Langenthal setzt sein Nachwuchskonzept fort

Von Roland Jungi

Noch vor einigen Wochen lief der Schulterschluss im Nachwuchsbereich zwischen B-Ligist Langenthal und den Huttwil Falcons, 1.-Ligist, praktisch reibungslos und erfolgreich. Doch urplötzlich kündigte der unterklassige Klub einseitig die Vereinbarung auf. Die Folgen davon: die Mädchen und Buben beider Vereine, die Eltern, die Trainer und alle anderen Funktionäre hingen in Bezug auf die neue Saison in einem luftleeren Raum. Um die grosse, vorherrschende Unsicherheit zu beseitigen, haben die Verantwortlichen der Oberaargauer reagiert und werden alleine die grossen Herausforderungen der nahen Zukunft übernehmen resp. tragen.

Kaum jemand war vor einem Jahr davon ausgegangen, dass die „Hochzeit“ im Nachwuchsbereich zwischen dem SC Langenthal und den heutigen Huttwil Falcons nur vor kurzer Dauer – 1 Jahr – dauern würde. Beide Vereine legten dabei alle nötigen Karten auf den Tisch und verfolgten nur ein Ziel: dem Nachwuchs im Oberaargau und im Unteremmental Perspektiven für eine erfolgreiche Zukunft im Eishockey zu bieten.

Trotz den sich einstellenden Erfolgen folgte, wie bereits erwähnt, vor einigen Wochen die Aufkündigung. Längst haben sich die Huttwiler zu erklären versucht. Etwas mehr Zeit liessen sich die Langenthaler. Im Pressecafi von gestern Nachmittag, bei dem Stephan Anliker, der Verwaltungsratspräsident, Gian Kämpf, der Geschäftsführer, Alex Chatelain, Chef des SCL Nachwuchs, Oliver Horak, der Ausbildungschef des SCL sowie Ruedi Minder, der ehemalige Nachwuchschef der Huttwiler, wurden die Fakten auf den Tisch gelegt.

Grosse Herausforderungen meistern
Die Auflösung hat grosse Auswirkungen auf den generellen Betrieb der SC Langenthal AG. Durch die vielen JuniorInnen, welche definitiv zu den Oberaargauern gestossen sind, werden in Sachen Logistik viele grosse Hürden zu nehmen sein. Vor allem bei der Benützung des einzigen Eisfeldes im „Schoren“, denn die Langenthaler geniessen kein Gastrecht mehr im Nationalen Sportzentrum in Huttwil. Gemäss Chatelain wird es keine Einschränkungen für die anderen Klubs im „Schoren“ geben, d.h. gewisse kleinere Abstriche müssen in Kauf genommen werden. Da zurzeit die Budgets sowohl bei der 1. Mannschaft als auch im Nachwuchs erstellt werden, lässt es sich nicht vermeiden, dass Mehrkosten, welche aus der neuen Situation entstehen, einkalkuliert werden müssen. „Uns ist es gelungen, aus einem Minus von 90'000 Franken eine schwarze Null zu schreiben“, sagte Chatelain. Die Huttwiler konnten ein Loch von 15'000 Franken stopfen.

Chancen beim Alleingang
Oliver Horak, der Ausbildungschef des SCL, äusserte sich wie folgt dazu: „Da wir vor einem Jahr das Label verloren haben, war die Zusammenarbeit mit den Huttwilern der ideale Startschuss, dieses wieder zurück zu holen. Einen grossen Dank spreche ich den SCL Young Tigers aus. Mit diesen konnten wir einen 5-Jahres-Vertrag abschliessen. Diese haben ihre Versprechen immer eingehalten, da wir phasenweise zu wenig eigene Spieler (Verletzte) zur Verfügung hatten.“ Deshalb ist der ehemalige Langnauer Haudegen überzeugt, dass der Alleingang eine grosse Chance für die Langenthaler ist.

Auf welche Massnahmen stützt sich diese Aussage? „Durch den Support in der Trainercrew mit Rückkehrer Noel Guyaz und Alex Chatelain wurde das Know-how massiv aufgewertet. Wir haben ein neues Trainingsprogramm aufgegleist. In diesem zieht sich ein „roter Faden“ von den Kleinsten bis zu den Grössten durch. Unser Nachwuchs wird alle Partien im Schoren bestreiten.“

Fit für die Zukunft
Gian Kämpf, der GF der Langenthaler, dazu: „Wir haben die Pflicht, nicht nur die 1. Mannschaft zu fördern. Ein wichtiges Standbein ist auch unser Nachwuchs. Hier gilt es zum einen die Spitze voran zu bringen und zum anderen auch die Breite nicht zu vernachlässigen. Mit dem Ausbildungskonzept, welches greift, haben wir ein gutes Instrument erhalten. Dieses wird uns einen gewichtigen Schritt nach vorne bringen. Grosse Unterstützung erwarten wir vom neuformierten Elternrat. Für uns alle gilt es jetzt nach den unruhigen Tagen, uns wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.“ Hier ist auch Alex Chatelain gefordert. „In meiner kurzen Amtszeit stellte ich fest, dass der SC Langenthal in der lokalen und überregionalen Industrie und bei den KMU gut verankert ist. Hier sehe ich meine grösste Herausforderung: den Goodwill zu verstärken, um die Unterstützung mit eigener Qualitätssteigerung zu verbessern.“ Deshalb sind die Langenthaler überzeugt, dass der Nachwuchs fit für die nahe Zukunft ist.

Huttwil hat Chance verpasst
Ruedi Minder, ehemaliger Nachwuchschef der Huttwiler, nahm bei seiner Analyse zum Aus der Zusammenarbeit kein Blatt vor den Mund und wurde deutlich: „Wir haben ein grosse Chance verpasst. Trotz den vielen reglementarischen Einschränkungen des Verbandes ist es uns gelungen, Strukturen zu schaffen, welche für beide Seiten stimmten. Wir haben schon früh die ersten Mängel resp. Fehler erkannt und diese schnell beseitigen können.“ Wie sich die Situation am Oberlauf der Langeten verschärfen wird resp. sich bereits verschärft hat, zeigt die folgende Aussage von Minder: „95 (!) % des ehemaligen Huttwiler Nachwuchses wird künftig beim SC Langenthal spielen.“ Waren sich die Falcons dieser Problematik vor der Auflösung bewusst? Nein! Bekanntlich dauert ein kompletter Neubeginn im Nachwuchs mindestens 5 Jahre und erfordert beinahe schon unmenschliche Anstrengungen und finanzielle Mittel.