhe in das Aufbauspiel bringen konnte. In den Playoffs geisterte immer wieder Dustin Byfugliens Namen als "Differencemaker" auf. Der bullige Stürmer spielte starke Playoffs und machte oftmals den kleinen Unterschied aus. Vor allem mit Kane und Toews an seiner Seite konnte er sich auf sein körperbetontes Spiel vor dem gegnerischen Torhüter konzentrieren. Mehr als einmal konnte "Big Buff" vor dem Torhüter für Unruhe sorgen. Als im Final die erste Linie von der Flyers-Verteidigung neutralisiert wurde, waren es Spieler wie Marian Hossa, Patrick Sharp oder Dave Bolland, die einen Gang höher schalten konnten.

Niemi blieb solide

Wenn man bei den Hawks nach einer Schwäche finden konnte, waren es die Torhüter. Schon vor der Saison war eigentlich klar, dass der Franzose Cristobal Huet kein sicherer Rückhalt sein wird. Und so stellte es sich dann auch heraus, dass der Finne Antti Niemi in den Playoffs beginnen wird. Nachdem Niemi in den ersten Einsätzen überzeugende Leistungen zeigen konnte, fragten sich alle, wie lange es noch dauern würde, bis der Finne einbricht. Doch dies geschah zu keinem Zeitpunkt. Niemi hielt bis in die Finalspiele stark und setzte einen der Grundsteine für den Cupgewinn.

Guter Mix aus verschiedenen Spielertypen

Chicago verfügt über viele verschiedene Spielertypen. Neben den wendigen und technisch starken Kane und Toews, vervollständigen harte Arbeiter wie Dustin Byfuglien oder Troy Brouwer das Kader. Auch in der Verteidigung ist die Situation identisch. Neben technisch versierten Verteidiger wie Brian Campbell und Duncan Keith sind Brent Seabrook und Brent Sopel harte Arbeiter.

Seabrook und Keith

Nicht ohne Grund wurden Brent Seabrook und Duncan Keith auch im kanadischen Olympiakader zusammen aufgestellt. Die beiden ungleichen Abwehrspieler verstehen sich beinahe blind und ergänzen sich perfekt. Seabrook brilliert mit hartem und konsequentem Abwehrverhalten während Keith mit seiner Spielintelligenz und Wendigkeit das Spiel von hinten heraus aufbaut. Beide Spieler haben eine grossartige Saison gespielt und wurden Ihren Erwartungen mehr als gerecht.

Als jung, erfolgshungrig, ausgeglichen und physisch stark wurden die Chicago Blackhawks vor der Saison beschrieben. Und genau diese Eigenschaften konnten sie ausführen und boten eine perfekte Saison, die völlig verdient mit dem Stanley Cup belohnt wurde. Schlicht das beste Team hat gewonnen, da sind sich alle einig. Nun wartet auf Chicago einen kurzen aber intensiven Sommer. Und viele verschiedene Ortschaften dürfen sich auf den traditionellen Besuch des Stanley Cups freuen.